Wenn München, wie oft behauptet wird, die nördlichste Stadt Italiens ist, könnte Bozen genauso gut als die südlichste Stadt Bayerns durchgehen. Dass nämlich Südtirol nach wie vor ein beliebtes Ausflugsziel der Münchner ist, kann Leonie Alber bezeugen. Ihre Eltern betreiben das Traditionswirtshaus Vögele in der Bozner Altstadt, und Gäste aus Bayern gehörten dort zu ihrem Hauptkundenstamm, sagt Alber.
So sei in ihrer Familie die Idee aufgekommen, die Knödel und Schlutzkrapfen aus dem Vögele nach Bayern zu bringen. Als Wahl-Münchnerin – ursprünglich ist Alber für ihr BWL-Studium hierhergekommen – hat sie sich dieser Aufgabe gerne angenommen und vor wenigen Wochen in der Schwabinger Giselastraße das Restaurant Bolzanino eröffnet.
Wie der Name schon andeutet, kommen hier Spezialitäten aus Albers Heimat auf den Tisch. Sie bezieht unter anderem Speck, Kaminwurzen und Käse aus Südtirol, aber auch Weine und frisch gepressten Apfelsaft vom Bauernhof. Dazu sorgen Burratina und Artischocke auf ihrem „Brettel alla Bolzanina“ für italienische Frische. Denn im Vergleich zur bayerischen Küche, findet Alber, sei die Südtiroler zwar auch deftig (man beachte die gemeinsame Vorliebe für Knödel und Brotzeit), aber durch den Italien-Einfluss eben auch weniger schwer.
Insofern darf im Bolzanino auch mal ein Pasta-Gericht auf der Karte stehen, etwa mittags unter der Woche im Lunch-Menü. Nachmittags kann man auf einen Kaffee, Snack oder Aperitif vorbeischauen und ab dann geht es fließend in den Abendbetrieb über, der unter dem Motto „Bolle, Bites, Beats“ steht. Wenn also in der Schwabinger Society bald nicht mehr von „Bubbly“, sondern nur noch von „Bolle“ die Rede ist, sei hiermit erklärt, wo der Trend seinen Ursprung nahm (Bolzanino, Giselastraße 10, Telefon 015229500947, Montag bis Freitag 11 bis 23 Uhr, Samstag 14 bis 1 Uhr).
„Bolle, Bites, Beats“ könnte genauso gut der Slogan des neuen Gastronomie-Konzepts Super* sein, das diese Woche im Herzog-Max-Gebäude am Karlstor Eröffnung feierte. Das ehemalige Karstadt-Sports-Kaufhaus wurde vergangenen Sommer nach dreijähriger Renovierung wiedereröffnet. Jetzt will ein Kollektiv aus Gastronomen, DJs, Künstlern und Designern das Erdgeschoss dieses denkmalgeschützten Hauses wiederbeleben.
Eine Mischung aus Restaurant und Concept-Store
Das Lokal im Retro-Stil begreift sich als eine Mischung aus Restaurant, Listening Bar und Concept-Store. Alle Kunst- und Design-Objekte in der Einrichtung sind verkäuflich. Lichtprojektionen, rote Samtpolster und ein professionelles Sound-System samt DJ-Pult lassen Club-Atmosphäre aufkommen, doch das Super* hat auch tagsüber geöffnet.
Die Betreiber wollen das gastronomische Angebot bewusst offen halten. Ob man zum Essen oder nur auf ein Getränk an der rundum begehbaren Inselbar vorbeikommt, wolle man nicht vorgeben. Auf der Speisekarte steht eine Mischung aus französischer Brasserie-Küche und italienischen Klassikern, von Hummer und Steak Frites über Vitello Tonnato bis Tarte Tatin und Tiramisu. Ab der kommenden Woche soll es auch einen Mittagstisch geben (Super*, Herzog-Max-Straße 4, Telefon 01723900694, Dienstag bis Donnerstag 8 bis 23 Uhr, Freitag und Samstag 8 bis 1 Uhr).
Während die Initiatoren des Super* zur Eröffnung ihrer Terrasse wohl gerne auf die kühlen Temperaturen der Eisheiligen verzichtet hätten, sorgt die steife Brise in dieser Woche zumindest auf dem Wittelsbacherplatz für eine passende Atmosphäre. Dort ist nämlich ab sofort der Hamburger Fischmarkt zu Gast, und wie ließen sich Fischbrötchen aus der Hansestadt in München authentischer genießen als im Freien bei böigen zehn Grad? Bis zum Pfingstmontag kann man sich dort durch Matjes, Krabben und Flammlachs probieren. Ein paar warme Tage sollen bis dahin auch dabei sein, dann schmeckt das kühle Pils zum Fisch noch besser (Hamburger Fischmarkt auf dem Witteslbacherplatz von 14. bis 25. Mai, Montag bis Samstag von 10 bis 22 Uhr, sonn- und feiertags von 11 bis 22 Uhr).