. Gerade aus New York zurück – von einem der spektakulärsten Gastspiele der Schauspielhaus-Geschichte überhaupt (Robert Wilsons „Moby Dick“) und schon folgt die nächste Etappe der Endrunde am Düsseldorfer Gustaf-Gründgens-Platz.

Ein dicker Schinken, fast 500 Seiten. Innen bunt und vielseitig. Auf dem Cover: Orange leuchtende Buchstaben und Zahlen „D’Haus 2016-2026“. Auf ihre Bilanz sind sie stolz: Intendant Wilfried Schulz, sein Chefdramaturg Robert Koall und Buch-Herausgeberin und Coacherin Beret Evensen. Genauso wie alle Mitarbeiter auf und hinter mehreren Bühnen.

Das Buch: Voller kluger Essays und lebendiger Texte aus dem Dreispartenhaus – rund um große Schauspielkunst, Junges Schauspiel, umgezogen ans Central/Hauptbahnhof (Stefan Fischer-Fels) und „Stadt:Kollektiv“/ Bürgerbühne (Brigit Lenders). Und Fotos von insgesamt 274 Inszenierungen, die erklären, warum Theatermacher verschiedener Spielarten so viel Publikum an den Kultur-Ort „Schauspielhaus“ locken konnten.

Anhand des Bilanz-Buches erkennt man: Nicht allein im ‚Jungen Schauspiel‘ verjüngt sich allmählich die Theatergemeinde. Auch deswegen, weil der überwiegende Teil der inszenierten Dramen nicht etwa aus Klassikern alter Zeiten besteht, sondern aus dem späten 20. / frühen 21. Jahrhundert stammen. Zur Bilanz gehört auch: In zehn Jahren erzielt das Haus mit 1,95 Millionen Zuschauern (Tendenz steigend) ein historisches Ergebnis. Und das trotz dreijähriger Sanierungsphase mit Ausweichen ins Central, trotz Kampfes um zukunftsgerichtete Ausstattung; trotz Corona-Lockdowns mit drastischem Publikumsrückgang. Mit lebendigen, häufig musikalisch untermalten, aber auch streitbaren Produktionen erreichen die Theatermacher in der laufenden Saison erneut eine Auslastung von mehr als 85 Prozent.

Wer in dem Buch liest und blättert, bekommt Information über gewachsene Diversität im Theater, über Stücke und Inszenierungen, an die sich Besucher genauso erinnern wie an viele Mimen-Gesichter, die längst das Ensemble verlassen haben, andernorts Karriere machen oder in Krimi-Formaten auf der Mattscheibe wiederzuentdecken sind. Zwischen den Zeilen oder direkt – wie aus dem Schulz-Text „Always under construction“ (Immer im Bau befindlich) – berichtet das Werk über Herausforderungen der Ära Schulz.

Wilfried Schulz, der am 26. Mai 74 Jahre alt wird, ist Theatermann durch und durch. Seine Dekade in Düsseldorf wird in Erinnerung bleiben. Hinterlassen er und sein Team doch dem Nachfolger Andreas Karlaganis Sicherheit – in Sachen Struktur von drei Theatersparten, technisch zuverlässiger und eingespielter Bühnen, Finanzen und ein anspruchsvolles Publikum, dem er dieses Bilanz-Buch schenkt.

Erschienen in 3000er Auflage. Im Buchhandel: 32 Euro. „D’Haus: 2016-2026“ liegt im D’Haus aus. Mitzunehmen, solange der Vorrat reicht. Für eine Spende steht eine kleine Box parat.