Der Koordinationsrat der Muslime (KRM) fordert zum 20-jährigen Bestehen der Deutschen Islamkonferenz (DIK) eine Neuausrichtung des Gremiums. In den vergangenen zwei Jahrzehnten seien aus der Islamkonferenz konkrete Impulse hervorgegangen, die zur weitergehenden Beheimatung und Förderung muslimischen Lebens in Deutschland beigetragen haben, sagte KRM-Sprecher Laurent Ibra am Mittwoch in Köln. Dazu zählten insbesondere die Einführung und Ausweitung des islamischen Religionsunterrichts an staatlichen Schulen, der Aufbau islamisch-theologischer Studiengänge an Universitäten sowie Fortschritte im Bereich der Wohlfahrtspflege und Seelsorge.

Umso kritischer sei zu beobachten, dass sich der Fokus der Islamkonferenz in den vergangenen Jahren zunehmend auf das Thema Extremismus und sicherheitspolitische Fragestellungen verengt habe. Dabei seien „die Stimmen und Mahnungen relevanter muslimischer Akteure und der breiten Basis der Muslime relativiert, gar ignoriert“ worden, kritisierte der KRM. Vor dem Hintergrund wachsender Islamfeindlichkeit und antimuslimischer Ressentiments wäre es dringend geboten, die Perspektive stärker auf die Erfahrungen von Muslimen als Betroffene von Diskriminierung und Rassismus zu richten.

Praktische Fragen muslimischen Lebens stärker berücksichtigen

Auch praktische Fragen muslimischen Lebens könnten konkrete und konstruktive Arbeitsfelder sein, schlug der KRM-Sprecher vor. Als Besipiele nannte er etwa muslimische Grabfelder, muslimische Soldatinnen und Soldaten in der Bundeswehr, Seelsorge in öffentlichen Einrichtungen oder die institutionelle Gleichbehandlung muslimischer Religionsgemeinschaften.

Die Islamkonferenz wurde 2006 als Forum für den Dialog zwischen Staat und muslimischen Verbänden gegründet. Ziel war, dass die muslimischen Gemeinden gleiche Rechte und Teilhabemöglichkeiten wie die großen Kirchen erhalten. Dem KRM sind der türkisch-Islamische Verband Ditib angeschlossen sowie der Islamrat, die Union der Albanischen Zentren, der Zentralrat der Muslime und der Zentralrat der Marokkaner in Deutschland.

Deutschland und der Islam

Gehört der Islam zu Deutschland? Seit mehreren Jahren gibt es kontroverse Diskussionen über diese Frage. Die Katholische Nachrichten-Agentur (KNA) dokumentiert einige Etappen:

2006: Auf Initiative von Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) tritt am 27. September in Berlin zum ersten Mal die Islamkonferenz zusammen. Ziel ist eine bessere Integration von rund vier Millionen Muslimen in Deutschland. Schäuble sagt zum Auftakt: „Der Islam ist Teil Deutschlands und Teil Europas, er ist Teil unserer Gegenwart und Teil unserer Zukunft.“