Rund 5000 Frauen und Männer sollen auf dem BKA-Campus arbeiten, wenn das Großprojekt zwischen dem Südosten der Wiesbadener Kernstadt und dem östlichen Stadtteil Erbenheim realisiert ist. Der Campus ist den Planungen zufolge sogar für bis zu 7000 Arbeitsplätze ausgelegt. In jedem Fall wird er genug Platz bieten, um die Beschäftigten des Bundeskriminalamtes, die derzeit noch auf sieben Standorte in der hessischen Landeshauptstadt verteilt sind, an einem Standort zu versammeln. Deshalb ist auch vom „All in One“ die Rede, wenn der BKA-Campus gemeint ist. Das Ostfeld gilt als größtes städtebaulichen Projekt in Wiesbaden seit Jahrzehnten.
Es ist nachvollziehbar, wenn sich Helen Albrecht, stellvertretende Leiterin des BKA, erfreut zeigt, dass die vor einem Jahr von der Wiesbadener Stadtverordnetenversammlung beschlossene Aufstellung eines Bebauungsplans für den BKA-Campus nun Fahrt aufnimmt. Gleiches gilt für den Wiesbadener Oberbürgermeister Gert-Uwe Mende (SPD), der das Bundeskriminalamt als einen unverzichtbaren Teil der Stadt betrachtet.
Der Campus des Bundeskriminalamtes soll an die Ländchesbahn zwischen Wiesbaden und Niedernhausen angeschlossen werden. Zudem ist eine separate Anbindung per Bus vorgesehen, die nicht zulasten der Fahrzeiten von Erbenheim nach Wiesbaden und umgekehrt gehen soll. Das BKA rechnet nach gegenwärtiger Planung mit einem rechtsverbindlichen Bebauungsplan im zweiten Quartal 2028. Mit dem ersten Spatenstich rechnet man für 2029.
Die Stadtentwicklungsgesellschaft Wiesbaden mbH (SEG) hat neben dem Beauftragen von Gutachten die Aufgabe, die insgesamt 450 Hektar Grund zu erwerben, die für das Gesamtprojekt Ostfeld vorgesehen sind. Auf Grundlage einer Entwicklungssatzung, die seit April 2021 gilt, ist es der Stadt nicht nur möglich, die für den Bau benötigten Grundstücke vergleichsweise günstig zu erwerben, sie kann die Eigentümer notfalls auch enteignen und mit Geld oder Ersatzflächen entschädigen. Erste Anträge liegen beim Regierungspräsidium Darmstadt. Im Herbst sind mündliche Verhandlungen angesetzt.
„Ackerpreise für Bauerwartungsland“
Einer der betroffenen Grundeigner ist Ralf Schaab. Der Agrarwissenschaftler und Sprecher einer Gruppe von Eignern führt einen 23 Hektar großen Bauernhof in Erbenheim. Seiner Ansicht nach hat die Stadt die Landwirte und sonstigen Grundstückseigentümer nicht frühzeitig und hinreichend in die Planungen einbezogen. Zudem hält er es für skandalös, dass die Stadt die Eigentümer auf Basis der Preise für Ackerland entschädige.
Tatsächlich setzt die SEG einen Preis von 13,70 Euro je Quadratmeter an und beruft sich auf entsprechende Gutachten. Man könne gar nicht mehr zahlen, hieß es bei der Informationsveranstaltung. Zum Vergleich: Das Geoportal Hessen weist Bodenrichtwerte (Stand Januar 2026) zwischen 425 und 950 Euro für Bauland in nächster Nähe zum Ostfeld-Areal aus. Für Freizeitflächen sind es 30 Euro und für Ackerland sieben Euro. Schaab sagte im Gespräch mit der F.A.Z., angesichts der Bauvorhaben wäre zumindest der Preis für Bauerwartungsland für eine faire Entschädigung angemessen gewesen. Zudem hält er angesichts der angespannten Etatlage der Stadt das gesamte Großprojekt für heikel.
Dazu muss man wissen, dass der BKA-Campus nur ein Teil des Gesamtprojektes Ostfeld ist. Den zweiten, größeren Teil bildet ein Areal, das vom künftigen BKA-Campus durch die A 66 abgetrennt ist und bis in den Süden zur A 671 reicht. Dort ist der Bau von Wohnungen für rund 10.000 Menschen vorgesehen. Für dieses Areal ist die geforderte Schienenanbindung allerdings bislang nicht in Sicht.
Zuletzt wurden die Ausgaben für das gesamte Projekt mit 840,3 Millionen Euro beziffert. Dem sollen später Einnahmen von 630,6 Millionen Euro gegenüberstehen, was ein Defizit von knapp 210 Millionen bedeuten würde.
Oberbürgermeister Mende hob bei der Informationsveranstaltung hervor, dass diesen Aufwendungen dringend benötigter Wohnraum für 10.000 Menschen und die komplette Infrastruktur eines neuen Quartiers gegenüberstünden.