Ein bisschen Platz hätte Jeffrey Gouweleeuw in seiner ganz speziellen Trikot-Sammlung schon noch. Fein säuberlich hat der Kapitän des FC Augsburg die besonderen Erinnerungsstücke gelagert. Es sind Relikte aus großen, emotionalen Europapokal-Nächten. „Es ist immer etwas Besonderes. Ich kann mich an einige Nächte erinnern, ob das Spiele gegen Bilbao, gegen Partizan oder Benfica waren. Das sind Erfahrungen fürs Leben. Die Trikots liegen alle noch daheim“, erzählt der Innenverteidiger.
Darunter ist auch eines des FC Augsburg. Denn bisher spielte der Niederländer nur für seinen Ex-Klub AZ Alkmaar international. Geht es nach dem 34-Jährigen, ist die Sammlung aber noch nicht komplett: „Schön wäre es, wenn noch ein paar dazu kämen.“
„Endspiel“ für den FCA bei Union Berlin
Damit dieser Traum in Erfüllung gehen kann, darf der FCA aber im großen Saisonfinale der Bundesliga am Samstag (15.30 Uhr) bei Union Berlin auf jeden Fall nicht verlieren. Noch besser wäre es, zu gewinnen. Darum gilt der Fokus nur diesen 90 Minuten im Stadion Alte Försterei. „Wir gehen das Spiel wie die letzten Wochen auch an: sehr seriös. Wir müssen unsere Stärken auf den Platz bringen, dann bekommen wir unsere Chancen. Auch wenn es für Union um nicht mehr so viel geht, wollen die zu Hause gewinnen“, warnt der Niederländer.
Mit AZ Alkmaar im Viertelfinale gegen Benfica Lissabon
Die Nächte gegen Benfica Lissabon wecken ganz besondere Erinnerungen: In der Saison 2013/14 stürmte Gouweleeuw mit AZ Alkmaar sensationell bis in das Viertelfinale der Europa League. Erst dort war gegen die Portugiesen nach zwei umkämpften Partien (0:1 und 0:2) Endstation. Die Europa League verbindet den Abwehrchef ohnehin fest mit Augsburg. In der legendären Augsburger Europapokal-Saison 15/16 stand er noch auf der gegnerischen Seite. „Ich habe mit Alkmaar in der Gruppenphase ja noch gegen den FCA gespielt. Da war noch nicht bekannt, dass der FCA Interesse an mir hat“, erinnert er sich. Als er dann im Januar 2016 nach Augsburg wechselte, war er für internationale Spiele gesperrt. In Alkmaar gewann der FCA damals 1:0, das emotionale Rückspiel in Augsburg, bei dem der FCA Alkmaar mit 4:1 aus dem Stadion fegte und Raul Bobadilla einen Dreierpack schnürte, hat Gouweleeuw aus seinem Gedächtnis gestrichen. „Da kann ich mich gar nicht mehr erinnern“, sagt er und schmunzelt.
Das Spiel gegen den VfB Stuttgart kam für den FCA-Profi zu früh
Dabei war der Abwehrchef in dieser Saison lange nicht zu Scherzen aufgelegt. Denn hinter ihm liegt eine untypisch schwere Spielzeit, geprägt von einer hartnäckigen Knieverletzung und nur zehn Einsätzen. „Ich kann mich nicht erinnern, dass ich in einer Saison aufgrund einer Verletzung so wenig gespielt habe. Meine Rückkehr hat sich verzögert, obwohl die Verletzung zunächst nicht so langwierig erschien“, blickt er zurück. In der Vorrunde hatte sich Gouweleeuw beim 1:4 gegen Mainz im September eine Innenbandverletzung zugezogen. Sein Kurzcomeback gegen den VfB Stuttgart mit neun Minuten Anfang November kam zu früh. Er verletzte sich erneut, musste operiert werden und der Routinier eine neue Tugend lernen: „Ich habe sehr viel Geduld bei meiner Verletzung gebraucht. Aber am Ende habe ich mir auch die Zeit nehmen können, um vollkommen gesund zu werden, weil es die Mannschaft sehr gut gemacht hat.“
Seit Jeffrey Gouweleeuw zurück ist, hat der FCA nicht mehr verloren
Erst Anfang April stand Gouweleeuw erstmals gegen den HSV wieder im Kader. Seine Rückkehr verlieh dem FCA sofort Stabilität: Seitdem hat die Mannschaft kein Spiel mehr verloren. Für den 34-Jährigen auch eine Genugtuung gegenüber den Zweiflern: „Es freut mich natürlich, dass es so gekommen ist. Wäre es anders gelaufen, wären sicher Stimmen aufgekommen, die sagen: Der kann es nicht mehr, der ist zu alt. Darum freut es mich so umso mehr.“
Kampfansage an seine Konkurrenz beim FCA
Mit Blick auf die kommende Saison schickt der Platzhirsch eine klare Kampfansage an die jüngere Konkurrenz im Kader. Wer glaubt, dass sich Gouweleeuw kampflos hinter Chrislain Matsima, Noahkai Banks, Cedric Zesiger oder Keven Schlotterbeck, oder wer auch immer dann da sein wird, einreihen wird, täuscht sich gewaltig. Der Routinier wird nicht freiwillig zur Seite gehen: „Fußball ist Leistungssport. Jeder muss den Konkurrenzkampf annehmen. Und Konkurrenzkampf heißt, dass sich jeder zeigen muss und dass am Ende der Beste spielen soll, egal, wie alt er ist.“
Eine anspruchsvolle Situation für alle Beteiligten, die aber schon thematisiert wurde: „Ich habe darüber viele Gespräche mit dem Verein geführt und die Kommunikation ist auch mit Manuel Baum sehr gut. Ich habe sportlich natürlich nicht das ewige Leben und es wird die Zeit kommen, in der ich nicht mehr spiele.“
Der Niederländer wird nach seiner Profi-Karriere in Augsburg bleiben
Egal, wie hart der Konkurrenzkampf auf dem Rasen wird: Seine langfristige Zukunft plant der Abwehrchef in der Region. Nach dem Karriereende wird es kein Zurück in die Niederlande geben. Der vierfache Familienvater stellt klar: „Meine Familie und ich werden auf jeden Fall in Augsburg bleiben. Das ist schon entschieden. Die Weichen für die zweite Karriere beim FCA sind bereits gestellt. „Wir haben bei der Vertragsverlängerung schon viele Gespräche geführt, dass es nach dem Karriereende hier beim FCA weitergeht. So ist auf jeden Fall der Plan.“
Wann dieser Plan in Kraft tritt, lässt sich der Kapitän aber bewusst offen: „Ob das nach der kommenden Saison sein wird, werden wir sehen. Wichtig ist, wie ich mich körperlich und mental fühle.“ Vorerst zählen für den Kapitän ohnehin nur das Spiel in Berlin – und danach vielleicht die Jagd nach neuen Trikots für die europäische Sammlung.