Interview zur EPA-Patent-Studie
Warum Asien beim Batterierecycling führt und wo Europas Chancen liegen
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Die Zahl der weltweiten Patente im Batterierecycling wächst um rasante 42 Prozent pro Jahr. Doch wie eine aktuelle Studie zeigt, kommen fast zwei Drittel dieser Innovationen aus Asien. Wir haben beim Europäischen Patentamt (EPA) nachgefragt: Wie entsteht dieser asiatische Vorsprung? Und wo bieten sich in diesem Milliardenmarkt noch Lücken für deutsche Sondermaschinenbauer und Start-ups?
Das Thema Batterierecycling nimmt in Europa an Fahrt auf. Das zeigt sich unter anderem bei den Patenten im Batterierecycling.
(Bild: Gemini / KI-generiert)
Der E-Auto-Boom hat eine unausweichliche Folge: Bis 2040 fallen weltweit schätzungsweise 14 Mio. ausgediente Traktionsbatterien an. Gleichzeitig erzwingt die EU-Batterieverordnung in Kürze strenge Recyclingquoten für Lithium, Kobalt und Nickel, um Europa aus der Abhängigkeit asiatischer Rohstoffimporte zu befreien. Beim Blick auf die rein technologische Marktführerschaft zeigt sich jedoch ein massives Ungleichgewicht: Angeführt von der CATL-Tochter Brunp dominieren asiatische Akteure die Recycling-Patente, während Europa mit 20 Prozent weit zurückliegt. Doch der Schein trügt: In Deutschland bringt sich längst ein starkes Ökosystem aus Konzernen wie BASF und Bosch sowie hochspezialisierten Mittelständlern wie Duesenfeld in Stellung.
Ich habe mit EPA-Hauptdirektor Niclas Morey über die Gründe der Asiaten für ihren Vorsprung gesprochen und warum der deutsche Mittelstand in diesem Milliardenmarkt dennoch die besten Karten hat.
Herr Morey, gibt es aus Sicht der Patentdaten noch technologische ‚weiße Flecken‘? Also ungelöste technische Flaschenhälse beim Batterierecycling, bei denen aktuell noch wenig angemeldet wird, die Industrie aber dringend Innovationen braucht?
EPA-Hauptdirektor Niclas Morey: „Der technologische Schwerpunkt spiegelt exakt die derzeitige Rolle Europas als Batterieverbraucher und nicht als Batteriehersteller wider.“
(Bild: EPA)
Niclas Morey: Vom technologischen Standpunkt aus gesehen gibt es keine weißen Flecken: Internationale Patentfamilien (IPFs) im Zusammenhang mit der Kreislauffähigkeit von Batterien verzeichneten von 2017 bis 2023 eine durchschnittliche jährliche Wachstumsrate von 42 Prozent. Diese Zahl steht im Vergleich zu 16 Prozent für die Herstellung von wiederaufladbaren Batterien insgesamt und zwei Prozent für alle technischen Bereiche im gleichen Zeitraum. Die Patentierung im Zusammenhang mit der Kreislauffähigkeit von Batterien wächst also noch schneller als die Patentierung von Batterien im Allgemeinen, was auf die rasche Verbreitung von Elektrofahrzeugen weltweit sowie auf die Gesetzgebung in Europa und China zurückzuführen ist, die Unternehmen für die Entsorgung von Elektrofahrzeugbatterien verantwortlich macht.
Auf Patentanmelder aus Asien entfielen im Jahr 2023 63 Prozent der IPFs im Bereich der Kreislaufwirtschaft von Batterien. Die Patentanalyse zeigt, dass sich Asien – und insbesondere China – als führende Region für Innovationen im Bereich der Batterie-Kreislaufwirtschaft etabliert hat. Während Europa und Nordamerika weiterhin wichtige, weltweit relevante Erfindungen hervorbringen, entfiel im Jahr 2023 die Mehrheit der IPFs in diesem Bereich auf asiatische Anmelder.
Da der Schwerpunkt der Batterieproduktion derzeit in Asien liegt, gibt es dort eine Verfügbarkeit von Batterieproduktionsschrott für das Recycling, die in Europa viel geringer ist.
Liste der Top-Anmelder beim EPA im Bereich Batterietechnologie im Jahr 2025.
(Bild: EPA)
Die Unternehmen, die in diesem Bereich die meisten Patente anmelden, patentieren vor allem Technologien, die mit der Sammlung von Altbatterien und der Rückgewinnung von Metallen durch chemische Umwandlung zusammenhängen. Vor allem Unternehmen aus der Automobilbranche haben sich relativ stark auf den ersten Schritt der Batteriesammlung spezialisiert, während Bergbauunternehmen einen starken Schwerpunkt auf die chemische Umwandlung legen. Eine Ausnahme bilden LG und Brunp, ein Tochterunternehmen des führenden chinesischen Batterieherstellers CATL, deren Aktivitäten sich auf alle Segmente der Recycling-Wertschöpfungskette erstrecken.
Auf europäische Unternehmen und Forschungsinstitute entfallen etwa 20 Prozent der IPFs im Bereich der Kreislaufwirtschaft für Batterien, wobei die Aktivitäten im Bereich der Technologien für die Sammlung von Altbatterien und für die chemische Umwandlung zur Bereitstellung von Rohstoffen für neue Batterien besonders ausgeprägt sind. Dieser Schwerpunkt spiegelt die derzeitige Rolle Europas als Batterieverbraucher und nicht als Batteriehersteller wider.
Die Frage wird also eher sein, welche Länder und welche Unternehmen in der Lage sein werden, ihre Erfindungen in diesem Segment zu vermarkten.
Asien hält 63 Prozent der Patente, angeführt von Brunp/CATL. Entsteht dieser Vorsprung primär dadurch, dass China die Batterien selbst herstellt und beim Recycling von Produktionsabfällen (Scrap) im Vorteil ist, oder sind die asiatischen Akteure uns auch bei der reinen Verfahrenstechnik (Chemie/Demontage) überlegen?
Niclas Morey: Da der Schwerpunkt der Batterieproduktion derzeit in Asien liegt, gibt es dort eine Verfügbarkeit von Batterieproduktionsschrott für das Recycling, die in Europa viel geringer ist. Dies ist derzeit – in Erwartung des Booms bei Altbatterien für Elektrofahrzeuge – der wichtigste Input für Recyclinganlagen. Derzeit gibt es in Europa weniger Recycling-Rohstoffe als beispielsweise in China. Dies wird sich in Zukunft mit der größeren Verfügbarkeit von Altbatterien und vielleicht einer größeren Batterieproduktion in Europa ändern.
Ein Beispiel für Europa ist BASF, der Top-Anmelder aus Deutschland bei der Batterie-Kreislaufwirtschaft: Die BASF konzentriert ihre Bemühungen um das Batterierecycling derzeit auf den Standort Schwarzheide in Brandenburg und hat dort den kommerziellen Betrieb ihrer Anlage für Schwarze Masse aufgenommen. Die Anlage verfügt über eine jährliche Verarbeitungskapazität von bis zu 15.000 Tonnen Lithium-Ionen-Altbatterien und Produktionsschrott, was in etwa 40.000 Elektrofahrzeugbatterien pro Jahr entspricht. Neben der neuen Schwarzmassenproduktion betreibt die BASF am Standort Schwarzheide auch Europas erste vollautomatische Produktionsstätte für kathodenaktive Materialien und eines der größten Schwarzmassenlager Europas.
Stand: 08.12.2025
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Europa recycelt primär als Konsument (End-of-Life-Batterien aus Autos). Spiegelt sich dieser Unterschied zu Asien in der Art der angemeldeten Patente wider? Melden asiatische Firmen andere Dinge an als BASF oder Duesenfeld?
Wer forscht wo? Die Matrix zeigt deutlich, wie sich der technologische Fokus unterscheidet: Während Europa stark bei der Sammlung und Vorverarbeitung von Altbatterien ist, dominieren asiatische Player die Patente in der tiefergehenden Sortierung und Konditionierung.
(Bild: EPA)
Niclas Morey: Der Bericht zeigt, dass asiatische Unternehmen, insbesondere chinesische, bei der Innovation in der gesamten Batterierecyclingkette führend sind, während sich die europäische Entwicklungen auf die Sammlung und Vorverarbeitung von Batterien konzentriert. Asiatische Unternehmen konzentrieren sich hingegen auch auf die Segmente Sortierung und Trennung sowie Konditionierung – basierend auf der verfügbaren Menge an Materialien wie Produktionsschrott.
Duesenfeld und Cylib sind exzellente Beispiele für den hochspezialisierten deutschen Mittelstand. Im Deep Tech Finder finden sich hier fast 100 Unternehmen.
Mit fast 60 Start-ups und Hochschulen im neuen Deep Tech Finder ist die Basis breit. Ist das Batterierecycling ein Markt, in dem auch der klassische deutsche Mittelstand (z. B. Sondermaschinenbau, Leistungselektronik) über Patente eine Rolle spielt, oder wird das Thema von Großkonzernen wie BASF und Bosch dominiert?
Liste der erfinderischen Tätigkeit der aktivsten Anmelder aus den EPÜ-Mitgliedstaaten auf dem Gebiet des Batterierecyclings nach Zeiträumen für internationale Patentfamilien.
(Bild: EPA)
Niclas Morey: Deutschlands Top-3-Anmelder in der Batterie-Kreislaufwirtschaft vermitteln einen guten Eindruck von der Vielfalt der Landschaft in Deutschland: Während BASF und Bosch große, global agierende Konzerne sind, ist Duesenfeld ein sehr gutes Beispiel für den hochspezialisierten deutschen Mittelstand. Das Unternehmen, eine Ausgründung aus der TU Braunschweig, hat Verfahren entwickelt, bei denen die Batteriemodule nicht wie bisher eingeschmolzen oder erhitzt werden müssen. Die Cylib AG, ein Spin-off der RWTH Aachen, ist ein weiterer Beweis für Deutschlands florierendes Innovationsökosystem in der Batterie-Kreislaufwirtschaft. Im Deep Tech Finder sind mittlerweile sogar fast 100 Unternehmen aus diesem Bereich zu finden. (heh)
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