Woran liegt es wirklich?
Teure deutsche Wärmepumpe
14.05.2026 – 14:00 UhrLesedauer: 4 Min.
Eine Wärmepumpe der Firma Vaillant steht vor einem Neubau: Hierzulande kostet die moderne Heiztechnik deutlich mehr als in Nachbarländern. (Quelle: IMAGO/Rene Traut)
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Wer in Deutschland eine Wärmepumpe kauft, muss tief in die Tasche greifen. Dafür gibt es Gründe. Einige davon könnten die Hersteller selbst beheben.
Spätestens seit dem Angriff Russlands auf die Ukraine beschäftigen sich immer mehr Deutsche mit der Wärmepumpe. Immer häufiger wählen deutsche Haushalte auch diese Technologie im Heizungskeller, 2025 war sie die meistverkaufte Heizungsart im Land.
Doch ein Thema begleitet die Wärmepumpe von Anfang an: der Preis. Wärmepumpen kosten in Deutschland ein kleines Vermögen. Je nach Anlage sind es schnell über 30.000 Euro. Bei diesem Preis zögern viele – auch wenn es eine staatliche Förderung gibt, die ihn mindestens halbieren kann.
Das zahlen andere Europäer für eine Wärmepumpe
Das Pikante daran: In den europäischen Nachbarländern zahlen Eigentümer nicht ansatzweise so viel für eine Wärmepumpe. Das haben Untersuchungen und Studien immer wieder gezeigt, jüngst eine des Fachportals „heatpumpswatch.org“, das von führenden Wissenschaftlern, Verbraucherschützern und Marktbeobachtern betrieben wird. Anfang 2026 hat das Portal die Wärmepumpenpreise in fünf europäischen Ländern mit den Preisen in Deutschland verglichen:
Zum Teil sind die Gründe für die günstigeren Angebotspreise nachvollziehbar. So gilt in Polen ein niedrigeres Lohnniveau als in Deutschland, was sich erheblich auf den Preis auswirken kann. Und in Großbritannien wurde die Mehrwertsteuer für moderne Heiztechnologien auf null Prozent gesenkt, auch das wirkt sich auf den Preis aus. Eine solche Förderung könnte eine deutsche Bundesregierung zwar jederzeit auch beschließen; im Gespräch ist sie bisher aber nicht.
Deutsche Wärmepumpenhersteller sind teuer
Doch mit Löhnen und Steuern lässt sich nicht die gesamte Differenz erklären. Der Analyse zufolge liegen die Kosten in Frankreich und den Niederlanden im Mittelfeld, an ihnen müsste sich Deutschland also orientieren. Auch Österreich liegt sehr nah am Mittelfeld, obwohl viele bürokratische Vorgaben, die in Deutschland als Grund für hohe Preise genannt werden, dort genauso gelten.
Vielmehr herrscht in Deutschland eine Gemengelage an komplizierten Vorschriften, Herstellerpraktiken und Anreizen, die die Wärmepumpenpreise in die Höhe treiben.
So dominieren hierzulande die deutschen Hersteller Viessmann, Vaillant, Stiebel Eltron, Bosch und andere. Das ist wenig überraschend und hat auch mit den Handwerkern zu tun. So ist es in Deutschland gängige Praxis, dass einzelne Handwerksbetriebe Vertriebspartnerschaften mit einzelnen Herstellern abschließen, deren Geräte sie dann vorrangig verkaufen. Viele deutsche Betriebe haben langjährige Verbindungen zu diesen deutschen Herstellern – es geht also um Vertrauen und Tradition.
Die deutschen Geräte sind aber in der Regel mindestens doppelt so teuer wie die Konkurrenz, die vornehmlich aus dem asiatischen Raum stammt. Laut heatpumpswatch.org kostet eine Anlage der deutschen Premiumhersteller zwischen 9.000 und 18.000 Euro; die asiatischen Anbieter LG, Daikin oder Panasonic verkaufen hingegen für zwischen 3.000 und 8.500 Euro.
