Das New Yorker Metropolitan Museum und die Neue Galerie mit ihrer Sammlung deutscher und österreichischer Kunst des frühen 20. Jahrhunderts fusionieren. Ab 2028 werde die Neue Galerie als eine Art Außenstelle des schräg gegenüberliegenden Metropolitan Museums betrieben, sagte Museumsdirektor Max Hollein der Deutschen Presse-Agentur. Die 2001 vom Kosmetikunternehmer und Kunstsammler Ronald Lauder gegründete Neue Galerie werde dann offiziell „The Met Ronald S. Lauder Neue Galerie“ heißen, in der Kurzform: Met Neue.

„Für die Kunstwelt bedeutet es, dass eine der wirklich besonders geliebten und besonderen kulturellen Institutionen in New York – die Neue Galerie, die Ronald Lauder aufgebaut hat – nicht nur erhalten wird, sondern dass das weiterlebt als genau das Museum, als die Idee, wie es geboren wurde“, sagte Hollein. Der 56 Jahre alte Österreicher ist seit 2018 Direktor des Metropolitan Museums.

Metropolitan Museum bekommt „Ikonen der Kunstgeschichte“

Zudem bekomme das Metropolitan Museum damit eine Sammlung von „Ikonen der Kunstgeschichte“, sagte Hollein weiter – mit Werken von Künstlern wie Egon Schiele, Gabriele Münter, Oskar Kokoschka, Max Beckmann, Ernst Ludwig Kirchner, Wassily Kandinsky, Franz Marc und Paul Klee. Damit werde „in einer unglaublich eindrucksvollen Form eine gewisse Lücke auch in der Sammlung des Metropolitan Museums“ geschlossen.

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SZ PlusVon Alexander Menden

Das 1870 gegründete Metropolitan Museum am Central Park in Manhattan hat eine umfassende Sammlung aus aller Welt von der Antike bis in die Moderne, rund sechs Millionen Besucher pro Jahr und gehört zu den berühmtesten und renommiertesten Museen der Welt. Mit den Cloisters im Norden Manhattans hat es bereits eine Außenstelle, wo hauptsächlich mittelalterliche Kunst gezeigt wird. Eine weitere Außenstelle für moderne und zeitgenössische Kunst – das unweit des Hauptgebäudes gelegene sogenannte „MetBreuer“ – wurde 2020 nach wenigen Jahren wieder aufgegeben.

„Goldene Adele“ ist Star der Neuen Galerie

Star der Neuen Galerie ist das Gemälde „Adele Bloch-Bauer I“ des österreichischen Jugendstilkünstlers Gustav Klimt (1862–1918), das Lauder 2006 zum damaligen Rekordpreis von 135 Millionen Dollar ersteigerte. Die „Goldene Adele“ wurde zum Zuschauer-Magnet, zeitweise standen hunderte Menschen Schlange und bezahlten bis zu 50 Dollar, um das Werk aus der Nähe zu sehen. Dieses Bild, das Ronald Lauder als „die Mona Lisa“ des Museums bezeichnete, solle auch in Zukunft stets an seinem Standort verbleiben. Bei anderen Werken seien, einem Bericht der New York Times zufolge auch Ausleihen für Ausstellungen im Haupthaus des Metropolitan Museums denkbar.

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Der Zusammenschluss mit dem Metropolitan Museum werde das Vermächtnis seiner Neuen Galerie nun „für die Ewigkeit erhalten und stärken“, sagte der 82 Jahre alte Lauder, der der New York Times zufolge davon sprach, dass er nicht glaube, „120 zu werden“ und deshalb sicherstellen wolle, „dass die Neue Galerie, was auch immer geschehen mag, die Neue Galerie bleibt.“

Sein Kontakt zum heutigen Met-Direktor Max Hollein reicht bereits in dessen Kindesalter zurück, als Lauder den Botschafterposten der USA in Wien innehatte und Kontakt zu Holleins Vater, dem Architekten Hans Hollein, pflegte. Ronald Lauder, der unter anderem auch Präsident des Jüdischen Weltkongresses ist, hatte seinerseits bereits als Teenager in den späten 1950er Jahren begonnen, Kunst zu sammeln. Wenig später verband ihn dadurch eine Freundschaft mit dem Kunsthändler Serge Sabarsky, der sich in New York auf den Verkauf von klassischer Moderne aus Österreich und Deutschland spezialisiert hatte.

Den Ausbau übernahm die Architektin Annabelle Selldorf aus Köln

Gemeinsam erwarben sie 1994 an der Ecke 5th Avenue und 86th Street ein Stadtpalais von 1914 im französischen Beaux-Art-Stil, um darin ein intimes Museum nach dem Vorbild der Morgan Library oder der Frick Collection einzurichten. Den Ausbau übernahm die aus Köln stammende Architektin Annabelle Selldorf, die damit wesentlich ihre Karriere als New Yorks führende Baumeisterin für Museen und Galerien begründen konnte.

Neben dem Gebäude und der Sammlung der Neuen Galerie wollen Lauder und seine Tochter Aerin dem Metropolitan Museum auch noch 13 Werke aus ihrer Privatsammlung schenken, darunter bedeutende Gemälde von Gustav Klimt, Ernst-Ludwig Kirchner, Max Beckmann, Otto Dix, George Grosz und Franz Marc. Für den laufenden Betrieb der „Met Ronald S. Lauder Neuen Galerie“ werde zudem ein Vermögensstock aufgesetzt, der bereits zu einem großen Teil finanziert sei, sagte Hollein.

Als Wiener sei er „etwas vorbelastet für die Begeisterung für diese Kunst“, sagte Hollein. Es fasziniere ihn aber jetzt schon, welche Möglichkeiten für Ausstellungen sich aus dem Zusammenschluss der Sammlungen des Metropolitan Museums und der Neuen Galerie ergeben. „Ich glaube, dadurch entstehen natürlich ganz neue Perspektiven, Blickfelder und natürlich auch Kontext.“

Zum anhaltenden Publikumserfolg der Neuen Galerie hatte neben der exquisiten Sammlung allerdings immer auch das nach Mitbegründer Serge Sabarsky benannte Café im Soutterain beigetragen. Mit seiner teils direkt aus Österreich importierten Einrichtung und der sehr authentischen Küche gilt es als eines der besten Wiener Kaffeehäuser außerhalb Wiens. Das Café Sabarsky werde für Renovierungsarbeiten Ende Mai schließen, aber im Herbst wieder eröffnen, wurde versprochen.