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Brachten gute Kunde ins Verlagshaus: OB Felix Schwenke, Minister Timon Gremmels und Planungsdezernent Paul-Gerhard Weiß (von links), daneben Chefredakteur Philipp Keßler und Redakteur Frank Sommer. © Ronny Paul
Die Finanzierung für das Ledermuseum in Offenbach steht endlich. Doch ein Kostenrisiko bleibt, zudem müssen Sammlungsobjekte aufgearbeitet werden.
Offenbach – Endlich steht die Finanzierung für die Sanierung des Ledermuseums: Hessens Wissenschaftsminister Timon Gremmels (SPD) hat angekündigt, dass sich das Land mit bis zu elf Millionen Euro beteiligen werde. Damit gibt das Land eine Million Euro mehr als zunächst angekündigt. Zwar hoffte man in der Stadt auf bis zu 14 Millionen Euro, doch angesichts der generellen Haushaltslage ist man froh, endlich konkrete Zahlen für die Planung zu haben.
Nicht mehr zeitgemäß: Die Ausstellungsräume im Deutschen Ledermuseum sollen deutlich aufgewertet werden. © Laura Brichta
„Die Zeit drängt, denn die Bundesförderung muss bis Ende 2027 abgerufen werden“, sagt Gremmels. Bis zu 20 Millionen Euro beträgt die Förderung des Bundes, bei geschätzten Gesamtkosten von inzwischen 42,6 Millionen Euro ein bedeutender Anteil. Nun ist auch die Landesförderung verhandelt, den restlichen Betrag muss die Stadt beisteuern. „Alle Abgeordneten der demokratischen Fraktionen aus Offenbach im Landtag haben an einem Strang gezogen“, betont der Minister.
Die Anteile von Bund und Land sind gedeckelt: „Wir sind aber bereit, nach dritten Förderern zu schauen, die noch Geld hinzugeben können“, sagt Gremmels. Das Ledermuseum ist für das Land ein sogenannter Zuwendungsbau: Es ist nicht in Landesbesitz, doch fühlt sich das Land laut Gremmels verpflichtet, es finanziell zu unterstützen. „Ich bin froh, dass, nachdem meine beiden Vorgänger die Unterstützung zugesagt haben, wir nun Fakten schaffen können.“
Oberbürgermeister Felix Schwenke (SPD) erinnert daran, dass die Zusagen vom Land aus Zeiten stammen, als die wirtschaftliche Situation eine andere war und die Baukosten noch nicht derart explodierten. „Wir nehmen die elf Millionen, wenn wir die zugesichert bekommen“, sagt er, denn ohne Bundes- und Landesförderung könnte Offenbach die Sanierung nicht leisten.
Zehn der elf Millionen Euro des Landes werden für die Sanierung genutzt, mit einer Million Euro wird der Erhalt der Sammlung gefördert. Durch die Deckelung bleibe ein gewisses Kostenrisiko bestehen, sagt Planungsdezernent Paul-Gerhard Weiß (FDP), doch das sei praktisch bei sämtlichen Vorhaben gegeben.
Zum Problem für die städtischen Finanzen könnte noch werden, dass der Bund bei seiner Förderung zwar den Vorplatz des Hauses in die Betrachtung einbezog, nun aber diesen nicht fördern möchte. Ob sich der Bund noch umstimmen lässt, sei schwer einschätzbar, sagen Schwenke wie Weiß.
Doch immerhin kann nun der eigentliche Planungsprozess beginnen, nachdem die Stadt schon vorgeplant hat und es einen Siegerentwurf aus einem Wettbewerb gibt. Klare Vorgabe ist es, das Haus barrierefrei zu gestalten, es zu ertüchtigen, das Raumklima für die Sammlung zu verbessern und zeitgemäße Ausstellungsräume zu schaffen. Für „Hochglanz“ reiche das Geld nicht, sagt Schwenke, aber „es wird Leuchtkraft haben, ein richtig gutes Projekt werden“. Im ersten Quartal kommenden Jahres soll der Vergabebeschluss fallen, dann muss die Sammlung eingelagert werden, damit 2028 die Bauarbeiten beginnen können. Spätestens 2032 soll das Museum wiedereröffnet werden.
„Die Sammlung ist einzigartig“, sagt der Minister. Das Problem: Trotz der fast 110-jährigen Geschichte sind längst nicht alle der über 30.000 Sammlungsobjekte detailliert erfasst. Zudem wurden in den vergangenen Jahrzehnten die Objekte mit Substanzen präpariert, die heute nicht mehr Verwendung finden, da sie als schädlich erachtet werden. Als Folge müssen die kontaminierten Objekte einer speziellen Reinigung unterzogen werden.
Auf knapp vier Millionen Euro werden Dekontaminierung und einfache Digitalisierung der Sammlungsobjekte geschätzt. Das Land beteiligt sich daran mit der nun verkündeten einen zusätzlichen Million Euro. Museumsleiterin Inez Florschütz habe bereits seit geraumer Zeit geforscht, wie die Objekte zu reinigen sind, um sie für die Zukunft zu schützen.
Wo die Objekte während der Sanierung gelagert werden und wie man zumindest einen kleinen Teil in dieser Zeit ausstellt, wird noch geprüft, betont Schwenke. Es sei wichtig, dass die Objekte trotz langer Schließzeit sichtbar blieben, sagt Gremmels.
Die Vereinbarung mit dem Land wird in einen „Letter of Intent“ gefasst, über den die Stadtverordneten am 28. Mai abstimmen werden.