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Berlin – In einem offenen Brief an die Bundesregierung fordert die deutsche Live-Branche schärfere Gesetze gegen den ausufernden Ticket-Zweitmarkt. Das Problem kennen viele Konzertfans: Begehrte Shows sind nach Minuten ausverkauft. Kurz darauf tauchen die Tickets zu deutlich höheren Preisen auf Weiterverkaufsplattformen wieder auf.

Hinter der Initiative stehen u. a. die Organisation Pro Musik sowie der Bundesverband der Konzert- und Veranstaltungswirtschaft (BDKV). Unterstützung kommt von zahlreichen bekannten Künstlern, darunter Die Ärzte, Die Toten Hosen, Nina Chuba (27), Johannes Oerding (44) oder Annett Louisan (49). Gemeinsam wollen sie erreichen, dass der Zweitmarkt für Tickets strenger reguliert wird.

Auch Sängerin Nina Chuba (27) hat den offenen Brief unterzeichnet

Auch Sängerin Nina Chuba (27) hat den offenen Brief unterzeichnet

Foto: Georg Wendt/dpa

Abzocke mit begehrten Konzerttickets

Im Zentrum der Kritik stehen professionelle Händler, die Konzertkarten in großen Mengen aufkaufen – oft mithilfe automatisierter Software, sogenannter Bots. Diese Programme sind in der Lage, innerhalb von Sekunden zahlreiche Tickets zu sichern, noch bevor normale Fans überhaupt eine Chance haben. Anschließend werden die Karten mit teils massiven Aufschlägen weiterverkauft. Nach Angaben der Initiatoren sind Preissteigerungen von 250 Prozent und mehr keine Seltenheit. Für viele Fans werden Konzerte dadurch unerschwinglich. Gleichzeitig profitieren weder die Künstler noch die Veranstalter von diesen Einnahmen – das Geld landet ausschließlich bei den Zwischenhändlern.

Popstars wollen Fans vor Betrügern schützen

Die Branche fordert deshalb konkrete gesetzliche Maßnahmen. Dazu gehört eine Preisobergrenze für den Weiterverkauf, die bei maximal 25 Prozent über dem ursprünglichen Ticketpreis liegen soll. Außerdem sollen sogenannte Leerverkäufe verboten werden – also das Anbieten von Tickets, die der Verkäufer noch gar nicht besitzt. Auch automatische Software, um massenhaft Tickets zu verkaufen, soll verboten werden. Zusätzlich fordern die Initiatoren mehr Transparenz auf den Plattformen: Gewerbliche Anbieter dürften sich künftig nicht mehr als Privatverkäufer ausgeben. Die Forderungen richten sich direkt an die Bundesregierung. Diese hat bereits angekündigt, den Ticketzweitmarkt stärker regulieren zu wollen, um Verbraucher besser vor überhöhten Preisen und betrügerischen Praktiken zu schützen.