Nach rassistischen Anfeindungen gegen den Radio-Hamburg-Moderator Isaac Hoffmann hat sich der Sender mit einem deutlichen Statement gegen Rassismus und Hate Speech positioniert und nach eigenen Angaben strafrechtliche Schritte eingeleitet.
Ausgangspunkt ist nach Darstellung des Senders ein Werbeposting, in dem Isaac Hoffmann mit einer Botschaft für ein Halsschmerzmittel zu sehen ist. Danach seien in den Kommentaren „rassistische und menschenfeindliche“ Äußerungen bis hin zur Verwendung des N-Worts sowie das Hochladen rassistischer Bilder aufgetaucht. Die Kommentare reichten nach Angaben des Senders von „Gibt es Radio Hamburg jetzt auch in Afrika?“ über „Soll das jetzt hier ewig so weitergehen, dass uns in der Werbung nur noch farbige Menschen gezeigt werden? Den Einheimischen gegenüber schon ziemlich respektlos!“
Die Radio-Hamburg-Morning-Show mit John Ment und Lea Kruse haben den Vorgang anschließend „ausführlich aufgegriffen“ und Hörer dazu aufgerufen, ihre Meinung mitzuteilen und Haltung gegen Hass im Netz zu zeigen. Der Moderator selbst schildert, er mache seinen Job „mit Leidenschaft – als Moderator, als Stimme im Radio und als Mensch“ und sei „erschüttert“, dass ein „simples Werbeposting“ rassistische und menschenfeindliche Reaktionen ausgelöst habe. Gleichzeitig habe ihn der Rückhalt im Sender und „die große Solidarität vieler“ Hörerinnen und Hörer bewegt. Seine Botschaft: „Hass darf niemals lauter sein als die Menschlichkeit.“
Radio Hamburgs Programmleiter Niklas Naujok erklärte, „Rassismus darf keinen Platz haben – nicht in Kommentarspalten, nicht auf der Straße, nirgendwo“. Wenn ein Mensch wegen seiner Hautfarbe angegriffen werde, dürfe man „nicht wegsehen“. Alle diesbezüglichen Kommentare habe Radio Hamburg nach eigenen Angaben „zur Anzeige bei Polizei und Staatsanwaltschaft gebracht“.
Unterstützung komme dabei auch aus der Politik: Hamburgs Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) und die Zweite Bürgermeisterin Katharina Fegebank (Grüne) bezogen in O-Tönen für den Sender Stellung. Tschentscher verwies in seinem Statement auf die Internationalität der Stadt: „In Hamburg leben Menschen aus über 180 Ländern.“ Vielfalt und Weltoffenheit hätten die Stadt „stark gemacht“. Hate Speech und rassistische Parolen würden „fundamentale Grundrechte“ verletzen. Man müsse denjenigen „entschlossen entgegentreten“, die „das gesellschaftliche Klima vergiften“ – zum Schutz der Bürgerinnen und Bürger sowie „unserer Demokratie und Freiheit“.
Katharina Fegebank: „Absolut beschämend“
Auch Katharina Fegebank findet deutliche Worte. Sie sagt, Rassismus im Netz und im Alltag sei etwas, das „leider immer noch viel zu viele Menschen jeden Tag“ erlebten – „leider auch in Hamburg“. Sie bezeichnet den Vorgang als „absolut beschämend“ und ruft dazu auf, „laut und deutlich“ zu widersprechen, wenn einem Menschenfeindlichkeit begegne – „egal ob im Stadion, in der Schule oder im Netz“. Betroffene dürften nicht allein gelassen werden.
Kritik kommt unterdessen von der Bürgerschaftsfraktion der Linken. In einer Mitteilung heißt es, der Sender habe zwar klare Haltung bezogen und Peter Tschentscher sowie Katharina Fegebank hätten Solidarität ausgedrückt – „Handlungsvorschläge oder die Ankündigung von Konsequenzen“ blieben jedoch aus. Der Senat solle „schnelle Meldestellen“ für Betroffene einrichten, eng mit Bundesbehörden wie der Bundesnetzagentur kooperieren und „massiven Druck“ auf Tech-Plattformen ausüben, damit Hassrede im Netz „nicht länger profitabel“ sei.