Eigentlich soll es für die deutschen und europäischen CO₂-Emissionen nur noch eine Richtung geben: nach unten. Dazu haben sich die 27 Staaten bei UN-Klimagipfeln verpflichtet, dafür gibt es Gesetze, Richtlinien, Förderprogramme. Doch am Mittwoch publizierte die EU-Kommission Zahlen, die nach oben weisen.
2024 hatten die 27 EU-Staaten demnach saisonbereinigt zusammen 3305 Millionen Tonnen Kohlendioxid freigesetzt. Im vergangenen Jahr waren es jedoch, addiert man die neuen Zahlen vom Mittwoch für das vierte Quartal 2025 mit dem Rest des Jahres, 3340 Millionen Tonnen. Das sind 35 Millionen Tonnen oder ein Prozent mehr, und entspricht wieder dem Wert von 2023.
Es liegt nahe, dies als nur kleine Schwankung oder gar als Rundungsfehler abzutun und auf statistische Korrekturen zu setzen. Das verkennt aber, wie sehr die Zeit drängt und wie fatal die anti-ökologische Stimmung, die in Deutschland und Europa um sich gegriffen hat, noch werden kann. Stagnation beim Klimaschutz kann sich Europa nicht leisten, Rückschritte schon gar nicht.
Klimaschutz ist wirtschaftlich rational
Nach dem russischen Angriff auf die Ukraine hat nun die Blockade der Straße von Hormus zum zweiten Mal in etwas mehr als fünf Jahren vorgeführt, wie gefährlich unsere Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen auch wirtschaftlich ist. Über Nacht können die Preise für Kohle, Erdgas und Erdöl in die Höhe schießen und hart erarbeitetes Geld der Verbraucher und Firmen in Richtung Fossilkonzerne und Diktaturen wie am Golf umlenken.
Selbst wenn es den Klimawandel nicht gäbe, wäre Energiesparen, mehr Effizienz und der schnelle Umstieg auf erneuerbare Energiequellen geboten. Der Rückgang der Emissionen wäre in diesem Fall nur der Nebeneffekt einer wirtschaftlich vernünftigen Strategie.
Doch der Klimawandel wächst an Stärke, unabhängig davon, wie viel Medieninteresse und Beratungszeit an Kabinettstischen er findet. Die planetaren Umbrüche haben, angestoßen von 200 Jahren gigantischen Kohlenstoffemissionen durch die menschliche Zivilisation, gerade erst begonnen. Schon jetzt steht fest, dass gewaltige Veränderungen über Jahrhunderte anstehen, sofern kein Weg gefunden wird, der Atmosphäre Hunderte Milliarden Tonnen Treibhausgase zu entziehen. Wie heftig und gefährlich die Folgen ausfallen, darüber entscheiden wir jetzt.