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Die Skizze zeigt die Campusmeile des BKA-Neubaus in Wiesbaden. © Schneider+schumacher
Das Bundeskriminalamt plant einen Zentralcampus für 7.000 Menschen. Doch die Grundstücksfrage bleibt heikel und sorgt für Kritik.
Wenn Ermittlerinnen und Ermittler zu Cyberkriminalität, Forensik und Terrorfahndung des Bundeskriminalamts (BKA) in Wiesbaden wichtige Akten austauschen oder persönliche Absprachen treffen wollen, steigen sie oft erst einmal ins Auto. Verteilt auf sieben Standorte im gesamten Stadtgebiet arbeitet Deutschlands wichtigste Polizeibehörde derzeit aus einem weitverzweigten Dienststellen-Netz. Der geplante Zentralcampus „All in One“ soll das ändern.
Mit einer Informationsveranstaltung im Stadtteil Erbenheim ist das Großprojekt am Dienstagabend in eine neue Phase der Bürgerbeteiligung eingetreten. Die Stadt informierte über den aktuellen Stand und machte deutlich, dass aus ersten Wettbewerbsideen inzwischen konkrete Bauleitplanung geworden ist. Gleichzeitig wurde klar: Das Projekt bleibt politisch und gesellschaftlich hochsensibel.
Eine Magistrale verbindet die Gebäude
„Wenn wir so schnell sind wie 1951, dann bin ich glücklich und dankbar“, sagte BKA-Vizepräsidentin Helen Albrecht mit Blick auf die Geschichte der Behörde. 1951 legte sich die Bundesregierung auf Wiesbaden als Sitz des BKA fest. Ein Jahr später zog ein Teil der Kriminaltechnik nach Wiesbaden in eine ehemalige Jugendherberge. Bereits 1953 wurde der erste Neubau eingeweiht. Mehr als 70 Jahre danach steht nun die größte räumliche Neuordnung der Behörde seit ihrer Gründung an.
Der Neubau
In Wiesbaden soll der Neubau des Bundeskriminalamtes (BKA) entstehen.
Die Stadt ist seit 1951 Hauptsitz des BKA. Das BKA ist in den zurückliegenden Jahren personell stark gewachsen. Inzwischen arbeiten in Wiesbaden mehr als 5.000 Menschen, verteilt auf sieben Standorte. Das ist ineffizient und teuer. Der neue, zentrale BKA-Campus soll die Standorte zusammenführen und ist für bis zu 7.000 Mitarbeiter:innen konzipiert.
Der BKA-Neubau ist Teil des Ostfelds. Neben dem Behördenbau ist auf dem Areal der Bau von Wohnungen für rund 10.000 Menschen vorgesehen. Insgesamt ist der Entwicklungsbereich 450 Hektar groß. Ca. 33 Hektar umfasst der Behördenstandort. diu
Am Stadteingang zwischen A66, Berliner Straße und Siegfriedring soll auf rund 33 Hektar ein neuer Behördenstandort für bis zu 7.000 Menschen entstehen. Derzeit beschäftigt das BKA mehr als 5.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Wiesbaden – verteilt auf Gebäude, die nach Angaben der Behörde teilweise dringend sanierungsbedürftig sind.
Das ganze Gebiet ist 450 Hektar groß
Der Neubau ist Teil des Entwicklungsgebiets Ostfeld, das als Städtebauliche Entwicklungsmaßnahme (SEM) umgesetzt wird. Während südlich der A66 ein Wohngebiet für rund 10.000 Menschen geplant ist, liegt der Schwerpunkt derzeit auf dem BKA-Campus im Norden. Das gesamte Entwicklungsgebiet umfasst rund 450 Hektar.
Grundlage der weiteren Entwicklung ist der Siegerentwurf des Büros Schneider + Schumacher gemeinsam mit GTL Landschaftsarchitektur, der aus einem städtebaulichen und landschaftsplanerischen Ideenwettbewerb hervorgegangen war. Vorgesehen sind fünfeckige Gebäude mit unterschiedlichen Höhen, angeordnet nach dem Zwiebelprinzip: Besonders sensible Bereiche liegen im Inneren des Campus. Eine zentrale Magistrale verbindet die Gebäude von Nord nach Süd. Im Norden sind Logistikflächen vorgesehen, im Süden Sportanlagen und ein Besucherzentrum. Mehr als 500 Bäume sollen gepflanzt werden. Hinzu kommt ein 35 Meter breiter Sicherheitsstreifen zum Biotop Kalkofen.
Wer nicht verkaufen will, könnte enteignet werden
Inzwischen läuft die Bauleitplanung. Die Stadtverordnetenversammlung hatte im April 2025 die Aufstellung des Bebauungsplans „Bundeskriminalamt“ und die Änderung des Flächennutzungsplans beschlossen. Seither wird ein erster Vorentwurf des Bebauungsplans erarbeitet. Was abstrakt klingt, bedeutet in der Praxis: Das gesamte Areal wird unter vielen Gesichtspunkten untersucht. Es wird beispielsweise simuliert, wie sich der zusätzliche Verkehr auswirkt, mit wie viel mehr Lärm die Anwohnenden rechnen müssen, wie Kaltluftströme beeinflusst werden. Die Erkenntnisse fließen in die weiteren Planungen ein, die so Schritt für Schritt konkreter werden. Das Gebiet gilt mit Blick auf den Verkehr schon heute als stark belastet. Deshalb sind neue Kreisverkehre, eine zweispurige Auffahrt zur A66, zwei Bushaltestellen und ein Haltepunkt der Ländchesbahn im Süden geplant. Am Siegfriedring soll zudem ein neues Umspannwerk entstehen. Parallel dazu wird der Boden auf Blindgänger untersucht. Archäologische Arbeiten schließen sich an.
Heikel bleibt allerdings die Grundstücksfrage. Das Gebiet besteht bislang überwiegend aus landwirtschaftlich genutzten und freien Flächen. Das Instrument der SEM erlaubt es der Stadt, Grundstücke zu Preisen anzukaufen, die sich am heutigen Zustand ohne Baurecht orientieren. Nach Angaben der SEG liegt der Preis derzeit bei 13,70 Euro pro Quadratmeter. Wer nicht verkaufen will, kann enteignet werden – ein Thema, das auch während der Bürgerversammlung kritisch angesprochen wurde.
Die ersten Enteignungsanträge seien im September 2025 gestellt worden, seit März 2026 lägen alle erforderlichen Anträge für den BKA-Standort vor. Weniger als ein Drittel der benötigten Flächen müssten laut SEG über Enteignungen gesichert werden. Ende des Jahres soll die frühzeitige Beteiligung der Öffentlichkeit beginnen. Nach der Überarbeitung folgt eine zweite öffentliche Beteiligung. Bis gebaut werden kann, dauert es. Inzwischen gilt ein Spatenstich 2029 als möglich.