Projektentwickler der nächsten Generation: Innerhalb weniger Jahre hat sich Max von Bredow in seiner Branche einen Namen als besonders nachhaltiger Bauherr gemacht. Das bekennende Landei ist ein klassischer Hidden Champion unter den Immobilienentwicklern. MUNICH NEXT LEVEL-Host Marco Eisenack spricht mit ihm über seine Projekte, die auch für unsere Stadt ein Vorbild sein könnten: vom Mixed Use Quartier auf dem alten Spinnereigelände in Kolbermoor bis zu den Winklbauer Höfen in Holzkirchen, ein barrierefreies Wohnprojekt mit Gemeinschaftsgarten und Inklusionscafé. Von Bredows Fokus liegt dabei klar auf Gemeinschaft, Lebensqualität und nachhaltiges Bauen. Er versteht Bauen nicht nur als wirtschaftliche Aufgabe, sondern als gesellschaftliche Verantwortung – mit dem Ziel, Orte zu schaffen, an denen Menschen wirklich gerne leben. Schnell wird klar: Es braucht nicht nur neue Bauprojekte – sondern ein komplett neues Denken, um Wohnen im Umland attraktiv, nachhaltig und lebenswert zu gestalten.
Max von Bredow – Mut zu mehr Gefühl
Aufgewachsen auf dem Land auf einem Hof mit Pferden und nie ein Stadtmensch geworden, lebt Max von Bredow mit seiner Frau, der vierfachen Olympiasiegerin im Dressurreiten Jessica von Bredow-Werndl und den zwei Kindern im Raum Rosenheim/Tuntenhausen. Die Arbeit und Haltung des promovierten Maschinenbauers – selbst ehemaliger Vielseitigkeitsreiter, prägt nicht nur der Hochleistungssport, sondern auch seine enge Verbindung zum Landleben und sein positives Zukunftsbild und Mut zur Veränderung.
2010 stieg er in das Immobilien-Unternehmen seines Schwiegervaters ein und entwickelt es seit 2022 als Max von Bredow Baukultur zu einer Plattform für innovative, ganzheitliche Projektentwicklung weiter. Gerade weil er nicht der „klassische Investmentbanker aus Frankfurt“ ist, wie er im Podcast augenzwinkernd sagt, orientiert er sich bei all seinen Projekten an seiner Intuition und an der Frage, wie er selbst gerne wohnen würde. Dieses Denken führt zu Projekten, die nicht nur funktional, sondern auch emotional überzeugen sollen. Hinzu kommt ein langfristiger Blick, der über den Moment hinausgeht – etwa die Frage, wie kommende Generationen diese Gebäude einmal bewerten werden.
Pionier der Dritten Orte
Für Max von Bredow steht bei neuen Bauprojekten vor allem eines im Mittelpunkt: ein Perspektivwechsel im Umgang mit Wachstum. Zuzug und Verdichtung werden oft als Problem gesehen – er versteht sie dagegen als echte Chance. Wachstum bedeutet Gestaltungsspielraum: die Möglichkeit, Qualität zu erhöhen, neue Lebensräume zu schaffen und Bestehendes weiterzuentwickeln. Die entscheidende Frage ist also nicht, ob München und die Region wachsen, sondern wie wir dieses Wachstum nutzen.
Dazu gehört auch ein Umdenken weg von der isolierten Wohnung hin zum ganzen Quartier. Klassische Planung dreht sich häufig um Grundrisse, Quadratmeter und Ausstattung – die Räume dazwischen geraten dabei schnell aus dem Blick. Genau dort entsteht aber oft die eigentliche Lebensqualität: im Miteinander, auf Plätzen, in Begegnungsorten und gemeinschaftlich nutzbaren Räumen. Diese sogenannten dritten Orte, die ohne Konsumzwang zugänglich sind, werden immer wichtiger. Sie fördern den Austausch und stärken das Gemeinschaftsgefühl – etwas, das in vielen heutigen Wohnkonzepten noch zu kurz kommt.
Spannend ist dabei: Soziale Qualität und Wirtschaftlichkeit schließen sich nicht aus – im Gegenteil. Wer sich wohlfühlt, bleibt länger in seiner Wohnung, identifiziert sich stärker mit seinem Umfeld und ist eher bereit, dafür auch zu bezahlen. Wohnen wird damit mehr als nur eine funktionale Notwendigkeit – es wird zum Lebensgefühl.
Ein zentraler Baustein ist für von Bredow außerdem die frühzeitige Einbindung der Nachbarschaft bei Bauvorhaben: „Ein kleiner Teil ist grundsätzlich gegen Veränderungen, ein ebenso kleiner Teil immer dafür. Die große Mehrheit dazwischen ist offen – wenn man sie einbezieht und ernst nimmt.“ Genau darin sieht er das größte Potenzial: Durch Dialog, Transparenz und echte Beteiligung entstehen nicht nur bessere Lösungen, sondern auch die nötige Akzeptanz.
Rufbusse und Häuser ohne Tiefgaragen
Auch im Bereich der Mobilität zeichnen sich in von Bredows Augen tiefgreifende Veränderungen ab, die direkte Auswirkungen auf das Wohnen haben werden: Neue Konzepte wie Rufbusse könnten insbesondere im ländlichen Raum eine ganz neue Flexibilität ermöglichen. Gleichzeitig könnte die Zahl privater Autos deutlich sinken, was wiederum enorme Flächenpotenziale freisetzt – etwa durch den Wegfall großer Tiefgaragen. Dadurch entstehen neue Spielräume für Gestaltung, sowohl in der Stadt als auch im Umland, das durch bessere Anbindung deutlich attraktiver werden könnte.
Beim Thema bezahlbarer Wohnraum zeigt sich, dass die Herausforderungen auch auf dem Land groß sind: „Ein zentraler Punkt ist die Verfügbarkeit von Bauland. Steigende Grundstückspreise reduzieren den Anreiz für Eigentümer, Flächen zu verkaufen, was die Entwicklung zusätzlich erschwert. Dazu kommt die Rolle der Kommunen, die über ihre Planungshoheit maßgeblich bestimmen, wie viel und wie schnell gebaut wird. Viele Gemeinden agieren hier vorsichtig, oft aus Sorge vor den Folgen von Wachstum – etwa zusätzlichen Infrastrukturkosten oder Veränderungen im sozialen Gefüge. Gleichzeitig liegt genau hier ein großer Hebel: Wenn Wachstum als Chance verstanden wird, können Kommunen aktiv zur Schaffung von Wohnraum beitragen.
Gleichzeitig gibt es bereits funktionierende Instrumente, um bezahlbaren Wohnraum zu schaffen, etwa durch Modelle der sozialen Bodennutzung oder kommunale Förderprogramme. Besonders effektiv wird es, wenn Kommunen und private Projektentwickler enger zusammenarbeiten. Entwickler bringen Umsetzungskompetenz und Geschwindigkeit mit, während Kommunen die planerischen Rahmenbedingungen setzen. Wenn beide Seiten kooperieren, lassen sich Projekte effizienter realisieren – etwa indem Entwickler Teile der kommunalen Infrastruktur wie Wohnungen oder Kindergärten direkt mit errichten.
Mit Superpower und Büchern zum Erfolg
Auf die Frage, welche Superpower ihm vielleicht helfen könnte, um seine Quartiere noch besser realisieren zu können, fällt von Bredow wieder ein altes Computerspiel aus seiner Jugend ein: „Ich habe tatsächlich mal in den 1990ern Sim City gespielt. Da hast du deine eigene Stadt gebaut – und musstest immer schauen, dass Gewerbe und Wohnen immer in Balance sind. Der Witz dran ist, dass es ohne Ende Baugrund gibt und Baurecht, so, wie man es selbst gerne hätte. Genauso eine Superpower in echt hätte ich gerne.”
Inspirierender Ausflug ins Alte Spinnerei-Quartier in Kolbermoor
Wer erleben möchte, wie Quartiersentwicklung im Sinne von Max von Bredow aussehen kann, sollte der Alten Spinnerei in Kolbermoor einen Besuch abstatten. Vor allem Architekturinteressierte kommen hier auf ihre Kosten: Die preisgekrönte Sanierung der historischen Industriegebäude trifft auf moderne Neubauten – ein Zusammenspiel, das man am besten direkt vor Ort erlebt. In unmittelbarer Nähe zum Kanal mit dem Gebirgswasser der Mangfall wirkt es, als wäre man in Venedig oder der Hamburger Speicherstadt. Auch der hohe, freistehende Rundkamin überragt noch immer das Gelände.
Eine Pizza bei Giuseppe
An der Alten Spinnerei 1, 83059 Kolbermoor
Kuchen probieren bei Konditorei Küchenträume
An der Alten Spinnerei 3, 83059 Kolbermoor