Während des Spiels soll man ihn bloß in Ruhe lassen. Nichts wolle Manuel Baum von den Ergebnissen wissen. Nichts darüber, wie es in Frankfurt steht oder beim SC Freiburg, den beiden Konkurrenten des FC Augsburg im Werben um einen Platz in der Conference League. Scherzhaft drohte Baum gar mit einer Gelben Karte, sollte ihm einer wegen der Mitteilung eines Zwischenstandes zu nahe kommen.

Der FC Augsburg kann am letzten Spieltag der Bundesliga noch eine Menge gewinnen. Nicht nur die Partie am Samstag (15.30 Uhr, Sky) bei Union Berlin. Laufen die beiden anderen Begegnungen ebenso nach Wunsch, könnte sich der FCA tatsächlich noch für einen europäischen Wettbewerb qualifizieren. Bei einem Sieg in Berlin könnte Augsburg Siebter werden, sollten die punktgleichen Frankfurter und die um einen Zähler besser dastehenden Freiburger nicht gewinnen. Bei einem Unentschieden des FCA müsste die Eintracht gegen Stuttgart verlieren und auch Freiburg RB Leipzig deutlich unterliegen.

Für den FCA ist es kein normaler Spieltag. Nicht wie in den vergangenen Jahren, als beim letzten Treffen der Bundesliga wenig bis nichts für die Augsburger auf dem Spiel stand. Weil sie den Klassenerhalt längst sicher und danach das ambitionierte Auftreten eingestellt hatten. In diesem Jahr aber ist vieles anders. Zumindest seit Manuel Baum Anfang Dezember das Traineramt übernommen hatte.

Der FCA braucht die Hilfe anderer Klubs

Seitdem ging es bergauf. Mit einigen kleinen Tälern zwar, am Ende aber wird eine der besten Bundesliga-Saisons der FCA-Geschichte zu Buche stehen. Zwei Ziele haben die Augsburger bereits erreicht: Klassenerhalt und einen einstelligen Tabellenplatz. Mission Nummer drei ist nun das europäische Geschäft. Auch, wenn dafür Hilfe anderer Klubs nötig ist.

Mit Stuttgart und Leipzig hat Baum keinen Kontakt aufgenommen. „Wir müssen uns in erster Linie selbst helfen“, sagte der Augsburger Trainer. Beim VfB weiß er zudem, dass das Bestreben dort für drei Punkte groß ist, weil die für das eigene Ziel Champions League wohl nötig sind. Leipzig hat das Königsklassenticket bereits sicher und könnte den letzten Spieltag ruhig angehen. Andererseits ist die Eigenmotivation bei vielen Akteuren, gerade bei solchen Spitzenklubs von Natur aus groß.

Den Augsburgern muss es gelingen, am Samstag mit Druck und Nervosität klarzukommen. Ein wenig anders als normal habe sich die Mannschaft in der Trainingswoche präsentiert. Fokussierter, aber eben auch ein bisschen angespannter. Deshalb hatten Baum und sein Trainerteam darauf verzichtet, spezielle Maßnahmen in dieser Woche zu ergreifen. Es könnte gefährlich sein, „wenn man beginnt, ein Spiel zu überhöhen“, so Baum. Es brauche eine „gesunde Mischung aus Lockerheit und Fokus“.

Der FCA muss seine Hausaufgaben in Berlin machen – also gewinnen. Gelingt das, „dann bin ich guter Dinge, dass wir Tabellenplätze gutmachen“, sagte Baum. Im Idealfall zwei, was die Saison zu einer besonderen machen würde. Den Sieg in München hatte der FCA-Trainer mit „a day to remember“ überschrieben. Ein Tag zum Erinnern also. Das Motto für Samstag geht noch einen Schritt weiter: „A season to remember – es wäre cool, wenn das rauskommt“, so Baum. Also eine ganze Saison zum Erinnern.

Der FCA hat einige personelle Fragezeichen

Baum muss sich immer wieder kneifen, wenn er an den Saisonverlauf denkt. „Wenn man mich auf der Autobahn fahren sehen würde, ich schüttle die ganze Zeit den Kopf. Es ist schon brutal, was wir alle hier geleistet haben. Es wäre cool, das zu vollenden“, sagte er. Der FCA ist das fünftbeste Team der Rückrunde und in den vergangenen sechs Partien ohne Niederlage geblieben. Die Formkurve also spricht für die Augsburger.

Personelle Fragezeichen gibt es allerdings. Dimitrios Giannoulis (verletzt), Arthur Chaves (verletzt) und Kristijan Jakic (gesperrt) werden fehlen. Alexis Claude-Maurice ist angeschlagen, Elvis Rexhbecaj war die Woche über krank. Dennoch hat Baum einen starken Kader zur Verfügung, bei dem alle Spieler richtig Bock auf diese letzte Partie hätten. Auf diese Chance, sich vielleicht einen europäischen Platz sichern zu können.

Für Baum könnte es das letzte Spiel als FCA-Trainer sein. Womöglich kehrt er in seine Rolle als Leiter Entwicklung oder Fußballinnovation zurück. Vielleicht aber bleibt er auch Cheftrainer. Gespräche über seine Zukunft sollen in der kommenden Woche geführt werden. Für ein Saisonfazit war es dem Augsburger Trainer auch zu früh. Eine Partie fehle ja noch. Und die hat enorme Bedeutung. Eines aber wird sich nicht verändern. Der FCA spielt eine starke Saison – ganz egal, wie die Partie am Samstag bei Union Berlin ausgehen wird.