Die Braunschweiger Bäder registrieren seit einigen Jahren immer mehr Badeunfälle – nahezu in allen Altersgruppen.
Im Gespräch mit News38 erklärt ein Sprecher der Stadtbad Braunschweig Sport und Freizeit GmbH, welche Ursachen dahinterstecken könnten und wie die Bäder darauf reagieren wollen.
📌 DLRG Statistik 2025: Ertrinken
- Die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) hat hierzulande im vergangenen Jahr 393 tödliche Unglücke in den Gewässern verzeichnet.
- Über die Hälfte (56 Prozent) der tödlichen Unfälle ereignete sich während der Badesaison von Anfang Mai bis Ende August.
- Die meisten tödlichen Unfälle in einem Monat ereigneten sich im Juni
- Die meisten Opfer in der DLRG‑Statistik für das Jahr 2025 waren älter als 60 Jahre: 138 Personen entsprechen 42 Prozent der Opfer bekannten Alters.
Braunschweig: Mangelnde Schwimmfähigkeit und Selbstüberschätzung
„Die Häufung von Fällen nehmen wir seit ca. sieben bis acht Jahren wahr“, erklärt der Schwimmbad-Sprecher gegenüber unserer Redaktion. Genaue Zahlen gebe es zwar nicht, da nach einem Rettungssprung nicht immer die Personalien der betroffenen Person aufgenommen werden.
Nach Einschätzung der Badleiter liege die Zahl bei Kindern und Jugendlichen unter 16 Jahren jedoch bei etwa zehn bis 15 Fällen pro Jahr. „Das beinhaltet sämtliche Rettungssprünge, die für Personen in dieser Altersgruppe notwendig waren. Die Ursachen waren dabei mangelnde Schwimmfähigkeit, aber auch zum Beispiel Krämpfe oder Atemnot durch Verschlucken“, so der Sprecher weiter.
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Als möglichen Grund nennt die Stadtbad GmbH die steigende Zahl von schwimmunfähigen Gästen. Das betreffe inzwischen fast alle Altersgruppen. Ursache dafür könnten unter anderem die pandemiebedingten Schließungen der Schwimmbäder gewesen sein, durch die vielerorts Schwimmkurse ausfielen.
„Aber auch die Einstellung von Eltern gegenüber der Bedeutung der Schwimmausbildung und der Zuzug von Personen aus Ländern, in denen die Schwimmausbildung nicht möglich war oder weniger Bedeutung hat, können Gründe sein.“ Hinzu kämen gelegentliche Selbstüberschätzung und fehlendes Bewusstsein für die Gefahren tiefen Wassers.
„Unsere Aufsichtskräfte entwickeln einen guten Blick dafür“
Auch in Vern (Nordrhein-Westfalen) kommt es immer wieder zu tragischen Badeunfällen. Ein Schwimmbad vor Ort hat deshalb eine neue Regelung erlassen: Kinder unter 16 Jahren dürfen hier laut der „Bild“-Zeitung nur noch baden, wenn sie ein Bronze-Abzeichen vorweisen können oder eine Begleitperson dabei haben. Solche Maßnahmen sind in Braunschweig jedoch erstmal nicht vorgesehen. Dennoch wird auch hier besonders Acht gegeben.
„Wir behalten die Situation regelmäßig im Blick und besprechen sie zwischen Badleitern und Geschäftsführung“, betont der Schwimmbad-Sprecher. Die aktuelle Hausordnung sieht bereits vor, dass Personen, die sich nicht ohne Hilfe sicher fortbewegen oder an- und auskleiden können, die Bäder nur mit einer geeigneten Begleitperson nutzen dürfen. Gleiches gilt für Kinder bis sieben Jahre sowie für Kinder über sieben Jahre ohne Seepferdchen-Abzeichen.
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Darüber hinaus werden die Aufsichtskräfte regelmäßig geschult und ihre Rettungsfähigkeit überprüft. „Mit zunehmender Erfahrung entwickeln unsere Aufsichtskräfte auch einen guten Blick dafür, welche Personen(gruppen) man besonders im Auge behalten sollte.“ Wenn die Mitarbeiter Nichtschwimmer oder unsichere Schwimmer im Schwimmerbereich entdecken, sprechen sie diese direkt an und klären über Gefahren auf oder verweisen sie gegebenenfalls aus dem Bereich.
Zusätzlich setzen die Braunschweiger Schwimmbäder seit Jahren auf Aufklärungskampagnen rund um Schwimmfähigkeit, Sicherheit und Begleitpersonen. „Und natürlich bemühen wir uns um die Schwimmausbildung von Kindern, Jugendlichen aber auch erwachsenen Nichtschwimmern“, so der Sprecher abschließend.