Raffaele verbindet italienische Gastfreundschaft und persönliche Bolognese-Interpretationen zwischen Neapel, Tradition und ehrlichem Handwerk.

Ein warmer Frühlingsmittag Anfang Mai. „Il viaggio comincia“ und was könnte einladender sein als ein Besuch im Raffaele’s, das in Sonnenberg seit Jahren für Gastfreundschaft, Tradition und ein bisschen italienisches Lebensgefühl steht? – einfach „Willkommen zu Hause“.

Raffaeles Ristiorante

Vitello tonnato ………………………………………….. 17,90 € Carpaccio ………………………………………….. 18,90 € Risotto mit Garnelen und Shrimps, an Kräuterfrischkäse-Tomatencreme ………………………………………….. 24,90 € Gnocchi alla Bolognese ………………………………………….. 17,90 € Margherita – Tomaten und Fior di latte ………………………………………….. 13,50 € Diavolo – Tomaten, Käse, Peperoniwurst, grüne Peperoni (scharf), Sardellen ………………………………………….. 15,90 € Tiramisù ………………………………………….. 10,90 €

Schon die Ankunft hat etwas Leichtes und Vertrautes: Parkplätze direkt vor der Tür auf dem Hofgartenpatz, ein Viertel in der Stadt wie ein kleiner italienischer Dorfmarktplatz – es drängt sich nicht auf, sondern empfängt mit Charme. 

Familientreffen in Neapel

Kaum ist man das Raffaele’s betreten, liegt eine angenehme Viertel-Atmosphäre in der Luft. Man kennt sich, man grüßt sich, man bleibt gern noch einen Moment stehen. Dunkles Holz, vertraute Gesichter, reger Austausch von Stammgästen. Keine Musik, kein Aufwand, dafür echte Gastlichkeit. Der Gastgeber bewegt sich von Tisch zu Tisch, fragt nach, schaut, ob alles passt. Das wirkt nicht inszeniert, sondern selbstverständlich. Fast wie ein Familientreffen in Neapel.

Volker, „unser Teller“, nimmt das sofort auf und sagt lächelnd:  „Hier fühlt man sich nicht wie Gast, sondern wie Nachbar.“ Die Empfehlung des Chefs für die Bolognese, fällt wahlweise auf Gnocchi oder Tagliatelle. Wir entscheiden uns für beides – „Duo formidabile“. Kein Problem „l’ospite è sacro“ der Gast ist heilig – und genau so fühlt es sich auch an.

Auf den Punkt gebracht

Die Tagliatelle sind ein kleiner Glanzpunkt: goldfarben, fein, großzügig und dabei nicht hastig und doch präsent. Perfekt angerichtet, bissfest, auf den Punkt gegart, mit dieser ruhigen Selbstverständlichkeit, die man nicht oft bekommt.Die Temperatur genau richtig, dazu frischer Basilikum, Parmesan feinkörnig, wie man es kennt und Olivenöl am Tisch, Weißbrot daneben.

Die Sauce bringt ihr eigenes Profil mit: Rinderhack statt gemischtem Fleisch, kein Pancetta, etwas Weißwein, Sellerie und Karotten eher zurückhaltend, dazu aber Lorbeer als sichtbare Spur der Familientradition. Das ist nicht Bologna im strengen Sinn, sondern eine persönliche, leicht abgewandelte Handschrift, die die 650 km Entfernung Neapels nach Bologna eben mit sich bringen. Die Gnocchi ebenfalls solide, weich, freundlich – einfach ordentlich gemacht, auch wenn die Kombination mit Bolognese sicher Geschmackssache bleibt.

Volker meint: „Der erste Bissen hat direkt überzeugt – rustikal, einladend. Eigentlich heb ich mir das Beste für den Schluß auf, aber die Tagliatelle waren einfach schnell weg.“ Alexander sieht das ähnlich und würde die Pasta jederzeit vorziehen. Aber genau darin liegt ja der Reiz: Nicht alles muss für alle gleich sein.

Tagiatelle Bolognese im Duett mit Gnochi Bolognese ©2026 Volker Watschounek

Mehr Gastgeber als Gastronom

Der Hintergrund des Inhabers erklärt vieles: Raffele ist Jahrgang 1982, seit 2008 hier, mit Wurzeln in Neapel und einer klaren Familiengeschichte in der Gastronomie. Nach Bankausbildung und Umwegen kehrt er wieder zurück in das, was ihn eigentlich immer geprägt hat: Gastgeber sein. Pasta ist das Herzstück, Fisch spielt eine wichtige Rolle, alles ist frisch. Das Raffaele’s nennt er selbst „Zuhause“ – und genau so fühlt es sich auch an.

Preis-Leistung solide. 

Ein Ort mit Herz, Nähe und einer Küche, die nicht laut sein muss, um zu wirken. 

Typische Gerichte wie Carpaccio, Risotto mit Garnelen, Tagliatelle Quattro formaggi oder jeder Extrawunsch werden saisonal ergänzt.

Ehrliche italienische Küche

Ich als „Geschmack“ nehme vor allem eins mit: Wärme und die Tagliatelle stechen heraus, die Bolognese erzählt von Familie und Herkunft und Neapel ist eben nicht Bologna – wäre ja auch langweilig. Das Raffaele`s trägt eine lebendig, ruhige, freundliche Haltung. Kein großes Theater, sondern ehrliche italienische Küche mit Charakter und einem authentische sympathischen Gastgeber.

Ein Ort, an den man gern zurückdenkt – für ein Dessert das mich angelächelt hat.

Nächster Monat gehen wir der Frage nach: Wo ist Bologna?