Mit seiner Produktion „The Silent Waltz of the Many“ zelebriert Choreograph Francesco Vecchione die Freiheit zu sein, wer man ist. Die Schönheit aller Unterschiedlichkeiten, die Faszination aller Vielfalt, die die Menschheit mit sich bringt. Am 16. und 17. Mai finden jeweils um 19.30 Uhr im Pina Bausch Zentrum under construction, Bundesallee 260, die Aufführungen statt. Für das Projekt veranstaltete der gebürtige Italiener aus Neapel ab Anfang des Jahres offene Workshops, in deren Rahmen er Wuppertaler Bürger aus unterschiedlichen Generationen und Nationen zusammenbrachte, darauf bedacht, all ihre Facetten abzubilden. Tänzerische Erfahrungen waren nicht von Nöten.
Die Veranstaltung ist eine Koproduktion von Francesco Vecchione, dem Pina Bausch Zentrum und der Art Garage Dance Company – viele weitere Wuppertaler Institutionen unterstützen ebenfalls.
Großes Gemeinschaftsprojekt aus Bürgern und Künstlern
Am Samstag und Sonntag erwartet die Besucher in den weitläufigen Räumlichkeiten des alten Schauspielhauses ein „philosophisches Labor“, eine Art Parcours, der die Menschen hin zur Performance des Abends führt, die von unterschiedlichen Lebensgeschichten erzählt, sie in einem gemeinsamen Moment vereint. Zuvor durchlaufen sie verschiedene Räume, die unterschiedliche Lebenswirklichkeiten darstellen und von Tänzern, Malern, Sängern, Musikern und Fotografen mitgestaltet werden.
Die bunten, mitreißenden Bilder von Malerin Bianca Baierl, Fotografien von Ralf Silberkuhl, dazu afrikanische Rhythmen, syrische Melodien und zahlreiche weitere Darbietungen und Kunstwerke säumen den Weg der Besucher. Viele der Künstlerinnen und Künstler sind, wie Francesco Vecchione selbst, in Wuppertal verwurzelt, bringen Biografien aus Syrien, Italien, Polen, den Philippinen und dem Kongo mit. „Das Publikum wird hier frei herumlaufen können, kann sich die Kunst anschauen, einfach zuhören, sich einen Drink holen“, erklärt der Künstler. Wichtig sei ihm, den Abend bewusst offen zu gestalten, den Menschen eine Richtung vorzuschlagen, die sie aber eben nicht einschlagen müssen.
Neun Tage lang wurde für die Tanzperformance mit den rund 30 bis 40 Wuppertaler Bürgern geprobt. Es herrscht ein liebevolles Miteinander auf Augenhöhe, viele gehen ein und aus, winken sich freudig zu, haben während der gemeinsamen Zeit Freundschaften geschlossen oder kennen sich bereits aus anderen Projekten. Manche besuchen nur einige der Proben, weil sie am Aufführungstag selbst nicht dabei sein können. „Für mich ist genau das Wuppertal“, betont Francesco Vecchione. Es erwärme sein Herz, wie wertschätzend die unterschiedlichen Altersklassen miteinander umgingen. „Es müssen nicht immer alle mit ihren Meinungen übereinstimmen. Aber so kommt man in den Dialog“, so Vecchione. Auch er selbst als Künstler wachse an dem generationen- und kulturübergreifenden Projekt: „Ich lerne hier wieder mehr über mich selbst und vor allem auch, die Kontrolle abzugeben. Vielen Tänzern habe ich gesagt: ‚Mach, wonach dir ist‘. Habe ihnen höchstens Fragmente an die Hand gegeben oder einzelne Fragen oder Begriffe. Vieles der Performance liegt in ihrer Hand“, erklärt er. Bei dem Projekt liege der Spaß im Fokus. „Es ist kein finales Produkt, wenn man davon in der Kunst überhaupt jemals sprechen kann“, sagt er. „Dafür war die Zeit auch viel zu kurz.“ Aber so, und das sei hier für ihn ausschlaggebend, sei die ganze Performance auf ein sehr menschliches Level gebracht. Einblicke in die Proben zeigen: Hier werden unterschiedlichste Lebenswirklichkeiten erzählt. Die leidenschaftliche, vielleicht auch toxische Beziehung eines Paares, Tänzer, die sich in ihren eigenen Bewegungswelten verlieren, Erzählungen von Liebe, Zorn, Verzweiflung und vollkommener Ruhe. Vecchione wirft hier und da etwas ein, mit grobem Ziel vor Augen, macht Vorschläge, aber verlangt nicht zu viel. Die Frage, woher er seine Inspiration nehme, ist für den Künstler mit Leichtigkeit zu beantworten: „Es ist einfach das Leben. Und es überkommt mich oft dann, wenn ich alleine bin mit meinen Gedanken. Kommt als Frage auf, während ich koche oder Musik höre. Und dann schreibe ich es auf und schaue, was später daraus wird.“
Von großen Zukunftsplänen bis zu neuen Hobbys
Naël Roger Sasportes ist 17 Jahre alt. Der „Silent Waltz“ ist für ihn eine Premiere auf der Bühne, auch wenn er seine Leidenschaft zum Tanz schon vor drei Jahren entdeckte. Kein Wunder: Sein Vater Jean Laurent Sasportes war viele Jahre festes Mitglied der Kompanie Tanztheater Pina Bausch. Mit dem gleichen Ziel vor Augen freut sich Naël Roger Sasportes nun erst einmal auf die Vorstellung am Wochenende, die Arbeit mit Francesco Vecchione mag er sehr. „Es ist schön, mit ihm zu arbeiten. Er investiert Zeit in mich“, sagt der 17-Jährige, für den Pina Bausch die größte Inspiration ist.
Andre Füsser und Andrea Haese-Füsser halten häufig Ausschau nach künstlerischen Projekten, in denen sie mitwirken können. „Die Proben sind sehr intensiv und die Kombination mit den Profitänzern ist spannend“, so Andre Füsser. „Das Schöne: Jeder wird akzeptiert. Ich bin 65 Jahre alt und habe keine künstlerische Ausbildung. Aber genau darum geht es hier: alles abzubilden, was die Menschheit zu bieten hat.“
Karten gibt es online unter