Millionen Zuschauer in ganz Frankreich werden am Donnerstagabend um 20 Uhr Ortszeit (15 Uhr ET) die Nachrichtensendung auf TF1 einschalten, um zu erfahren, welche Spieler Didier Deschamps zur bevorstehenden Weltmeisterschaft in den USA mitnimmt.
Wie es in Frankreich Tradition ist, wird der Nationaltrainer seinen Kader live im Fernsehen bekanntgeben. Eine der größten Fragen rund um den 26-köpfigen Kader ist, ob Real Madrids Mittelfeldspieler Eduardo Camavinga berücksichtigt wird.
Französische Medien gehen zunehmend davon aus, dass Camavinga letztlich nominiert wird. Dennoch hat seine Aufnahme in den Kader in den vergangenen Wochen eine echte Debatte ausgelöst. Einige Experten und ehemalige Spieler argumentieren, dass er trotz seiner Vielseitigkeit, die zu seinen größten Stärken zählt, gegen andere Mittelfeldspieler den Kürzeren ziehen könnte.
Eine herausfordernde Saison in Madrid
Der 23-jährige Mittelfeldspieler erlebte bei Real Madrid eine wechselhafte Saison, was seine Zukunft im Nationalteam in den Fokus rückt.
Verletzungen, die wackelige Form von Madrid sowie seine jüngste Rote Karte im Champions-League-Duell gegen Bayern München haben seine Chancen nicht verbessert. Dieser Abwärtstrend blieb auch Deschamps nicht verborgen, der in Frankreich oft als vorsichtig gilt, wenn es darum geht, Camavingas enormes Potenzial vollständig zu vertrauen.
Während des März-Länderspiels in den USA rutschte Camavinga in der Mittelfeld-Hierarchie hinter Aurélien Tchouaméni, Warren Zaïre-Emery, N’Golo Kanté und Adrien Rabiot auf Rang fünf ab.
Selbst ohne den verletzten Manu Koné gelang es Camavinga nicht, sich in Freundschaftsspielen gegen Brasilien und Kolumbien zu profilieren. Beim Spiel gegen Kolumbien kam er nur als Einwechselspieler in einer stark durchmischten Mannschaft zum Einsatz, was die Unsicherheit über seine Rolle vor der WM weiter verstärkte.
Deschamps sucht weiterhin nach Lösungen
In den letzten Jahren setzte Deschamps Camavinga häufig als Linksverteidiger ein, doch auch diese taktische Umstellung konnte seine langfristige Einbindung in die französischen Pläne nicht sichern.
Bei der letzten WM veränderte Camavinga als Einwechselspieler gegen Argentinien die Dynamik des Finales. Doch beim jüngsten großen internationalen Turnier, der EM 2024 in Deutschland, stand er nur einmal in der Startelf – im Viertelfinale gegen Portugal – hauptsächlich weil Rabiot im Mittelfeld fehlte.
Diese wechselhaften Leistungen werfen nur wenige Stunden vor der Kaderbekanntgabe durch Deschamps Fragen über seine Zukunft im Nationalteam auf.
Späte Überraschungen bahnen sich an
Zudem wächst der Zuspruch für den ehemaligen Bayern-München-Mittelfeldspieler Corentin Tolisso, der bei Lyon eine starke Saison spielt und womöglich den letzten Mittelfeldplatz ergattern könnte.
Tolisso hat in der Ligue 1 zu alter Stärke zurückgefunden und gilt als eine mögliche Überraschung bei der Bekanntgabe am Donnerstagabend. Während Camavingas Form in den letzten Monaten nachließ, konnten Spieler wie Tolisso seit Jahresbeginn kontinuierlich an Boden gewinnen.
Camavinga bleibt damit die größte Unbekannte in einem Kader, der insgesamt noch einige offene Fragen aufweist.
Im Tor könnte Robin Risser als dritter Keeper überraschend nominiert werden, nachdem Lucas Chevalier durch eine Verletzung und fehlende Einsatzzeiten bei Paris Saint-Germain ausfällt. Im Angriff könnte Esteban Lepaul, der mit 20 Saisontoren für Rennes in allen Wettbewerben Ligue 1-Torschützenführer ist, seinen Platz im Kader finden.
Um 20 Uhr Ortszeit auf TF1 wird Deschamps schließlich den Kader präsentieren, von dem Frankreich hofft, dass er dem Land den dritten WM-Titel auf amerikanischem Boden beschert.
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