Hartmut Menden beobachtet den Fortschritt der Bauarbeiten an der Romaneystraße mit Wut und Kopfschütteln. Als er 2020 auf dem südlich angrenzenden Grundstück in der Gronauer Straße Mehrfamilienhäuser baute, gab es hier noch einen ansehnlichen Grünstreifen. Den konnte er den 16 Mietparteien noch als Sicht- und Schallschutz vor den Werkstätten und Lagerhallen an der Romaneystraße präsentieren, wo eine Mischung aus Gewerbe und Wohnen erlaubt ist. „Der Grünstreifen war etwa 17 Meter breit, jetzt sind es höchstens noch fünf Meter“, erzählt Menden. „Meine Mieter sind wütend auf mich, ich kann sie gut verstehen.“
Nach seiner Darstellung hatte das Drama um die Abholzung an den Karnevalstagen 2023 begonnen. An Weiberfastnacht waren Bagger angerollt, Bautrupps begannen mit der Fällung. „Daraufhin habe ich versucht, die Verwaltung zu erreichen, das war wegen Karneval aber schwierig. Erst Veilchendienstag bin ich durchgedrungen und konnte einen Baustopp erwirken“, berichtet der ehemalige CDU-Stadtrat. Auf diese Weise sei es ihm gelungen, wenigstens den südöstlich gelegenen Teil des Grünbereichs, gleich neben seinen Häusern, zu erhalten.
Grünbereich soll Abstand zur Wohnbebauung und zur Autobahn sicherstellen
In der Folge habe er schriftlich und telefonisch mit verschiedenen Ämtern Kontakt aufgenommen, zum Beweis zeigt er einen prall gefüllten Aktenordner vor. Immer wieder verwies er dabei auf eine Verwaltungsvorlage aus dem Jahre 2006 zur Änderung des Bebauungsplans für das Mischgebiet an der Romaneystraße, in der festgelegt wird: „Die Grünbereiche sollen insbesondere einen Abstand zur benachbarten Wohnbebauung und zur Bundesautobahn 3 sichern.“
Eine Anfrage bei der Stadt ergibt allerdings, dass man dort derzeit von einem wesentlich schmaleren Grünstreifen ausgeht. Die bereits gefällten Bäume hätten sich lediglich in „unmittelbarer Nähe der Schutzfläche“ befunden, teilte eine Sprecherin mit. Die gefällten Bäume standen demnach „innerhalb der bebaubaren Grundstücksfläche“ – also der Fläche, für die mittlerweile eine Baugenehmigung vorliegt: „Die notwendige Fällung von Bäumen innerhalb dieser Fläche ist zulässig.
17 Bäume wurden zur „Veränderung“ freigegeben
Die Sprecherin weist auch darauf hin, dass es sich zwar um einen „Schutzstreifen“ handele, dies aber nicht im Sinne des Landschafts- und Naturschutzes zu verstehen ist. Allerdings hatte die Stadt auch bei der Erteilung der Baugenehmigung im Januar 2025 keine großflächigen Rodungen erlaubt: 17 Bäume werden darin „zur Fällung beziehungsweise Veränderung“ freigegeben. Der Bauherr, die Vertical Vision AG Köln, die nun an der Romaneystraße eine Produktions- und Lagerhalle mit Verwaltungstrakt hochzieht, wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass die Erlaubnis zur Fällung von 17 Bäumen bereits am 15. August 2022 erteilt wurde, ein gutes halbes Jahr, nachdem der Bauantrag gestellt wurde.
Das bringt Hartmut Menden in Rage: „2023 sind auf dem Gelände bestimmt 150 bis 200 Bäume gerodet worden“, sagt der Naturfreund, der als Vorsitzender der Vogt-Stiftung unter anderem Schulausflüge in die Hocheifel organisiert. Im Rahmen der Datenermittlung zum Bauprojekt der Vertical Vision war auch der Tierbestand in dem nun größtenteils gerodeten Grünbereich abgefragt worden: Vögel, Fledermäuse, Frösche, Eidechsen, andere Tiere – überall ist das „Nein“ angekreuzt. „Das ist lächerlich“, schimpft Hartmut Menden. „Da lebten sogar sehr viele Vögel, Eichhörnchen auch.“ Er hat den Eindruck, bei der Baugenehmigung sei „einiges nicht sauber gelaufen.“ Dabei habe er selbst fünf Baumpflanzungen vornehmen müssen, weil er für die Tiefgarage der neuen Häuser einen Baum fällen musste, da sei die Stadt dann sehr genau.
Zwischen 2023 und dem Januar 2026 war auf dem Grundstück nördlich der Gronauer Straße nicht viel passiert. Gras wuchs über die Sache, und zwar buchstäblich: Die Mieter waren mit dem Neubewuchs, der sich nach den Fällungen gebildet hatte, durchaus zufrieden, ihre Kinder spielten gern im bald mannshohen Gras. Doch im Januar kamen die Bagger zurück, inzwischen sind die Fundamente für die Halle gelegt: „Was ist denn jetzt die Lehre daraus?“, fragt sich Anwohner Denis Khaskin empört. „Wer wird verantwortlich gemacht, wenn solche Fehler passieren?“
