Das Rathaus von Warschau hat eigenen Angaben zufolge erstmals eine in einem anderen EU-Land geschlossene gleichgeschlechtliche Ehe anerkannt. „Heute Morgen haben wir die erste Eintragung“ einer gleichgeschlechtlichen Ehe vorgenommen, erklärte der Warschauer Bürgermeister Rafal Trzaskowski am Donnerstag vor Journalisten. Die beiden Ehepartner, Jakub Cupriak-Trojan und Mateusz Trojan, bestätigten ihrerseits, eine Kopie der polnischen Heiratsurkunde erhalten zu haben.
„Wir freuen uns und hoffen, dass die nächsten Urkundenumschreibungen, auf die viele Paare warten, ohne unnötige Verzögerungen ausgestellt werden“, sagten sie der Website OKO.press. Das Paar hatte 2018 in Berlin geheiratet und will sich nun in Polen niederlassen. Ihr Antrag war zuvor abgelehnt worden, da laut polnischer Verfassung die Heirat eine Verbindung zwischen einem Mann und einer Frau ist.
Polen muss in der EU geschlossene Ehen anerkennen
Das Oberste Verwaltungsgericht Polens hatte im März entschieden, dass in anderen EU-Mitgliedstaaten geschlossene gleichgeschlechtliche Ehen vom polnischen Staat anerkannt werden müssen. Damit setzte das Gericht das entsprechende Urteil des Gerichtshofs der Europäischen Union vom November 2025 in polnisches Recht um.

LGBTQ-Verbände sprachen von einem „historischen Schritt“ und einem „Wendepunkt“ in dem traditionell sehr katholischen Land. LGBTQ steht für lesbisch, schwul, bisexuell, transgender und queer.
Polens Regierungschef Donald Tusk, dessen Mitte-Koalition in Bezug auf die Rechte von LGBTQ-Menschen gespalten ist, hatte am Dienstag angedeutet, dass der Schritt des Verwaltungsgerichts unmittelbar bevorstehe. Die Anerkennung gleichgeschlechtlicher Paare sei „vor allem eine Frage der Menschenwürde und der Menschenrechte“, erklärte Tusk.

Ein Hund demonstriert für Menschenrechte in Warschau.
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Konservative auf den Barrikaden
Polen ist – neben Bulgarien, Rumänien und der Slowakei – eines der letzten europäischen Länder, das weder die gleichgeschlechtliche Ehe noch eingetragene Partnerschaften legalisiert hat. Polens Verfassung schützt die Ehe als eine Verbindung zwischen Mann und Frau.
Entsprechend laufen konservative Kreise Sturm gegen die rechtliche Anerkennung von im Ausland geschlossenen gleichgeschlechtlichen Ehen. In christlich-konservativen Blättern war am Donnerstag vom „Regenbogen-Skandal“ zu lesen und einer Entscheidung, die „jeden Konservativen in Polen in Angst und Schrecken versetzen werden“. Nach Angaben von Menschenrechtsorganisationen haben 30.000 bis 40.000 gleichgeschlechtliche Paare aus Polen im Ausland geheiratet.
Laut einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Ipsos aus dem vergangenen Jahr sind nur 31 Prozent der Polen für die Einführung der gleichgeschlechtlichen Ehe. 62 Prozent der Befragten befürworten jedoch eine Form der rechtlichen Anerkennung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften.