Am 17. Mai 2026 wird die DEFA 80 Jahre alt. Aus diesem Anlass stellt die DEFA-Stiftung über das Himmelfahrtswochenende ihre digitalisierten Filme den Kinos lizenzfrei zur Verfügung. Das Angebot nutzen auch zahlreiche Kinos in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen.
So läuft im Luchs-Kino in Halle am Donnerstag zum Beispiel der Film „Das Pferdemädchen“. In Weimar ist am Sonntag „Das Schulgespenst“ im Kino Mon Ami zu sehen und in Leipzig „Solo Sunny“ in der Kinobar Prager Frühling.
Filme der DEFA als DDR-Zeitdokumente
Für viele, die in der DDR aufgewachsen sind, sind Filme wie „Solo Sunny“ ein absoluter Kultfilm – aber nachfolgenden Generationen kaum noch bekannt. So steht es um viele der tausenden DEFA-Produktionen.
Um dieses Filmerbe am Leben zu erhalten, finden seit mehr als 20 Jahren die Merseburger DEFA-Filmtage statt. Dabei werden jährlich im Frühjahr Filme aus dem DEFA-Fundus gezeigt und Filmgespräche dazu geführt.
Ein Highlight der diesjährigen 21. Ausgabe war der Film „Sonnensucher“. Er handelt vom Uranbergbau der Wismut und wurde in der DDR direkt verboten. Anders als in den Jahren zuvor konnte die Leiterin der DEFA-Filmtage, Halina Czikowsky, für ein Filmgespräch keine an dem Film Beteiligten mehr finden. Deshalb habe sie den Kurator der Zwickauer Ausstellung „Sonnensucher – Kunst und Bergbau der Wismut“ eingeladen.
Dass die Beteiligten an den Filmen zum großen Teil schon verstorben sind, ist die eine Herausforderung. Die andere ist, die Generationen, die nicht in der DDR aufgewachsen sind, überhaupt für die DEFA zu interessieren. Dabei seien die Filme viel mehr als nur Nostalgie, betont Philip Zengel von der DEFA-Stiftung bei MDR KULTUR: „Es sind Zeitdokumente aus einem Land, das nicht mehr existiert. Ich finde, das ist etwas wahnsinnig Einmaliges.“
DEFA-Filme sind Zeitdokumente aus einem Land, das nicht mehr existiert.
Philip Zengel, DEFA-Stiftung
Viele der Filme könnten uns auch heute noch etwas erzählen, so Zengel weiter, und nennt zum Beispiel die Themen Umweltschutz und Protest. Ein Film wie „Biologie“ nehme ein bisschen die Fridays-for-Future-Bewegung vorweg und rücke sie in den DDR-Kontext. „Das sind universelle Themen, die Leute auch heute noch erreichen“, betont Zengel.
DEFA-Filme sollen per Streaming ein neues Publikum erreichen
Um die Filme möglichst niedrigschwellig anzubieten, digitalisiert die DEFA-Stiftung sie und stellt einen Großteil davon online zur Verfügung. Aber das allein reicht nicht aus, um ein neues Publikum zu erreichen. Denn wer stößt auf YouTube schon zufällig auf einen DEFA-Streifen oder sucht in der ARD-Mediathek mal ebenso nach DDR-Klassikern?
Laut Stephan Ahrens von der Filmuniversität Babelsberg „Konrad Wolf“ braucht es zusätzlich noch einen Anstoß. Der Dozent für Filmforschung beschäftigt sich schon länger mit der Frage, wie man ein junges Publikum für die DEFA begeistern kann.