Rang 392 von 400: Wieder ist Wuppertal in einem Ranking nicht gerade ruhmreich gelistet. Diesmal geht es um das IW-Regionalranking. In diesem Ranking untersucht die IW Consult als Tochtergesellschaft des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) seit 2016 alle zwei Jahre 400 Landkreise und kreisfreie Städte anhand von Wirtschaftsstruktur, Arbeitsmarkt und Lebensqualität. Im dazugehörigen Dynamikranking landet Wuppertal auf Platz 104. Aber: Im Ranking 2022 wurde die Stadt noch explizit als „Aufsteiger“ genannt und landete auf Platz sieben.
Diverse Faktoren aus den Bereichen Wirtschaftsstruktur, Arbeitskraft und Lebensqualität liegen dem Ranking zugrunde. Besonders gewichtet wurden Kriterien wie gemeindliche Steuerkraft (14,9 Prozent) und private Überschuldung (13,3 Prozent). Darin liegen auch die Kritikpunkte, die lokale Wirtschaftsvertreter auf WZ-Nachfrage an dem Ranking äußern. „Das Ranking ist aus meiner Sicht primär insofern ernstzunehmen, als es für diejenigen, die Wuppertal nicht kennen und es lesen, ein falsches Bild abgibt. Keiner der für das Ranking verwendeten 14 Einzelindikatoren berücksichtigt Faktoren wie Kreativität und Innovationswillen und -kraft, für die aber Wuppertal steht. Ich persönlich kann das für den Zukunftsbereich Circular Economy/Kreislaufwirtschaft definitiv sagen: Da steht Wuppertal als Gründungsort von Circular Valley ganz vorne und findet von Hamburg bis München und Aachen bis Berlin große Beachtung und Anerkennung“, sagt Circular Valley Gründer Carsten Gerhardt.
Stephan A. Vogelskamp als Geschäftsführer der Bergischen Struktur- und Wirtschaftsförderungsgesellschaft bemängelt, dass das Ranking nicht berücksichtigt, welche Belastungen einzelne Regionen durch aktuelle Krisen zu bewältigen haben und wie viel Strukturwandel bereits hinter den einzelnen Kommunen liegt. „Dennoch dürfen wir uns nicht ausruhen, sondern müssen die Richtung, in die es geht, ernst nehmen.“
Rahmenbedingungen
machen es der Region schwer
IHK-Hauptgeschäftsführer Michael Wenge kann nicht nachvollziehen, wie beispielsweise das Ranking im Bereich Straftaten Wuppertal mit ländlichen Regionen vergleicht – die vergleichsweise junge Gesamtbevölkerung, die Innovationskraft und Patentdichte der Stadt hingegen kaum bis gar nicht berücksichtigt. „Generell halte ich es für problematisch, ganz unterschiedliche Indikatoren zu gewichten und dann zu einem Gesamtranking zu verdichten. Wir empfehlen eine lösungsorientierte Einzelbetrachtung“, sagt er und verweist auf den IHK-Regionalradar.
Dass Wuppertal 2022 so positiv abgeschnitten hat, schreibt André Betzer, Vorsitzender des Wuppertal Instituts für Unternehmensforschung und Organisationspsychologie, einem postpandemischen Industrieaufschwung zu: Die Region sei damals für ihre Stabilität belohnt worden. Nun hätten aber Energie- und Standortkosten diese Dynamik gebremst. „Wuppertal hat zwar weiterhin diese industriellen Stärken. aber weniger große Zukunftscluster als andere Regionen und kommunal geringere fiskalische Spielräume.“
Dennoch sei Wuppertal in Sachen Dynamik noch überdurchschnittlich, sagt Eva Platz, Vorständin der Wirtschaftsförderung, und gibt ein Beispiel, mit welchen Kriterien Wuppertal eine deutlich bessere Position bekommen hätte. Wäre demnach Forschung- und Entwicklung ein Aspekt gewesen, hätte Wuppertal punkten können. „Außerdem für uns als Wirtschaftsförderung ein ganz wichtiger Faktor: die Unternehmenslandschaft. Laut Standortranking der Deutschen Wirtschaft haben wir 14 Weltmarktführer. Damit gehört Wuppertal zur bundesweiten Spitze (Platz 4). Zudem gehören 51 der insgesamt 97 identifizierten lokalen Top-Unternehmen dem Mittelstand an, der das Rückgrat der deutschen Wirtschaft ist. Das beweist eine breite erfolgreiche und innovative Unternehmenslandschaft“, so Eva Platz.
Diesen Mittelstand will Michael Schulte (CDU), Vorsitzender des Ausschusses für Stadtentwicklung, Wirtschaft, Bauen und Standortmarketing, noch mehr gefördert wissen, denn er sieht das Ranking trotz unglücklicher Faktoren als Fingerzeig, wo es hingehen könnte. „Mehr Mittelstand bedeutet mehr Gewerbe, mehr Arbeitsfläche und mehr guter Wohnraum, also insgesamt mehr Lebensqualität. Darum darf auch eine Gewerbesteuererhöhung auf keinen Fall kommen.“