Hoch konzentriert: Der Stuttgarter Snookerspieler Umut Dikme. Foto: Günter Bergmann
Umut Dikme vom BC Stuttgart kämpft sich an die internationale Snookerspitze heran. Ohne große Preisgelder und professionelle Strukturen rückt er der Profitour und der WM immer näher.
Im Vereinsheim des BC Stuttgart in Feuerbach klacken die Kugeln fast pausenlos über das grüne Tuch. An einem der Tische steht Umut Dikme, leicht nach vorne gebeugt, den Blick konzentriert auf die nächste Stellung gerichtet. Wer ihn beobachtet, merkt schnell: Hier trainiert keiner nur zum Spaß, sondern hier arbeitet jemand gezielt an seiner Karriere.
Fast täglich steht Dikme in den Räumen des Stuttgarter Billard Clubs am Tisch. Der 26-Jährige gehört längst zu den besten deutschen Snookerspielern und hat sich in den vergangenen Jahren Schritt für Schritt an die internationale Spitze herangearbeitet. Sein Vater Davut, Präsident des BC Stuttgart, brachte ihn früh mit dem Sport in Kontakt. Mit 13 Jahren hielt Umut Dikme erstmals einen Queue in seinen Händen. „Am Anfang fand ich einfach die Atmosphäre cool“, erzählt der gebürtige Ludwigsburger, dessen Entwicklung auffallend schnell verlief. „Irgendwann wollte ich dann immer besser werden.“
Aus dem Jugendlichen, der zunächst aus Neugier zum Queue griff, entwickelte sich einer der größten Hoffnungsträger der deutschen Snookerszene. Mehrfach gewann Dikme nationale Titel im Nachwuchsbereich, später etablierte er sich auch bei den Erwachsenen. Ende 2024 folgte schließlich der Gewinn der Deutschen Meisterschaft.
Doch der Weg dorthin war allerdings alles andere als einfach. Denn anders als in England fristet Snooker in Deutschland weiterhin ein Nischendasein. Große Preisgelder oder professionelle Strukturen gibt es kaum. Viele Spieler finanzieren Reisen und Turniere über Jahre hinweg selbst. Auch Dikme kennt diese Realität. Deshalb schloss der Deutsch-Kurde parallel zum Sport eine Ausbildung zum Mechatroniker ab.
Umut Dikme: „In England wirst du jeden Tag gefordert“
Um sich weiterzuentwickeln, verbringt Dikme mittlerweile regelmäßig Zeit in England, dem Zentrum der internationalen Snookerszene. Dort trainieren die besten Spieler der Welt, dort finden die wichtigsten Turniere statt. „In England wirst du jeden Tag gefordert“, sagt er. „Du spielst ständig gegen starke Gegner.“
Dabei gehe es auf höchstem Niveau längst nicht mehr nur um Technik. „Platz 10 und Platz 100 trennen technisch oft nicht viel“, mutmaßt Dikme. „In den großen Wettbewerben entscheidet die mentale Seite bestimmt zu 75 Prozent über den Ausgang.“ Konzentration, Geduld und Selbstvertrauen seien entscheidend – gerade in einer Sportart, in der ein einziger Fehler ein ganzes Match kippen könne. Spezielle Atemübungen helfen dem 26-Jährigen, auch in besonders prekären Momenten seine Besonnenheit zu bewahren.
Hinzu komme eine andere Belastung dieser Sportart. „Eine große Herausforderung ist die viele Zeit, die man alleine verbringt“, sagt Dikme. Training, Reisen und Turniere seien oft ein sehr individueller Alltag.
Dies zeigte sich zuletzt auch bei der Qualifikation zur Weltmeisterschaft in Sheffield. Dort kämpfte sich Dikme durch mehrere Runden und stand kurz davor, ins berühmte Crucible Theatre – den legendären Austragungsort der WM – einzuziehen. Der große Coup gelang am Ende zwar nicht, doch international machte er erneut auf sich aufmerksam.
Prägendes Gesicht des BC Stuttgart
Im BC Stuttgart ist Umut Dikme längst zu einer festen Größe geworden. Viele Stunden verbringt der 26-jährige Snookerspieler im Feuerbacher Vereinsheim, trainiert, tauscht sich mit anderen Spielern aus und gehört inzwischen zu den prägenden Gesichtern des Clubs. Gerade für jüngere Spieler ist er dadurch ein wichtiger Orientierungspunkt geworden. Sein großes Ziel bleibt derweil die Profitour – und der dauerhafte Sprung in die Weltspitze.