Wir schicken eine starke Frau nach Wien. Eine, die alles mitbringt, was dieser Wettbewerb verlangt. Der Song „Fire“ von Sarah Engels trägt. Die Bühne brennt. Tänzer, Feuer und ein sexy Outfit. Ja, genau so gewinnt man Aufmerksamkeit beim Eurovision Song Contest (ESC).
Sarah Engels liefert. Sie ist fröhlich, professionell, präsent. Sie singt mit anderen Kandidaten, gibt Interviews, strahlt auf Social Media. Sie zeigt ein modernes Deutschland. Erfolgreich im Beruf, Mutter von zwei Kindern, selbstbewusst im Auftritt. Ein Bild, das uns allen guttut.

She’s on Fire! Sarah Engels am 10. Mai bei der Eröffnungszeremonie des „Eurovision Song Contest“ (ESC) in Wien
Foto: Georg Hochmuth/APA/dpa
Sie erinnert mich an ESC-Siegerin Lena Meyer-Landrut (34). An dieses Gefühl von 2010. Mehr Sympathieträger als Sarah Engels geht kaum. Ich würde ihr den Sieg so sehr gönnen. Und trotzdem habe ich diese leise Ahnung, dass es am Ende nicht reicht. Nicht ihretwegen. Sondern unseretwegen. Deutschland tut sich schwer beim ESC. Zu oft gab es null Punkte, zu oft landeten wir hinten. Beliebtheit lässt sich nicht proben. Sie entsteht oder eben nicht.

Sängerin Lena Meyer-Landrut (damals 19) im Jahr 2010 mit ihrem ESC-Pokal. Damals gewann sie mit dem Lied „Satellite“ den Eurovision Song Contest in Oslo
Foto: Jörg Carstensen/dpa
Vielleicht wird es ein Überraschungserfolg
Natürlich geht es beim ESC um Musik. Um Melodien, um Emotionen, um diesen einen Moment, der Europa verbindet. Doch wer glaubt, dass beim ESC nur Töne zählen, der verdrängt die Realität. Politische Stimmungen schwingen mit. Bilder von Ländern auch. Das ist schade. Denn Sarahs Auftritt hat nichts mit Politik zu tun. Sie macht einen perfekten Job. Mit Disziplin, mit Herz, mit Mut. Vielleicht wird es ein Überraschungserfolg. Vielleicht auch ein weiterer Dämpfer.
Was mich beruhigt: Sarah definiert sich nicht über eine Punktetafel. Sie hat längst eine Karriere, ein Publikum, ein Fundament. Der ESC ist eine große Bühne. Aber er ist nicht das ganze Leben. Als Künstlerin gibt Sarah Engels alles. Und ja, Deutschland kann stolz sein auf diese Frau, ganz egal, auf welchem Platz wir am Samstagabend landen.