Es ist bis dato ein einzigartiges Modellprojekt in Köln: Die Lukas-Kita in Köln-Porz soll in den kommenden Jahren nach und nach zu einer interreligiösen Friedens-Kita entwickelt werden. Ziel des Projektes ist es, Kindern unterschiedlicher religiöser und kultureller Hintergründe unvoreingenommen ein respektvolles Miteinander zu ermöglichen.
Inspiriert wird das Vorhaben von dem Kölner Friedenskindergarten in Tel Aviv-Yafo, den arabische und jüdische Kinder besuchen. Ziel ist es, Vorurteile gegeneinander abzubauen. Die Erzieherinnen gehören ebenfalls verschiedenen Religionen an und beziehen die Eltern mit in die Erziehungsarbeit ein. Errichtet wurde der Kindergarten 1988 auf Initiative des damaligen Oberbürgermeisters Norbert Burger mit Mitteln der Stadt Köln. Seit 1979 hat Köln eine Städtepartnerschaft mit Tel Aviv-Yafo. Trägerin des Kindergartens ist die israelische Frauengewerkschaft Na’amat. Der Kindergarten habe auch die jüngsten Konflikte in der Region überstanden, weiß Monika Möller zu berichten. Sie ist Vorsitzende des Städtepartnerschaftsvereins Köln-Tel Aviv-Yafo und Teil der Initiativgruppe für die Friedens-Kita in Köln-Porz.
Evangelische Kita an der Lukaskirche in Porz wird zur interreligiösen Kita
Der Standort Porz biete sich aus gleich mehreren Gründen an, sagt Monika Möller. Zum einen sei Porz stark multireligiös geprägt, zum anderen gibt es hier mit dem Arbeitskreis der Religionen bereits ein aktives interreligiöses Netzwerk. „Da fiel die Idee einer interreligiösen Friedens-Kita auf fruchtbaren Boden.“ Der Zustimmung soll nun die Umsetzung folgen.
Statt eines ursprünglich angedachten Neubaus und Vergrößerung der Kita im Zuge der Entwicklung des sogenannten Lukas-Quartiers, soll die Kita nun weiterentwickelt werden, sagt Rolf Theobold. Er ist seit über 30 Jahren evangelischer Pfarrer an der Paulskirche in Zündorf und seit zehn Jahren auch an der Lukaskirche. In deren Schatten soll die evangelische Kita schrittweise in den kommenden fünf Jahren zu einer interreligiösen Kita weiterentwickelt werden.
Sie soll dann, wie jetzt auch, zwei Gruppen haben mit rund 34 Kindern und neun hauptamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, so Kita-Leiter Thilo Reiss. Gebäudeeigentümerin ist weiterhin die Evangelische Kirchengemeinde Porz. Trägerin der Einrichtung wird die Diakonie Michaelshoven bleiben, sagt deren Geschäftsführerin Franziska Lang. Sie geht davon aus, dass sich künftig Eltern, die ihre Kinder für die Lukas-Kita anmelden wollen, dies bewusst tun, weil sie sich mit dem Konzept identifizieren. Religion dürfe bei der Platzvergabe aber kein Auswahlkriterium sein. „Wir sind gebunden daran, wie Kita-Plätze in Köln vergeben werden“, ergänzt Pfarrer Theobold. Aber das Konzept werde in seinen Augen künftig „der Attraktor sein, warum Menschen hier sind“. Das könnten auch nicht-religiöse Familien sein, wenn sie denn wollen, dass ihre Kinder dennoch die Vielfalt der Religionen mitbekommen sollen.
„Wir wollen einen gemeinsamen Weg der Vielfalt beschreiten“, betont Rafet Öztürk. Er ist vom Referat für Dialog und Zusammenarbeit Türkisch-Islamische Union (Ditib) und genauso Teil der Initiativgruppe für die Porzer Friedens-Kita wie Paula Castillo, Vorstandsmitglied der Jüdischen Liberalen Gemeinde Gescher LaMassoret und Dagmar Niederlein, Leiterin des Amtes für Kinder, Jugend und Familie. Die Gruppe will nun zusätzliche Fördermittel beantragen, Fortbildungen zur interreligiösen Pädagogik umsetzen und einen Beirat mit Vertreterinnen und Vertretern der beteiligten Religionsgemeinschaften einrichten. Rolf Theobold sieht da alle Beteiligten auf einem guten Weg. Auch soll der Austausch mit dem Friedenskindergarten in Tel Aviv-Yafo vertieft werden. Die Einrichtung in Israel sei ein wichtiges Beispiel dafür, dass sich die Menschen trotz des Massakers vom 7. Oktober 2023 und dessen Folgen sich nicht haben auseinandertreiben lassen. „Sie sind in der schwierigen Situation zusammengeblieben, was alles andere als selbstverständlich ist.“ Daraus schlussfolgert Theobold, dass das Konzept einer interreligiösen Friedens-Kita „wirklich tragfähig ist“.
