15.05.2026, 13:29 Uhr, Bistum Münster

Auf den elf Tischen liegen graue Umschläge mit Fenstern. Was sie beinhalten? Zehn Fragen zum eigenen Glauben. Damit werden sich die Teilnehmenden des Glaubens-Speeddatings beim 104. Katholikentag in Würzburg auseinandersetzen. „Jetzt dürfen Sie Ihre Umschläge öffnen“, heißt es. Papier wird aufgerissen, Fragen werden gelesen. Bevor es in die Zweierdiskussion geht, hat jede teilnehmende Person zunächst Zeit, für sich zu überlegen, wie sie die Frage beantworten möchte.

Marcus Hoffmann vom Verband katholischer Religionslehrerinnen und -lehrer an Gymnasien und Gesamtschulen im Bistum Münster sowie Vorsitzender des Bundesverbandes hat das Glaubens-Speeddating vorbereitet.

Im Gespräch: Lutz Jansen-Kaiser aus Rees und Miriam Noller aus der Nähe von Ulm.

© Bischöfliche Pressestelle / Lara Bergjohann

„Beim Katholikentag in Münster haben wir das Format zum ersten Mal angeboten“, erzählt Marcus Hoffmann vom Verband katholischer Religionslehrerinnen und -lehrer an Gymnasien und Gesamtschulen im Bistum Münster (VKRM) sowie Vorsitzender des Bundesverbandes (BKRG). Letzterer hat die Veranstaltung vorbereitet. „Bei der Veranstaltung soll es einfach darum gehen, inhaltlich über den Glauben zu diskutieren“, erklärt der Religionslehrer am Ratsgymnasium in Münster. Wie im Religionsunterricht gehe es auch hier um Multiperspektivität, also darum, eine Frage aus verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten. Dabei spielten auch die eigenen Erfahrungen eine Rolle. Ziel der Religionslehrerinnen und -lehrer sei es generell, über den Religionsunterricht ins Gespräch zu kommen und Fehlvorstellungen auszuräumen, sagt Hoffmann.

Eine Glocke ertönt. Die Teilnehmenden sind so in ihre Gespräche vertieft, dass sie das Geräusch kaum wahrnehmen. Noch dreimal wird geläutet. Erst dann stehen die ersten auf und wechseln den Platz. Wer an der Wand sitzt, darf bleiben und wartet auf einen neuen Gesprächspartner.

„Ich finde es interessant, offen und unverblümt über Themen des Glaubens zu sprechen“, sagt Lutz Jansen-Kaiser aus Rees. Er ist mit seiner Familie zum Katholikentag gereist. Er finde es immer wieder interessant, neue Leute kennenzulernen und beim Katholikentag auch eine neue Stadt zu entdecken. 2016 war er zum ersten Mal in Leipzig als Helfer dabei. Besucht hat er auch die darauffolgenden Katholikentage.

Die Fragen, über die gesprochen wird, sind ganz unterschiedlich: Welche Kriterien würden die Teilnehmenden für die Rolle Jesu bei einem Casting ansetzen? Welche Bibelstelle ist ihnen besonders wichtig? Sollte sich die Kirche stärker in gesellschaftliche Themen einmischen? So vielfältig wie die Fragen sind auch die Antworten. Während einige Bibelstellen zitieren, sprechen andere über Themen, die ihnen persönlich wichtig sind. Auch die Vorstellungen, wie die Rolle von Jesus gecastet werden soll, gehen auseinander. Eines ist bei allen Diskussionen gleich: Die Teilnehmenden kommen miteinander ins Gespräch und tauschen sich offen und teilweise sehr persönlich aus.

Lara Bergjohann