Sie gehört zu den wenigen Journalistinnen und Journalisten in Deutschland, die sich mit der Welt des Adels bestens auskennen: Catrin Bartenbach, in Stuttgart-Bad Cannstatt aufgewachsen, ist Fachfrau für Königshäuser. Im Rahmen des Europäischen Kultursommers in Fellbach mit den Gastländern Schweden, Dänemark und Norwegen lädt sie ein zu einer Reise in die royale Welt: Am Montag, 18. Mai, gibt sie um 19 Uhr im Fellbacher Ratsaal Einblicke in die offiziellen Residenzen und die verborgenen Schätze der drei nordischen Königshäuser. Vorab stellt sie sich den Fragen unserer Redaktion.

Frau Bartenbach, Ihre mir bisher unbekannte Berufsbezeichnung lautet: Königshaus-Expertin. Ich vermute, mit diesem Portfolio gibt es in Deutschland vielleicht eine Handvoll?

Ein Kollege hat mal nachgezählt und ist auf so sechs bis sieben TV-Adelsjournalisten gekommen. Ich bin allerdings eine der wenigen Königshaus-Experten und -Expertinnen, die nicht nur im Fernsehen präsent sind, sondern auch für Magazine schreiben und Podcasts machen: Ich betreibe das konsequent multimedial.

Wobei, eine Spätentwicklerin waren Sie wohl nicht, auf ihrer Homepage heißt es, in jungen Jahren hätten Sie sich schon mit den europäischen Königshäusern befasst. Dichtung oder Wahrheit?

Mein Alleinstellungsmerkmal ist tatsächlich, dass ich mich schon seit über 40 Jahren mit der Materie befasse, davon sehr lange Zeit privat, aber eben auch sehr intensiv. Also wenn andere Kinder zum Fußballspielen gegangen sind, lag ich im Wohnzimmer auf dem Teppichboden auf dem Bauch und hab’ Stammbäume gemalt. Das war schon immer meine große Passion. Ich denke, ich bin wohl die Einzige, die seit Kindertagen royale Biografien gelesen, Zeitungsausschnitte gesammelt und sich in diesem Segment immer und immer weitergebildet hat.

Und in Ihrer Kindheit waren Sie im Cannstatter Fasching als Prinzessin unterwegs?

Als Klein- und Grundschulkind habe ich mit meinen Eltern noch in Wiesbaden gelebt. Und dort bin ich tatsächlich ein paar Mal als Prinzessin gegangen. Meine Großmutter war eine sehr gute Schneiderin und hat mir ein wunderbares rosa-blau mit Spitze besetztes Satin-Prinzessinnenkleid genäht. Später bin ich umgeschwenkt zu Königin Kleopatra, um mal was anderes auszuprobieren.

Und später in Stuttgart?

Dort war ich, nachdem ich den Disney-Film gesehen hatte, auch mal Mary Poppins. Oder wo wir bei Film- und Fernsehfiguren sind: Meine Miss-Piggy-Verkleidung war auch sehr gelungen.

Als Miss Piggy auf Tour durch Cannstatt – erstaunlich, das macht auch nicht jede.

Ich hatte eine Miss Piggy-Maske mitgebracht, als ich mit meinen Eltern kurz davor zum ersten Mal in Amerika war, und dann haben meine Mutter und ich ein Betttuch rosa gefärbt und daraus so eine Art Miss-Piggy-Kleid genäht.

Catrin Bartenbach betreibt auch den Podcast „Thronfolgen“. Foto: privat

Royales Personal ist das aber nicht.

Na ja, die Queen hat ja über sich selbst mal gesagt, wenn ihr das Gesicht vom Lächeln wehtut nach einem langen Tag in der Öffentlichkeit und sie dann so ein bisschen grumpy guckt, das würde Prinz Philip dann ihr Miss-Piggy-Face nennen. Da haben wir also doch ein bisschen die royale Verknüpfung.

Royale Talks, gekrönte Häupter, blaues Blut: Was ist eigentlich so faszinierend an dieser Welt, die ja heutzutage noch die wenigsten in ihrem bürgerlichen Dasein selbst erleben?

Ich kann ja im Grunde nur von mir selbst sprechen, und da hat es eben die Andersartigkeit spannend gemacht. Ich habe auch als Kind schon gerne Schlösser besichtigt mit meinen Eltern, weil die auch sehr kulturinteressiert waren und viel gereist sind. Und da blieb es natürlich nicht aus, dass man dann sieht: Okay, die vergoldeten Möbel sind offensichtlich anders als zu Hause, hier ist ein großes Service für 1000 Gänge mit 30 Weingläsern. Und dieses Zeremonielle, wann man sich was anzieht, wann man sich vor wem verbeugt. Und was uns alle verbindet, ist ja doch, dass wir als Kinder praktisch alle Grimms Märchen gelesen haben, und in ganz vielen davon spielen ja Prinzen, Prinzessinnen, Könige und Adelige oder der Sohn des Fürsten mit: Der Fürst reitet in den Krieg und die Fürstin bleibt weinend zurück, es gibt gute Feen und böse Hexen, vor denen der Prinz die Heldin retten muss. Manche vergessen diese Geschichten dann oder finden sie nicht mehr wichtig, aber andere bleiben an dem Zauber hängen. Wenn dann mal wieder große Ereignisse kommen wie royale Hochzeiten, dann ist eigentlich jeder wieder in diesem Zauber gefangen. In meinem jüngsten Podcast ging es um William und Kate und ihren 15. Hochzeitstag jetzt im April: Zwei Milliarden Zuschauer hatten damals 2011 die Hochzeit weltweit im TV verfolgt, Wahnsinn.

Sie haben ein Diplom für Protokoll, Etikette, Tischkultur, stimmt’s?

In meiner Jugend habe ich mal einen Ratgeber aus den 1950er Jahren geschenkt bekommen, da ist der Funke übergesprungen: Was macht die Hausfrau von Welt, wenn die Gäste kommen, und so weiter. Nach dem Abitur und vor dem BWL-Studium war ich drei Monate in der Schweiz auf dieser Finishing School und habe dort gelernt, wie man den perfekten Tisch für zehn Personen deckt, auch wenn dabei drei Könige eingeladen sind. Auch Kochen und Saubermachen haben wir gelernt – und ich habe dazu das Diplom. Damit hätte ich mich irgendwo in einem Hotel bewerben können. Natürlich waren das beste Voraussetzungen für mich, auch jetzt als Königshaus-Expertin. Wenn ich Interviews führe mit Adeligen, dann hilft es natürlich auch, dass ich weiß, wie ich die richtig anspreche, dass ich mich in deren Welt gut hineindenken kann, dass sie mir nicht alles von vorne bis hinten erklären müssen.

Jetzt kommen Sie nach Fellbach zum Europäischen Kultursommer mit den drei skandinavischen Königreichen im Fokus. Welches Land ist das anständigste, ergiebigste? Haben Sie ein Lieblingskönigshaus in Skandinavien?

Man muss vorausschicken, dass die drei Länder verwandtschaftlich und historisch sehr, sehr eng verbunden sind. Deswegen sind sie natürlich auch ein wenig ähnlich. Welches über die letzten 10, 20, 30 Jahre das skandalöseste Königshaus war, das wechselte immer wieder. Es gab den Skandal um den König von Schweden, als herauskam, dass er eine Affäre mit dieser Army of Lovers-Popsängerin gehabt hatte. Und dass er gerne mal in Striplokalen verkehrte. Damals gab es große Aufregung – stimmt das wirklich und wird Königin Silvia reagieren? – und entsprechend viel zu berichten. Und jetzt zuletzt ist es natürlich Norwegen, mit dem Marius-Prozess und mit Kronprinzessin Mette-Marits Epstein-Kontakten, die kommen ja aus den Skandalen gar nicht mehr raus. Dänemark hat es gerade einfach, das neue Königspaar Frederik und Mary hat gerade einen guten Lauf, zu Hause und auch international, zuletzt jetzt beim Staatsbesuch in Australien.

Sie waren auch beim Prozess gegen Marius Borg Høiby dabei: Der Medienauflauf war sicher gigantisch?

Tatsächlich war es der Prozess in Norwegen, der am allermeisten ausländische Presse angezogen hat, noch mehr als der Breivik-Prozess damals. Fast 200 Journalisten waren dort, und ich habe mich jeden Morgen durch die Sicherheitskontrolle gekämpft. Und im Saal saßen die Hauptakteure des Prozesses: Richter, Staatsanwalt, Verteidiger, Angeklagter, Zeugen, Opfer. Der Rest war alles nur Presse. Es durften immer 20, 30 normale Bürger sich morgens wegen Zuschauertickets anstellen, aber das hat fast niemand in Anspruch genommen. Es fühlte sich im Grunde wirklich an wie ein Schauprozess für die Presse.

Journalisten warten Anfang Februar 2026 in dem Gericht in Oslo, in dem der Prozess gegen den Sohn der norwegischen Kronprinzessin Mette-Marit, Marius Borg Høiby, stattfindet. Foto: Julia Wäschenbach/dpa

Wie haben Sie die Situation empfunden?

Ja, es war belastend. Ich war zum ersten Mal in meiner Karriere royale Gerichtsreporterin, ich hatte auch nie erwartet, dass ich mal dazu kommen würde. Jeden Morgen bin ich ins Gericht marschiert, um zu gucken, wie verhalten die sich, um in den Gesten zu lesen, zuzuhören, was wer wie sagt, ob es emotionale Reaktionen gibt. Marius hat keinerlei Reue gezeigt, war zu keiner Selbstkritik oder Einsicht fähig. Das hat mich besonders erschüttert, so ein verschwendetes Leben eines gut aussehenden jungen Mannes, der theoretisch mit diesem Hintergrund alle Chancen gehabt hätte, und so gar nichts draus gemacht hat. Wirklich eine Tragödie.

Wie eng sind Sie in Ihrer Arbeit eigentlich dran am Adel? Kann man sich da so eine journalistische, vielleicht auch leicht ironische Distanz bewahren?

Ich strebe zumindest nach gesunder Distanz. Manche Leute in meinem Umfeld sagen, du fandest die ja schon immer so toll, und du musst doch auch sehen, dass die Monarchie ein veraltetes System ist, um in Privilegien hineingeboren zu werden. Aber ich glaube schon, dass ich es geschafft habe, das Thema mit genug Abstand zu betrachten. Man kann etwas spannend finden und sehr viel darüber wissen und sich sehr gerne in dem Umfeld bewegen und trotzdem kritisch hinsehen. Und ich erkenne, glaube ich, auch die Komik in bestimmten Situationen. Leute fragen mich öfter: Du bist doch selbst gar nicht adelig, wie kannst du denn da Königshaus-Expertin sein? Und dann antworte ich immer, umgekehrt wird ein Schuh draus. Es gibt einige wenige Adelige, die sich selbst beruflich als Journalisten oder Autoren mit ihresgleichen befassen, die haben natürlich sehr viel Ahnung. Aber da habe ich schon auch mal das Gefühl, dass denen etwas die Distanz fehlen könnte. Denn wenn die irgendwo am Wochenende auf dem Schloss ihrer Verwandten eingeladen sind, dann bekommen sie vielleicht Ärger, weil sie zu viele Interna nach außen verraten oder irgendeine Anekdote erzählt haben, die sie nicht hätten erzählen sollen. Oder sie erfahren etwas Spannendes über einen prominenten Cousin, was sie eigentlich für ihr Medium berichten sollten, wenn sie ihren Job gut machen würden, aber aus familiärer Loyalität machen sie es nicht.

Gerade die skandinavischen Länder gelten doch als sehr demokratisch und fortschrittlich, und gleichzeitig erhalten sie die Staatsform Monarchie aufrecht – ist das kein Widerspruch?

Auf den ersten Blick vielleicht, aber wenn man sich die Länder in Europa anguckt, die konstitutionelle Monarchien sind, wo ja immer eine gewählte Regierung und ein Parlament die politische Macht haben und nicht der Monarch, sind das mit die stabilsten Gesellschaften und die nach Befragung glücklichsten und auch wirtschaftlich am besten aufgestellten. Diesen Monarchien geht es insgesamt gut, die sind stabil und man lebt dort gerne. Und es steht ja jedem Land frei, über das Parlament die Monarchie abzuschaffen, wenn es nicht mehr will.Ich habe es mal ausgerechnet, es ist auch nicht so, dass diese Monarchien im Unterhalt so wahnsinnig viel teurer wären für ihre Länder, als wir mit nicht nur dem aktuellen Bundespräsidenten, den wir aus Steuergeldern unterhalten müssen, sondern zeitweise noch zwei bis drei ehemalige Bundespräsidenten, meist auf Lebenszeit, jeweils immer mit Chauffeur, Büro in Berlin und Polizeischutz. Das ist jetzt am Ende auch nicht viel billiger, als ein schlankes Königshaus zu finanzieren.

Zurück zu Fellbach beziehungsweise seiner unmittelbaren Nachbarschaft: Sie sind ja in Bad Cannstatt aufgewachsen, haben dort als Jugendliche gelebt?

Ja, während der ganzen Gymnasialzeit. Ich bin im Elly-Heuss-Knapp-Gymnasium eingeschult worden und habe dort auch Abitur gemacht. Unser Abiturjahrgang hat damals einen Obelisken aus Beton gegossen, wir hatten den Sohn eines Bauunternehmers in unserem Jahrgang. Der Obelisk stand neben dem Schuleingang, und unten war so ein tiefblaues Schild angebracht, auf dem alle unsere Namen standen. Das war so die Pilgerstätte, wo ich früher gelegentlich noch hingegangen bin, wenn ich zu Besuch war. Wenn ich jetzt da bin, muss ich wirklich mal wieder am Elly vorbeifahren und gucken, wie der Neubau aussieht.

Ein Kuss vor zwei Milliarden Zuschauerinnen und Zuschauern: Hochzeit von Prinzessin Kate und Prinz William Ende April 2011. Foto: dpa

Haben Sie denn noch Bezug nach Fellbach?

Meine Familie ist ursprünglich aus beruflichen Gründen von Hessen nach Baden-Württemberg gezogen. Mein Vater war erst bei der SEL in Stuttgart, dann ging er später als Geschäftsführer zu einem mittelständischen Unternehmen in Fellbach, der GEA – Gesellschaft für Elektrische Anlagen. Die Firma gibt es schon lange nicht mehr, aber ich erinnere mich noch, dass mir mein Vater damals samstags auf dem leeren Firmenparkplatz den ersten Fahrunterricht gab, als ich für meinen Führerschein übte.

Gab’s oder gibt’s Lieblingsspots hier in der Nähe?

Da gehört vor allem das Freibad in Fellbach dazu, da bin ich im Sommer nach der Schule immer von Cannstatt aus mit dem Fahrrad hingefahren, durch die Felder und an der Gärtnerei Schneck vorbei. Und natürlich, für mich als Jungroyalistin ist die Katharinen-Kapelle auf dem Württemberg ein ganz wichtiger Ort. Und wo ich auch sicher wieder hinfahre: die Weingärtner der Genossenschaft Fellbach. Meine Eltern haben da früher immer Wein gekauft, und bis heute lasse ich mir von dort regelmäßig den feinen Sekt und Weißwein schicken. Ich habe tatsächlich auch immer noch einen lieben Freundeskreis in Fellbach, Cannstatt, auf dem Killesberg und in Altdorf bei Neckartenzlingen. Die ersten zwei Reihen am 18. Mai im Fellbacher Rathaussaal werden bestimmt gut gefüllt sein mit meinen Freunden.

Hinter den Kulissen der europäischen Herrscherhäuser

Anfänge
Schon in jungen Jahren hat sich Catrin Bartenbach intensiv mit der Geschichte der europäischen Königshäuser beschäftigt. Später haben ihre Recherchen sie unter anderem ins „Royal Archive“ auf Schloss Windsor geführt.

Journalistin
Nach einer langjährigen Journalisten-Karriere in großen deutschen Verlagshäusern, darunter fast 20 Jahre beim „Stern“, schreibt sie mittlerweile als selbstständige Königshaus-Expertin für „Stern“, „Gala“, „Bild“ und „Falstaff“.

Einblicke
Jüngst ist ihr erstes Buch erschienen: „Der Royale Reiseführer – Europas Monarchien entdecken“ – Delius Klasing Verlag/Edition Rose, 29,90 Euro.