Berlin – Deutschlands oberster Soldat schlägt Alarm: Russland könnte die Nato schon bald herausfordern. Generalinspekteur Carsten Breuer (61) warnt in der „Süddeutschen Zeitung“: Moskau könnte spätestens 2029 bereit sein, die Nato militärisch zu testen. Breuer wörtlich: „Die verschiedenen Indikatoren – Aufrüstung, Personalaufbau, wirtschaftliche und politische Entwicklungen – laufen auf einen Punkt zu: 2029. Könnte es früher passieren? Ja.“

Der Bundeswehr-Generalinspekteur macht klar: „Unser Problem ist in Moskau und nirgendwo anders.“ Deshalb brauche Deutschland schon jetzt eine sogenannte „Fight-Tonight-Fähigkeit“ – also Streitkräfte, die sofort einsatzbereit sind.

Andere Experten sehen Deutschland im Visier

Mit dieser Einschätzung steht Breuer nicht allein. Auch andere warnen vor einer wachsenden Bedrohung durch Russland, darunter NATO-Generalsekretär Mark Rutte (59). Am weitesten geht der estnische Sicherheitsexperte Erkki Koort (50). Er hält sogar Deutschland für ein mögliches erstes Ziel. Ein Schlag gegen deutsches Gebiet hätte aus seiner Sicht größere politische und militärische Wirkung als ein Angriff auf das Baltikum. Dort erwarten viele andere Experten die erste Eskalation.

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Zur Debatte über eine europäische Nuklearabschreckung mit deutscher Beteiligung äußerte sich Breuer zurückhaltend. „Neue militärische Konstrukte braucht es dafür zunächst nicht“, sagte er.

Deutschland prüft Kauf von Marschflugkörpern

Brisant ist auch eine weitere Aussage aus dem Interview. Die unter dem früheren US-Präsidenten Joe Biden (83) geplante Stationierung eines Langstreckenwaffen-Bataillons in Deutschland wird offenbar nicht umgesetzt. „Das ist ein strategisches Thema“, sagte Breuer. Die US-Raketen sollten ursprünglich eine Übergangslösung sein, bis Deutschland eigene Fähigkeiten für Angriffe und Verteidigung auf große Distanzen aufgebaut hat. Da die US-Stationierung wegfällt, prüft Deutschland den Kauf eigener Systeme als neue Übergangslösung. Breuer war dafür vorletzte Woche im Pentagon. Ende dieses Monats reist Verteidigungsminister Boris Pistorius (66, SPD) nach Washington, um weiter für den Kauf von Tomahawk-Marschflugkörpern zu werben.