Das Einkaufszentrum Skyline Plaza im Frankfurter Europaviertel steckt mitten in der Transformation. So nennt es Center-Manager Olaf Kindt. Textil und Schuhe würden nicht mehr wie früher nachgefragt, außer es handele sich um besondere Sortimente. „Der Besucher möchte unterhalten werden“, sagt Kindt. Dazu passe nun die Eröffnung der „Coool! Arena“ im ersten Obergeschoss in unmittelbarer Nähe des Food Courts.

Auf der 550 Quadratmeter großen Fläche, auf der früher das Buchgeschäft Osiander seinen Lesestoff anbot, ist eine Spielewelt entstanden: unter anderen Arcade Games, eine Minibowlingbahn, Rennsimulatoren und interaktive Spielflächen wie ein Pixel Floor. Außerdem Greifarmautomaten, um Spielzeug und Kuscheltiere zu schnappen, sowie Basketballkörbe und Air-Hockey-Tische.

Kiddieland hat in drei Ländern 180 Standorte

Betrieben wird die Erlebniswelt von der Kiddieland GmbH mit Sitz in Monheim am Rhein. „Früher hatten wir mehr Mühe, irgendwo reinzukommen“, sagt Geschäftsführerin Eline Hutten. Mittlerweile setzten jedoch fast alle Einkaufszentren auf das Thema Unterhaltung. Da man sich über die Jahre einen Namen gemacht habe, laufe das Geschäft gut. So sei das Unternehmen in den vergangenen Jahren exponentiell gewachsen, so Hutten.

Kiddieland gibt es seit 35 Jahren und hat mit einem unbetreuten Shopkonzept angefangen. Auf 100 bis 150 Quadratmeter Fläche haben sie in Einkaufszentren und Einkaufspassagen Spielautomaten vor allem für Kinder aufgestellt. Unter anderem im Erdgeschoss des Skyline Plaza. Die Kunden kommen rein, tauschen Geld gegen Münzen, spielen und gehen dann wieder. 180 Standorte sind es laut Hutten in Deutschland, Österreich und den Niederlanden.

Ein Besucher wirft einen Basketball an einem Arcade-Automaten in der „Coool! Arena“.Ein Besucher wirft einen Basketball an einem Arcade-Automaten in der „Coool! Arena“.Janek Stempel

Das Skyline Plaza ist nun der vierte Standort für das Arenakonzept mit größerer Spielfläche und Personal, damit hier auch Geburtstage gefeiert werden können. Statt Münzen einzuwerfen, laufen die Geräte alle mit einer Karte, die man auflädt, an ein Lesegerät hält und dann loslegen kann. Wie viel Umsatz Kiddieland macht, will die Geschäftsführerin nicht verraten. Es gebe viele Anfragen für das große Konzept, sagt Hutten. Da seien sie jedoch wählerischer als bei dem Shopkonzept. Aufgrund des wachsenden Umfelds im Europaviertel glaube sie fest daran, dass es funktioniert.

„Das Konzept wird wegen des Mangels an Alternativen gehypt“

Das Skyline Plaza setzt wie fast alle Einkaufszentren auf das Retailtainment-Konzept. So nennt die Branche die Kombination aus Verkauf, Unterhaltung und Gastronomie. In Weiterstadt wurden im Loop 5 rund 45 Millionen Euro in verschiedenste Attraktionen investiert. Im Main-Taunus-Zentrum in Sulzbach gibt es seit vergangenem Sommer einen Indoorspielplatz, in dem Kinder bis 13 Jahre betreut werden können, während die Eltern shoppen gehen. Im My Zeil in Frankfurt gibt es seit zwei Jahren eine Fußballerlebniswelt.

„Das Retailtainment-Konzept wird in der Shoppingcenter-Branche derzeit wegen des Mangels an Alternativen gehypt“, sagt Joachim Will, Geschäftsführer des Wiesbadener Unternehmens Ecostra. Das hat sich auf Standortgutachten für den Handel spezialisiert. Nicht nur die Innenstädte seien unter den Druck des Onlinehandels gekommen, sondern es häuften sich auch Ladenleerstände in Shoppingcentern. „Besonders mehrgeschossige Objekte haben zunehmend Probleme, die oberen Verkaufsebenen zu vermieten“, so Will. Entertainment könne zwar einige Kunden mehr in die Center locken, aber es werde nicht über deren Zukunft entscheiden.

Erlebniswelt: Auf 550 Quadratmetern gibt es verschiedene Spiele zu entdecken.Erlebniswelt: Auf 550 Quadratmetern gibt es verschiedene Spiele zu entdecken.Janek Stempel

Das Skyline Plaza hat derzeit eine Leerstandsquote von 20 Prozent, berichtet Kindt. Im vergangenen Herbst habe man TK Maxx als neuen Mieter für die erste Etage gewinnen können. „Das liegt deutlich über den Erwartungen“, sagt Kindt. Für den Textileinzelhändler New Yorker werde derzeit eine Fläche von 1500 Quadratmetern gebaut. Bis nächsten September soll das Skyline Plaza laut Kindt voll vermietet sein. Dann sollen auch alle baulichen Veränderungen abgeschlossen sein, in die die Allianz-Versicherung als Mehrheitseigner und der Shoppingcenter-Betreiber ECE, der mit zehn Prozent am Einkaufszentrum beteiligt ist, insgesamt 35 Millionen Euro investieren.

Im März 2027 sollen vier Padel-Tennis-Plätze im Plaza eröffnen

Bis Ende des Jahres soll in der Mitte des Centers ein gläserner Aufzug installiert sein, um die Besucher schneller vom Food Court zur Dachterrasse zu bringen, so Kindt. Anschließend soll auf der gegenüberliegenden Seite mit dem Bau der Treppe begonnen werden. Derweil hat man schon begonnen, die Deckenverkleidung abzunehmen, „um mehr Transparenz zu schaffen“. Fest geplant ist bereits der Bau von vier Padel-Tennis-Plätzen auf der Dachterrasse, die im März nächsten Jahres eröffnet werden sollen.

Die neue Erlebniswelt im ersten Obergeschoss soll laut Kindt nur der „erste Schritt sein“, um noch weitere Angebote zu installieren. Golfsimulatoren seien im Winter beliebt, das Thema Billard sei wieder im Kommen, er denke über eine Tanzschule nach, und das Thema Fußball könne wie im My Zeil gut funktionieren. „Wir sind in diversen Gesprächen“, sagt Kindt. Man schaue sich die Konkurrenz an, werde aber nichts kopieren.

„Wir haben unterschiedliche Bedürfnisse von den Besuchern“, sagt Kindt. Man wolle allen ein Angebot machen: Messebesuchern, Touristen und eben Menschen, die im Einzugsgebiet wohnen oder arbeiten. Derzeit ist das Skyline Plaza von Montag bis Samstag geöffnet, an Sonntagen buhlen nur einige wenige Gastrobetriebe im Erdgeschoss um Kunden. Kindt kann sich vorstellen, dass man dank des Einzugs der Spielewelt das erste Obergeschoss ebenfalls sonntags öffnet. Dann hätte man eine Verbindung zwischen Fast Food und Entertainment, so Kindt. Das wäre ein Ergebnis der Transformation, in der sich das Skyline Plaza befindet.