„Da hinten hellt es sich schon auf“, sagt Arnold Walz hoffnungsvoll und nippt an seinem Sekt. Der 72-Jährige deutet mit der Hand zum Himmel. Seine Begleitung Karin Sauer nickt. Gemeinsam drängen sich die beiden unter die Markise vor der Schimmelhütte, um dem tröpfelnden Regen auszuweichen. Sie sind nicht die einzigen, die sich an diesem Vatertags-Donnerstag zur Wanderpause in Degerloch eingefunden haben. Immer mehr Menschen sammeln sich unter den Schirmen, sitzen auf Stühlen, die ringsherum aufgestellt wurden oder stehen um einige Tische herum. Die Veranstalter, Thomas Wolfrum und Barbara Knobloch-Wolfrum, schenken Wein aus, überreichen Häppchen, lächeln und plaudern dabei.
„Wir planen das hier mit vier Wochen Vorlauf, das geht immer etwas ins Ungewisse, was das Wetter betrifft“, sagt Wolfrum. „Aber wandern kann man schließlich bei jedem Wetter, nicht wahr?“ Genauso wie Wein trinken. Dieser hat in der Familie nämlich Tradition: Barbara Knobloch-Wolfrums Großvater Friedrich Gohl war Bauer und Wengerter in Degerloch. Später übernahmen ihre Eltern Marta und Heinz Knobloch die Bewirtschaftung. Heute führen sie und ihr Mann Thomas Wolfrum den Betrieb weiter.
Karin Sauer und Arnold Walz genehmigen sich ein Gläschen in der Wanderpause. Foto: Lichtgut Die Älteren trinken, die Jungen bleiben bei der Familie?
Einige hundert Meter weiter löst sich am Santiago-de-Chile-Platz gerade ein Gottesdienst auf. Die beiden Pfarrer, Detlef Häuser und Tilo Knapp, sind noch mit Aufräumarbeiten beschäftigt. Der Gottesdienst an Christi Himmelfahrt finde bereits seit mehreren Jahren am beliebten Degerlocher Aussichtspunkt statt und dieses Mal habe man knapp hundert Leute dazu begrüßen dürfen, erzählt Häuser stolz.
Nach wie vor tummeln sich hier noch einige Leute, bewundern die Aussicht oder strecken ihr Gesicht in die Sonne, die es zeitweise hinter den dichten Wolken hervorgeschafft hat.
Thomas Pfeiffer (l.) und Claus Hoffmann verbringen einen Vatertag unter Männern. Foto: Lichtgut
„Meinem Eindruck nach gehen in den vergangenen Jahren immer mehr ältere Männer am Vatertag mit Leiterwagen und Bierkiste los, während die jüngere Generation eher etwas mit der Familie macht“, sagt Häuser, der selbst nach dem Gottesdienst an Christi Himmelfahrt gern noch wandern geht und dabei häufiger mal auf Väter auf Wanderschaft trifft.
„Zum Glück haben wir morgen frei“
Nur wenige Minuten später, die beiden Pfarrer sind inzwischen verschwunden, strömt eine achtköpfige Gruppe Mitte Zwanzig heran. In den Händen: Pappbecher, gefüllt mit Bier und Wein. „Marienplatz war der Start, jetzt geht’s den Blaustrümpflerweg entlang“, erklärt einer der Männer, der namentlich lieber ungenannt bleiben möchte. Wie lange die Tour dauert? „Bis der Alkohol alle ist“, lacht sein Kumpel. Eine junge Frau ergänzt mit einem Grinsen: „Zum Glück haben wir morgen frei.“ Vatertag? Für die Gruppe eher Nebensache. Man kenne sich von der Arbeit, feiere eigentlich nur den unerwarteten Brückentag. Kinder hat hier noch niemand.
Mittlerweile sind sie nicht mehr die einzigen mit Alkohol in der Hand. Nur wenige Meter entfernt heben Thomas Pfeiffer und Claus Hoffmann ihre Weingläser. „Auf 40 Jahre Freundschaft“, sagt Pfeiffer. Die beiden kennen sich seit Jugendtagen aus dem Fußballverein. Heute haben sie sich spontan verabredet – ohne Familie, obwohl beide Väter sind. „Wir wussten morgens noch nicht, wohin“, erzählt Hoffmann aus Remshalden. Sein Freund aus Ludwigsburg nickt: „Dann hat es uns hierher getrieben.“ Ein Vatertag ganz unter Männern.