Es war eine ungewöhnliche Reise, die eine Delegation der Industrie- und Handelskammer (IHK) Mittlerer Niederrhein kürzlich angetreten hat. Für sie ging es in die Ukraine – um dort unter anderem mit Vertretern der Wirtschaft zu sprechen.

„Bei unserer Reise ging es darum, Kontakte zu knüpfen, Ansprechpartner zu identifizieren und die Zusammenarbeit zu intensivieren, um Kooperationen zwischen unseren Unternehmen und der Wirtschaft in der Ukraine zu fördern“, sagt IHK-Hauptgeschäftsführer Jürgen Steinmetz, der seit dem vergangenen Jahr Honorarkonsul der Ukraine ist.

Zuerst ging es für die Delegation nach Lviv und Kiew, dort wurden Rettungsfahrzeuge im Rahmen einer Spendenaktion übergeben. In Lviv, dem früheren Lemberg, tauschte sich die IHK-Gruppe mit der dortigen Stadt- und Oblastverwaltung sowie mit Veteranen aus, die nach ihrem Kriegseinsatz als Unternehmensgründer einen Neuanfang starten wollen. Für diese Kontakte gibt es bereits weitere Pläne: Ende Mai werde eine Delegation aus Lviv die IHK besuchen, und am 19. August werden die Veteranen nach Neuss kommen und im Pavillon auf dem Campus Zukunft ihre Geschäftsmodelle vorstellen, kündigte Steinmetz an.

Weiter ging es für die Gruppe in die Niederlassung Pisky des Baustoff-Konzerns Kreisel. Dabei stand die Frage im Raum, welche wirtschaftlichen Chancen sich deutschen Unternehmen im Bau- und Infrastruktursektor in der Ukraine bieten. In dieser Niederlassung werden jährlich etwa 440.000 Tonnen Baustoffe produziert, heißt es in der Pressemitteilung der IHK. „Der Wiederaufbau findet längst statt“, ist der Eindruck von Steinmetz. „Das Interesse an deutschen Produkten, deutschem Know-how und EU-Standards ist sehr groß.“ Mittlerweile sei auch ein angepasstes Modell der dualen Berufsausbildung nach deutschem Vorbild in der Ukraine etabliert.

Den Besuch werteten die Teilnehmer als positiv. Die konkreten Ergebnisse sollen jedoch noch ausgewertet werden, heißt es in der Mitteilung. „Es war wichtig, sich einen persönlichen Eindruck vor Ort zu verschaffen“, sagt Steinmetz. Den Menschen in der Ukraine werde viel abverlangt. „Sie brauchen unsere Unterstützung, aber auch wir können viel von ihnen lernen“, findet er. Ihn habe vor allem die Resilienz und der Widerstandsgeist der Menschen beeindruckt. „Der russische Angriffskrieg hält unvermindert an, aber die Menschen lassen sich nicht einschüchtern und aus ihrem Land vertreiben“, so der IHK-Hauptgeschäftsführer. „Mit unserem Besuch wollten wir auch ein Zeichen der Solidarität setzen.“