Ukrainischer Verteidigungsminister
„Autonome Waffen sind die neuen Atomwaffen“
15.05.2026 – 14:00 UhrLesedauer: 4 Min.
Ein Angriff von ukrainschen Drohnen auf einen Panzer (Archivbild): Jetzt kommt ihnen KI zuhilfe. (Quelle: imago)
Vorlesen
Aktuelle Zeit:0:00Gesamtdauer:0:00
1x
Jetzt neu bei t-online:
Schriftgröße anpassen!
Artikel teilen
Der ukrainische Verteidigungsminister ist seit vier Monaten im Amt und strukturiert das Ministerium deutlich um. Seine Vision: Die Zukunft der Kriegsführung mitgestalten.
In der Ukraine wird Krieg längst nicht mehr nur mit Panzern und Artillerie geführt, sondern vor allem auch mit Drohnen, Daten und Künstlicher Intelligenz. Der ukrainische Verteidigungsminister Mychajlo Fedorow treibt diesen Wandel mit großer Entschlossenheit voran. Dabei geht es nicht nur um neue Waffen, sondern um eine grundsätzliche Verschiebung: weg vom Menschen als direktem Kämpfer, hin zu Maschinen, die Ziele erkennen, angreifen und eines Tages vielleicht sogar selbst über Leben und Tod entscheiden.
Fedorow, der erst seit Januar im Amt ist, erklärt der „New York Times“ (NYT), „Autonome Waffen sind die neuen Atomwaffen. Länder, die sie besitzen, werden geschützt sein.“ Der 35-Jährige krempelt auf dieser Grundlage sein Ressort um wie niemand vor ihm. Er hat erkannt, dass die Ukraine mit der Masse an Menschen und konventioneller Technik, die Russland vorweisen kann, nicht mithalten kann. Es braucht eine andere Lösung.
- Aktuelle Entwicklungen: Newsblog zum Krieg in der Ukraine
- Bundeswehrgeneral: Russischer Angriff 2029 – oder früher
Nun mobilisiert Fedorow IT-Firmen, Ingenieure und Programmierer, um mithilfe neuer Verteidigungstechnologien militärische Gewinne gegen Russland erzielen zu können. Auch Künstliche Intelligenz (KI) kommt zum Einsatz. Erst kürzlich eroberte die Ukraine erstmals eine russische Stellung ausschließlich mit Robotern.
Ukraine will 95 Prozent der Drohnen und Raketen abfangen
Die hochmodernen Waffen tragen eine von Fedorow entwickelte Taktik, die Russland zu einer Verhandlungslösung zwingen soll. Die Strategie namens „Luft, Land, Wirtschaft“ sieht vor, mithilfe von Drohnen und anderen modernen Waffen mindestens 95 Prozent der russischen Drohnen und Raketen abzufangen. Zudem sollen mehr Soldaten getötet oder schwer verwundet werden, als Moskau rekrutieren kann. Darüber hinaus soll die russische Wirtschaft durch die systematische Zerstörung von Ölexportterminals geschwächt werden.
Die konsequente Verfolgung dieser Taktik war in den vergangenen Wochen bereits erkennbar. Die Ölraffinerie in Tuapse stand nach ukrainischen Angriffen nicht nur einmal in Flammen, Ende April ging in der Hafenstadt infolge der Brände schwarzer Ölregen nieder. In der Nacht zu Freitag führte das ukrainische Militär jüngst mehrere Angriffe auf Militär- und Energieinfrastruktur in Russland durch – unter anderem auf eine der größten Ölraffinerien des Landes in der rund 200 Kilometer südlich von Moskau gelegenen Großstadt Rjasan.

