Wenn am Sonnabend beim großen ESC-Finale in der Stadthalle Wien die Lichter angehen, hat ein Berliner Unternehmen einen wesentlichen Anteil an jenem Wow-Effekt, den die Show seit jeher zu verbreiten vermag.
Und diesmal vielleicht noch ein wenig mehr? Dessen ist sich Christopher Bauder sicher – denn von seiner Firma Kinetic Lights in Rummelsburg ist jene Lichttechnik, die an diesem Wochenende über Sarah Engels aus Deutschland, Delta Goodrem aus Australien, dem italienischen Act Sal Da Vinci und all den anderen Teilnehmern des Eurovision Song Contest 2026 erstrahlt.
Berliner Erfolgsstory: Lichtgrenze, Dark Matter und ESC
Wobei, was heißt erstrahlt. Bauder erklärt, das Licht würde dank seiner Seilwindensysteme eher fliegen. „Wir haben erstmals die komplette Technik hinter dem zentralen Bühneneffekt des Eurovision Song Contest entwickelt. Wo sich Lampen und LEDs auf und ab bewegen, steckt unsere Technik und Software dahinter“, erklärt der Licht- und Medienkünstler, der sich in seinen großformatigen Kunstinstallationen und Performances mit der Wirkung von Licht, Raum, Bewegung und Klang auf die menschliche Wahrnehmung und Emotionalität auseinandersetzt.

Der Lichtkünstler Christopher Bauder ist beim ESC in Wien dabei. Der deutschen Teilnehmerin Sarah Engels prognostiziert er einen Platz im guten Mittelfeld.
© Benjamin Pritzkuleit/Berliner Zeitung
Studiert hat Bauder, der am Bodensee aufgewachsen ist, an der Universität der Künste in Berlin. Sein wohl bekanntestes Werk war die stadtweite Installation „Lichtgrenze“ zum 25. Jahrestag des Falls der Berliner Mauer. Viele Hauptstädter kennen auch sein Kunstprojekt „Dark Matter“, das in Lichtenberg als Dauerausstellung in ehemaligen Fabrikhallen eine bleibende Heimat gefunden hat.
Beim ESC indes erleben Bauder und sein 50-köpfiges Team in diesem Jahr eine Weltpremiere. Verantwortlich für das Lichtdesign ist der britische Lichtdesigner Tim Routledge. Er war bereits beim ESC 2023 in Liverpool und 2025 in Basel im Einsatz und gilt als einer der besten seines Fachs. „Er wollte unbedingt mit uns zusammenarbeiten“, erzählt Bauder, und diesmal habe es endlich auch mit den technischen Voraussetzungen geklappt.
Zustimmung wird geprüft…
Beim diesjährigen Song Contest kommen insgesamt mehr als 2100 LED- und Lasereinheiten sowie über 8500 einzeln steuerbare LEDs zum Einsatz. Erstmals setzt eine ESC-Produktion zu 100 Prozent auf LED- und Lasertechnologie. Klassische Leuchtmittel wurden komplett gestrichen.
Direkt über dem Bühnenboden hängen 80 Scheinwerfer an einzelnen Trägern, die sich individuell hoch- und runterbewegen lassen. Dass sich jedes einzelne der 50 Kilo schweren Lichter mit einer Geschwindigkeit von 1,5 Metern pro Sekunde bewegen kann, dafür sorgt die Technik aus Berlin: Die sogenannten Kinetic-Lights werden mit einem Seilzugsystem gesteuert, das gleichzeitig Strom und Steuersignale an die angehängten Movinglights überträgt.
„Diese Technik haben wir erfunden und entwickelt“, erklärt Bauder. Es ist die gleiche Technik, die auch bei „Dark Matter“ zum Einsatz kommt. Schon bei den Halbfinals in Wien habe die Lichtshow für Szenenapplaus gesorgt, so der 53-Jährige.
Der ESC ist für ihn ein besonderes Highlight, „weil jeder Künstler anders ist und weil die Stimmung und das Publikum bei diesem Gesangswettbewerb einfach ganz besonders sind. Die ganze Stadt ist am Toben und am Ausrasten“, so Bauder. Er habe den ESC bislang immer nur am Fernseher verfolgt, nun live dabei zu ein, „ist Wahnsinn“.
Sollten Sie am Samstag ebenfalls die Liveshow im TV verfolgen, richten Sie den Blick doch einfach mal auf die Lichtshow. Eine technische Weltpremiere aus Berlin beim größten Musikwettbewerb weltweit – das gibt es schließlich nicht alle Tage.
Lesen Sie mehr zum Thema