Josh Samanski

Stand: 15.05.2026 • 08:36 Uhr

Eishockey-Bundestrainer Harold Kreis, den eigentlich jeder „Harry“ nennen darf, ist ein Typ, den das Adjektiv „aufgeräumt“ recht gut beschreibt. Im Moment jedoch ist der freundliche Harry eher der grantelnde Harold, der hinter Journalisten-Fragen mehr Ungemach wittert, als es manchmal notwendig scheint.

Das liegt daran, dass die letzten großen Turniere unter seiner Verantwortung eher glanzlos und vor allem erfolglos absolviert wurden. Wer Harold Kreis jedoch nach Joshua Samanski fragt, der erlebt für einen Augenblick den aufgeräumten, lächelnden Harry. Denn Samanski macht gute Laune. Eigentlich immer.

Die Geschichte des Joshua Samanski ist eine besondere. Nur 16 Jahre nach seiner Geburt in Erding, knapp eine halbe Autostunde nordöstlich von München gelegen, zog es den talentierten Stürmer nach Kanada, um sich in der Provinz Ontario im Junioren-Eishockey zu versuchen. Das geschah nicht aus einer Laune heraus, denn Samanski hatte im Juniorenbereich bei den Mannheimer Adlern bereits für Furore gesorgt. Und außerdem hat Samanski kanadische Wurzeln. Sein Vater John, ein gebürtiger Kanadier, spielte viele Jahre lang in zweit- oder drittklassigen Vereinen, ehe er in Erding sesshaft wurde und seine Freundin Tanja heiratete.

Avensburg, Straubing, Landshut, NHL

Nach zwei Jahren kehrte Josh Samanski damals nach Deutschland zurück. Der Sprung ins Profigeschäft war ihm (noch) nicht gelungen. Ein Vertrag in der NHL war keine realistische Option. Also begann er mitten in der Corona-Zeit die Tingeltour durch die Eishockey-Provinz. Ravensburg, Straubing, Landshut und noch einmal Straubing hießen die Stationen. Und mit jedem neuen Trikot wurde Samanski schneller, frecher und besser, tauchte längst auf den Listen der NHL-Scouts auf, die auch in Europa die Ligen nach Talenten durchforsten.

Vor rund einem Jahr schließlich meldeten sich die großen Edmonton Oilers und offerierten einen Zweijahresvertrag. Wenn man so will, hatte Samanski seinen Traum auf dem zweiten Bildungsweg verwirklicht. Ein halbes Jahr spielte er zunächst im Farmteam der Oilers in Bakersfield, dann folgte die Beförderung in die NHL, und seit Januar gehören die Weltstars Leon Draisaitl oder Connor McDavid zu seinem Arbeitsalltag. Und seiner Teilnahme an den Olympischen Spielen in Mailand lag deshalb eine gewisse Zwangsläufigkeit zugrunde.

„Mit großem Spaß und Schalk in den Augen“

Bei den Oilers hat Samanski in kurzer Zeit viel gelernt. Jede Trainingseinheit mit den Weltstars, jedes Spiel gegen die Großen und Besten dieses Sports, hat sein Selbstbewusstsein wachsen lassen. Jetzt, nach seinen knapp 30 Spielen in der besten Liga der Welt, nach drei Toren und drei Vorlagen im Trikot von Edmonton, fühlt er sich sicherer und ruhiger auf dem Eis. „Ich habe das Gefühl, mehr Zeit zu haben auf dem Eis, mit mehr Selbstbewusstsein die Scheibe zu führen und Lösungswege schneller zu sehen“, sagt Samanski, der zum zweiten Mal bei einer WM dabei ist und in Zürich „eine etwas komplettere Rolle einnehmen möchte als letztes Jahr“.

Egal, wen man hier in Zürich im deutschen Team nach Samanski ausfragt, der Antwort voran geht immer ein breites Lächeln. Was damit zu tun hat, dass der Mann mit den blonden Locken und der Rückennummer 44 ein Garant für gute Laune ist. „Egal, wie anstrengend die Übung ist“, erzählt Bundestrainer Kreis, „bei Josh hat man immer das Gefühl, dass er mit großem Spaß und mit Schalk in den Augen bei der Sache ist. Er bringt uns als Trainer zum Lächeln, und ich bin sehr froh, dass er bei uns ist.“

Großes Lob von Moritz Seider

Und auch Mannschaftskapitän Moritz Seider von den Detroit Red Wings lobt den Shooting Star aus Edmonton: „Josh bringt immer sehr viel positive Energie in die Kabine. Er ist ein großer Gewinn für unsere Mannschaft.“ Nun wäre es schön, wenn die deutsche Mannschaft mal wieder einen großen Gewinn feiern könnte.

Nicht unbedingt gleich den WM-Titel, aber wenn es gelänge, die Pausetaste der jüngsten sportlichen Entwicklung bei dieser Weltmeisterschaft mit einem Samanski-Lächeln zu lösen, dann könnte man Bundestrainer Harold Kreis auch wieder bedenkenlos mit „Harry“ ansprechen.

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