Alle sind sie aufgesprungen im Graben des leeren Münchner Nationaltheaters und rufen „Alles Gute zum Geburtstag, lieber Maestro!!!“ Gerade haben sie ihm unter Leitung von Vladimir Jurowski ein Happy-Birthday-Ständchen in voller Orchesterbesetzung gespielt: Am 29. April ging dieser musikalische Gruß per Video an Zubin Mehta, an dem Tag feierte der große Dirigent seinen 90. Geburtstag. Doch dabei lässt es die Bayerische Staatsoper keinesfalls bewenden. Sie wird ihn, den in all den Jahrzehnten vielleicht be- und geliebtesten ehemaligen Generalmusikdirektor des Hauses, noch ganz groß feiern: Am 30. Mai mit einem Festkonzert zu seinen Ehren, das er auch selbst dirigieren wird.
Allerdings hat die Staatsoper hier mittlerweile eine Programmänderung bekannt gegeben: „Mit Rücksicht auf seine Gesundheit“ habe sich Zubin Mehta entschieden, anstelle der ursprünglich geplanten dritten Symphonie von Gustav Mahler die vierte Symphonie von Johannes Brahms und die achte Symphonie von Franz Schubert zu dirigieren. Zudem: Sein Dirigat der beiden „Turandot“-Serien im kommenden Juni und Juli hat Mehta aufgrund seiner eingeschränkten Mobilität nun abgesagt.
Ein Tänzchen zum Abschied der Ära Jonas/Mehta: Zubin Mehta (links) und Sir Peter Ende Juli 2006, als ihre Zeit an der Bayerischen Staatsoper als Generalmusikdirektor beziehungsweise Staatsintendant zu Ende ging. imago/Lindenthaler
Von 1998 bis 2006 war Mehta Generalmusikdirektor der Bayerischen Staatsoper, laut Haus-Statistik leitete er rund 440 Opernaufführungen und Konzerte. Der damalige Staatsintendant Sir Peter Jonas hatte den Dirigenten nach München geholt. Und die herzliche Freundschaft, die diese beiden Männer dann pflegten, trug nicht nur künstlerisch reiche Früchte, sondern übertrug sich auch atmosphärisch auf alle im Haus – und auf das Münchner Publikum. Auch wenn die wenigsten die Leidenschaft der beiden für den Commonwealth-Lieblingssport Cricket geteilt haben dürften. Legendär, dass der Londoner und der Mann aus Mumbai im Intendantenbüro gemeinsam wichtige Matches im TV verfolgten oder im Englischen Garten hin und wieder selbst die Schläger schwangen. Mehta setzte dabei seine Dirigentenhände in der typischen indischen Cricket-Technik ein. Behauptete zumindest Sir Peter.
2022 erwies Zubin Mehta seinem 2020 gestorbenen Freund die Ehre und dirigierte bei der Gedenk-Matinee unter dem Titel „Celebrating Sir Peter“. Die beiden Männer hatten nicht nur einen ähnlichen Sinn für Humor geteilt, ihre Liebe zur Musik und zum Cricket, sondern auch das Schicksal der Krankheit. Nie vergessen, so hat Mehta später erzählt, werde er dem Freund, dass dieser, obwohl selbst gesundheitlich angeschlagen, für zwei Tage nach Los Angeles gekommen sei, als er an Nierenkrebs erkrankte.
Zubin Mehta
:Ein Freund
Humanist und Schöpfer grandioser Momente in der klassischen Musik: Der große Dirigent Zubin Mehta wird 90.
Man kann sich vorstellen, Sir Peter Jonas hätte wer weiß was darum gegeben, um beim Konzert zum 90. Geburtstag Zubin Mehtas dabei zu sein. Schätzte er doch auch die große Feierkunst des Inders, der gerne auffahren ließ, dass sich die Tische bogen. Bei der Gala am 30. Mai im Nationaltheater, für die es noch Karten gibt, ist jedenfalls musikalischer Genuss garantiert: Mit von der Partie sind auch Mezzosopranistin Okka von der Damerau, einst im Ensemble der Staatsoper, der Staatsopernchor und der Tölzer Knabenchor.
Doch nicht nur die Staatsoper feiert Zubin Mehta: Aktuell beinahe ausverkauft sind die Konzerte, die der Maestro am Donnerstag, 18., 19. und 20. Juni in der Isarphilharmonie gibt. Die Münchner Philharmoniker haben ihren Ehrendirigenten zum Dirigat geladen. Auf dem Programm stehen Wolfgang Amadeus Mozarts Klarinettenkonzert (Solistin: Alexandra Gruber) und Anton Bruckners Neunte Symphonie.
Und dann ist da noch das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks, das am 25. und 26. Juni den roten Teppich für Zubin Mehta ausrollt. Im Herkulessaal kommt es zur „Begegnung zweier Lebenswerke“: Denn als Solist ist Rudolf Buchbinder zu erleben, der im Dezember seinen 80. Geburtstag feiern wird. Zu hören sind Wagners „Rienzi“-Ouvertüre, Beethovens Drittes Klavierkonzert und Richard Strauss’ „Also sprach Zarathustra“.
