Die Sanierung der Schwimmhalle in Halle-Neustadt gleicht seit Jahren einer Geduldsprobe für Sportler, Vereine und die Stadtverwaltung gleichermaßen. Nachdem das Projekt bereits seit langer Zeit auf der Prioritätenliste der Stadt Halle (Saale) steht, keimte im Januar dieses Jahres große Zuversicht auf. Der Stadtrat hatte beschlossen, sich am Bundesprogramm „Sanierung kommunaler Sportstätten“ zu beteiligen, um Mittel aus der sogenannten „Sportmilliarde“ der Bundesregierung zu sichern. Doch die Hoffnungen erhielten nun einen herben Dämpfer.

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Ein bitterer Bescheid aus Berlin

Mit einer Nachricht des Fördermittelgebers vom 23. April 2026 wurde der Stadtverwaltung mitgeteilt, dass die eingereichte Projektskizze nicht für eine Förderung ausgewählt wurde. Aurel Siegel, Leiter des Fachbereichs Sport, machte aus seiner Enttäuschung im jüngsten Sportausschuss keinen Hehl. „Wir bemühen uns seit Jahren, die Schwimmhalle in einem Förderprogramm zu platzieren“, erklärte er vor den Ausschussmitgliedern. Die Träume rund um die Sportmilliarde hätten sich laut Siegel schlichtweg „zerschlagen“. Der Grund für die Ablehnung lag dabei weniger an der Qualität des halleschen Konzepts als vielmehr an der enormen Konkurrenz: Das Programm war bundesweit 21-fach überzeichnet. Die Absage zieht zudem weitere Kreise, denn auch der geplante Neubau der Turnhalle für die Grundschule Otfried Preußler, der an das Projekt gekoppelt war, steht damit vorerst ohne Finanzierung da.

Eine neue Chance durch vereinfachte Verfahren

Trotz dieses Rückschlags schöpft die hallesche Stadtverwaltung bereits neues Vertrauen. Ein neu aufgelegter Projektaufruf des Bundes für das Jahr 2026 bietet eine zweite Chance unter nahezu identischen Rahmenbedingungen. Das Programm umfasst ein Gesamtvolumen von 250 Millionen Euro im Bundeshaushalt und sieht Jahresraten bis 2031 vor, um langfristige Investitionen zu ermöglichen. Für Halle ist dies besonders attraktiv, da die maximale Fördersumme pro Projekt bei 8 Millionen Euro liegt. Aufgrund der angespannten Haushaltslage der Stadt könnte die Förderquote sogar bis zu 75 Prozent der förderfähigen Kosten betragen. Den verbleibenden Rest müsste die Kommune über Eigenmittel oder den Stadtwerke-Konzern aufbringen, was angesichts des massiven Sanierungsstaus als wirtschaftlich geboten gilt.

Ein besonderer Vorteil des neuen Aufrufs ist die bürokratische Erleichterung: Da der Fördermittelgeber erkannte, dass viele Kommunen nach der ersten Absage identische Skizzen erneut einreichen würden, ist kein komplett neuer Antrag erforderlich. Die Stadt muss lediglich bis zum 19. Juni 2026 eine formlose Erklärung übermitteln, um im Rennen zu bleiben. Die Verwaltung bereitet diesen Schritt derzeit vor, in der Hoffnung, bei einer Zusage dem Stadtrat zeitnah eine entsprechende Beschlussvorlage für den konkreten Projektantrag vorlegen zu können.

Prekäre Situation für den Vereinssport

Während im Rathaus über Paragrafen und Förderquoten diskutiert wird, verschärft sich die Lage für die halleschen Schwimmvereine zusehends. Die ohnehin angespannte Situation durch die Sanierung des Stadtbads zwingt die Sportler bereits jetzt dazu, auf die verbleibenden drei Hallen in Neustadt, der Saline und der Robert-Koch-Straße auszuweichen. Eine weitere Großbaustelle in Neustadt würde die Kapazitäten endgültig an ihre Grenzen bringen. Holger Friedrich von der DLRG, deren Rettungssportler ebenfalls auf die Wasserflächen angewiesen sind, mahnte im Sportausschuss kreative Übergangslösungen an. Er regte an, für die Zeit einer möglichen Sanierung das Saline-Freibad mit einem Zelt zu überdachen, um es ganzjährig für den Schwimmsport nutzbar zu machen und so den drohenden Flächenkollaps abzuwenden.

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