Vertreter geht durch eine Haustür. (Themenbild)

Stand: 14.05.2026 12:17 Uhr

Zwei Vertriebsmitarbeiter des Energiekonzerns E.ON sollen bei einer Enercity-Kundin an der Haustür bewusst falsche Angaben gemacht haben. Die Frau aus der Region Hannover schloss daraufhin einen Vertrag ab.

von Kristina Hoffmann

Mittagszeit, es klingelt an der Tür von Ulrike Steinmeyer (Name von der Redaktion geändert) in Hannover. Sie öffnet, vor ihr stehen zwei Männer in roten Jacken mit der Aufschrift des Energiekonzerns E.ON. Sie zeigen ihren Dienstausweis und erzählen ihr, dass E.ON das hannoversche Energieunternehmen Enercity aufgekauft hätte und sie deshalb einen neuen Vertrag abschließen müsse, wie Ulrike Steinmeyer dem NDR Niedersachsen berichtet. Wegen der Übernahme könne sie Geld sparen und müsse daher nur den neuen Vertrag unterschreiben, sollen ihr die Männer versichert haben. Ulrike Steinmeyer ist in diesem Moment – so sagt sie selbst – naiv und gutgläubig und unterschreibt den neuen Vertrag bei E.ON.

Komisches Gefühl bei Haustürgeschäft

Ulrike Steinmeyer kommt das im Nachhinein komisch vor. Sie geht ins Internet, ruft bei Enercity an und findet heraus, dass das Unternehmen nicht von E.ON gekauft wurde, die Behauptung eine Lüge war und sie darauf reingefallen ist. „Ich dachte mir schon, wenn das wirklich so wäre, hätte man das doch bestimmt irgendwo in den Nachrichten gehört. Aber in dem Moment an meiner Haustür war ich einfach zu naiv“, sagt Ulrike Steinmeyer. Sie reagiert sofort, nutzt ihr Widerrufsrecht und kämpft um ihren alten Vertrag. Per Mail, per Post – ein zäher Weg. Denn Enercity kann die Kundin erst wieder aufnehmen, wenn E.ON eine Widerrufsbestätigung des Vertrags ausstellt. Es zieht sich hin.

Enercity: Immer mehr Fälle von dubiosen Haustürgeschäften

Auf NDR Anfrage teilt ein Sprecher von Enercity mit, dass sich solche Fälle beim Kundenservice des Unternehmens häufen. Wenn eine solche Lüge platziert würde, seien das wettbewerbswidrige Methoden. Enercity habe rechtliche Schritte eingeleitet, heißt es weiter.

E.ON schult Mitarbeiter nach

E.ON verweist unterdessen zuerst darauf, dass derzeit keine Auffälligkeiten aus dem Raum Hannover bekannt seien und keine konkreten Beschwerden vorlägen. Nach genauerer Prüfung bestätigt ein Sprecher aber, dass es sich tatsächlich um Mitarbeitende eines Vertriebsdienstleisters von E.ON handelt. Weiter heißt es:

Die beschriebenen Verhaltensweisen entsprechen natürlich in keiner Art und Weise unserem hohen Qualitätsanspruch. Wir haben deshalb umgehend eine entsprechende Überprüfung in die Wege geleitet und stehen in direktem Austausch mit unserem Vertriebsdienstleister“.

Zudem gibt E.ON an, Mitarbeiter entsprechend nachschulen zu wollen, wenn es bei Haustürgeschäften zu „Unsicherheiten, Missverständnissen oder fehlerhaften Auskünften“ kommt.

Verbraucherzentrale warnt vor Haustürgeschäften

Ulrike Steinmeyer habe genau richtig reagiert und ihr Widerrufsrecht geltend gemacht, bestätigt die Verbraucherzentrale Niedersachsen. 14 Tage lang haben Verbraucher Zeit, ohne Angabe von Gründen, einen Vertrag zu widerrufen. Es lägen mittlerweile einige Beschwerden zu Haustürgeschäften im Allgemeinen bei der Verbraucherzentrale vor, dennoch seien diese natürlich erlaubt.

Falschauskunft, um Verträge zu verkaufen?

Zustandekommen konnte dieser Vertrag vermutlich nur, weil es sich um einen Vertriebsdienstleister von E.ON handelte, sodass Ulrike Steinmeyer davon ausgehen musste, dass die Übernahme ihres Energieanbieters auch wirklich passiert ist. Grund für eine solche Falschauskunft könnte sein, dass die Vertriebsbeauftragten dringend Verträge verkaufen wollten, um die ihnen zugesprochene Vermittlungsgebühr einstreichen zu können, heißt es von der Verbraucherzentrale.

Mittlerweile ist Ulrike Steinmeyer wieder bei ihrem alten Stromanbieter unter Vertrag. Ein Schrecken mit Ende und sie ist sich sicher: „Nochmal lasse ich mich nicht über den Tisch ziehen!“

Verteilerkasten für Glasfaser Technologie der Deutschen Telekom, in einem Wohngebiet.

Glasfaser-Verträge als Haustürgeschäft

Immer mehr deutsche Haushalte werden an Glasfasernetze für schnelles Internet angeschlossen. Doch aufdringliche Verkäufer an der Haustür gefährden die Akzeptanz der neuen Technologie. Von Dörte Petsch.