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Franz Hofmann hat jahrzehntelang gearbeitet, und trotzdem könnte er heute von der Rente nicht leben. Er erhält die Grundsicherung im Alter – und will anderen Mut machen, sich dafür nicht zu schämen.
Landkreis München – Er hat gearbeitet, seit er 14 Jahre alt war. Später als Designer in seiner eigenen Agentur sogar „richtig gutes Geld“ verdient. Und trotzdem bezieht Franz Hofmann heute die Grundsicherung im Alter – denn ohne die könnte er sich sein Leben im Landkreis München nicht mehr leisten. Der alleinstehende Rentner lebt in einer beschaulichen Zweizimmerwohnung und bezieht etwa 830 Euro gesetzliche Rente im Monat. Das würde nicht einmal ausreichen, um seine Miete zu decken.
Zu Besuch bei Franz Hofmann. Der Rentner erhält die Grundsicherung im Alter. © Elisa Buhrke
„Dass ich damals Grundsicherung beantragt habe, das war einfach aus Not“, sagt der 76-Jährige rückblickend. Er weiß, dass viele ältere Menschen Bedenken haben, die Grundsicherung überhaupt zu beantragen. Scham spielt dabei eine Rolle, aber auch das eigene Ego. Auch Hofmann möchte nicht groß damit hausieren. Deshalb bleibt er in diesem Artikel anonym, sein Name ist geändert.
Bescheidenes, aber glückliches Leben im Landkreis München
Unsere Redaktion besucht den Rentner auf eine Tasse Kaffee bei ihm zu Hause. Zugegeben, mit seiner Wohnung hätte Hofmann es wirklich schlechter treffen können: zwei Zimmer mit Balkon und Blick ins Grüne, kurzer Fußweg zur S-Bahn, und in seinem Wohnzimmer steht noch hochwertige Technik aus seiner Zeit als Designer.
Als arm würde sich Hofmann deshalb auch nicht bezeichnen. „Ich bin reich“, verkündet er sogar stolz. Nicht finanziell reich, aber mit seinem „kleinen Leben“ sei er eben weitgehend zufrieden, sagt der 76-Jährige. Gelegentlich gönne er sich als Luxus den Besuch eines Cafés in seinem Ort. Zusätzlich ermöglicht ihm ein Münchner Verein, manchmal Kulturveranstaltungen zu besuchen. KulturRaum vermittelt Gratistickets an Menschen, die sich einen Theater- oder Konzertbesuch ansonsten nicht mehr leisten könnten.
Wenn das Landratsamt ihm seine Kosten nicht abnehmen würde, hätte Hofmann keine Chance, die Ausgaben zu decken: 1000 Euro Miete, mehrere hundert Euro Gebühren im Monat für die Krankenversicherung. Zum Leben bleiben ihm dank Grundsicherung noch etwa 600 Euro im Monat übrig. „Damit komme ich leidlich aus“, sagt Hofmann im Interview mit Merkur.de. Vor wenigen Jahren sei er in eine kleinere Wohnung umgezogen, weil die vorherige zu teuer geworden sei.
Zur Transparenz
Franz Hofmann hat als Selbstständiger freiwillige Beiträge in die Deutsche Rentenversicherung eingezahlt, jedoch nicht durchgängig während seiner gesamten Berufslaufbahn.
Rentner im Kreis München lebt von der Grundsicherung
Dass er einmal in die Grundsicherung rutschen würde, damit hätte Hofmann wohl auch nicht gerechnet. Doch es gab in der Vergangenheit eben Zeiten, in denen er mit Existenzängsten kämpfte. „In denen es mich richtig runtergebeutelt hat“, wie er heute sagt.
Zusammen mit seinem Geschäftspartner hatte er sich in den 1980ern selbstständig gemacht. In dieser Zeit hätte er „sehr gut verdient“, die Geschäfte liefen zunächst gut. Bis ein Kunde Anfang der 2000er einen Auftrag von über 70.000 Euro nicht mehr bezahlen konnte und Hofmanns Agentur daraufhin selbst insolvent ging. Danach machte Hofmann allein als Designer weiter. Beglich offene Rechnungen aus Agenturzeiten ohne die Beteiligung seines ehemaligen Partners. Im Privatleben kam noch die Scheidung von seiner Ehefrau dazu. Einen gemeinsamen Immobilienkredit konnte er daraufhin nicht mehr allein abbezahlen. Als seine Mutter vor ihrem Tod ins Pflegeheim kam, übernahm er die Kosten dafür.
Grundsicherung und Rente
Die Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung ist eine Leistung der Sozialhilfe. Sie sichert den Lebensunterhalt von Menschen, die wegen Alters oder dauerhafter voller Erwerbsminderung nicht mehr arbeiten können, und deren Einkünfte für den notwendigen Lebensunterhalt nicht ausreichen.
Leistungen aus der Sozialhilfe sollen nur in Notlagen absichern, erklärt ein Sprecher des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales (BMAS) auf Anfrage. Bei der Berechnung der Grundsicherung werden deshalb auch Rentenerhöhungen berücksichtigt. Diese können dazu führen, dass die Hilfsbedürftigkeit entweder vollständig entfällt oder nicht mehr in der ursprünglichen Höhe besteht, weshalb die Grundsicherung dann gekürzt wird.
Quelle: Anfrage beim BMAS; Dienstleistungsportal Bayern
Ein Highlight für Hofmann: Freunde schenken ihm Urlaubsreise
Verschiedene Ereignisse in seinem Leben führten dazu, dass Hofmann bei Eintritt ins Rentenalter nur über wenige Rücklagen verfügte. Doch die waren zunächst noch so hoch, dass sein erster Antrag auf Grundsicherung im Alter abgelehnt wurde: Etwa 28.000 Euro hatte er angespart. Maximal 10.000 Euro sind jedoch nur erlaubt, um einen Anspruch auf Grundsicherung zu haben. Also brauchte Hofmann zunächst seine Ersparnisse auf. Bis vor drei Jahren arbeitete er auch noch weiterhin selbstständig als Designer, um sich etwas dazuzuverdienen.
Serie zum Thema „Altersarmut“
In unserer Serie zum Thema „Altersarmut“ kommen Rentnerinnen und Rentner zu Wort, die ihr Leben lang gearbeitet haben und trotzdem nur eine niedrige Rente erhalten:
Rainer aus München ist von den Politikern enttäuscht. Er ist dankbar für die Unterstützung durch den Verein „Ein Herz für Rentner“. Reiner aus Baldham hat immer gearbeitet, bekommt aber nur eine geringe Rente. Alena G. aus Ottobrunn hat einen positiven Blick auf das Leben, ist aber von der Politik enttäuscht. Auch Helga Lal aus Augsburg erhält nur wenig Rente, obwohl sie gearbeitet hat.
Kristina R. aus Taufkirchen und Barbara K. aus Wolfratshausen werden vom Verein Seniorenhilfe Lichtblick unterstützt.
„Finanziell wurde es immer enger. Als dann auch mein zweiter Antrag abgelehnt wurde, war die Angst dann doch sehr groß. Dann fangen die Gedanken an, zu kreisen: Was, wenn es wieder nicht klappt? Was dann?“ Ende 2024 erfüllte er dann aber doch die Bedingungen. Seit Anfang 2025 bekommt er deshalb die Grundsicherung im Alter. Eine große Erleichterung für Hofmann.
Nur seine Tochter und einige enge Freunde wissen davon. „Nicht, weil ich mich schäme. Aber weil jeder anders darüber urteilt.“ Seine Freunde haben ihm zu seinem vergangenen Geburtstag auch eine Woche Urlaub im Süden Europas geschenkt. „Ich war sprachlos“, sagt Hofmann. Solch eine Reise könnte er sich eigentlich nicht mehr leisten. „Aber ich bin extrem dankbar für alles, was möglich ist.“ (Quellen: Interview mit Franz Hofmann – Name geändert, Anm. d. Red. –, eigene Recherche) (elb)