Halle hat es wieder einmal getan. Während die Stadtkasse so gähnend leer ist, dass man das Echo der Schulden fast bis nach Merseburg hört, gönnt sich die Saalestadt am Mühlgraben ein bisschen „Street-Art-Schick“ für schlappe 21.000 Euro. Man muss die Prioritäten der Stadtverwaltung einfach lieben: Da errichtet man eine Flaniermeile, bei der jeder Quadratmeter Asphalt preislich locker mit einer vierspurigen Autobahn konkurrieren kann, und stellt am Ende fest, dass die nackte Betonwand darunter irgendwie trostlos wirkt. Also her mit der Sprühdose, schließlich flaniert es sich mit ästhetischem Anspruch direkt viel ungenierter am finanziellen Abgrund vorbei.

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Mancher Skeptiker mag bei der Summe für ein bisschen Farbe auf 100 Quadratmetern schlucken, doch in der bizarren Logik kommunaler Haushaltsplanung ist das fast schon ein Schnäppchen. Wenn das gesamte Bauprojekt bereits eine knappe Million verschlungen hat, wirkt die künstlerische Untermalung wie die Gratis-Beilage im Fast-Food-Menü – ein kleiner Farbtupfer auf einem Trümmerhaufen aus Krediten. Wer braucht schon solide Finanzen, wenn er stattdessen ein Wandbild bekommt, das thematisch Bezug zu Wasser, Flora und Fauna nimmt? Vermutlich symbolisieren die gemalten Fische jene Hallenser, die in der Saale bald die Einzigen sind, die noch nicht unter der Last der städtischen Verbindlichkeiten untergegangen sind.

Besonders beeindruckend liest sich die Bilanz der Effizienz: Ganze fünf Monate wurde am Entwurf gefeilt, nur um das Werk dann in gerade einmal sieben Tagen an die Wand zu klatschen. Das ist wahre Staatskunst. Dass die Künstlergruppe aus Berlin und Leipzig anreisen musste, um uns zu zeigen, wie Natur aussieht, setzt dem Ganzen die Krone auf. Finanziert wird das Spektakel natürlich aus „Eigenmitteln“ – ein schöner Euphemismus für Geld, das man eigentlich nicht hat, aber trotzdem mit beiden Händen aus dem Fenster wirft, solange der Rahmen stimmt.

Am Ende bleibt ein hübsch verziertes Denkmal der Verschwendung. Wenn das Geld demnächst wieder nicht für die Sanierung maroder Schulen oder das Stopfen von Schlaglöchern reicht, können die Bürger wenigstens am Mühlgraben vorbeispazieren und die kunstvolle Darstellung der Tierwelt bewundern. Es ist doch tröstlich zu wissen: In Halle ist zwar kein Geld im Beutel, aber dafür der Beton am schönsten bemalt. Man flaniert hier nicht einfach nur auf einem Gehweg, man schreitet über pures Gold – oder zumindest über etwas, das die Steuerzahler ähnlich teuer zu stehen kam.

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