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Freunde des getöteten Fabian schildern im Mordprozess in Rostock auffällige Aussagen des Jungen über Konflikte und die Freundin seines Vaters.

Rostock – „Ne. Das hätte er nicht gemacht“, antwortet ein elfjähriger Zeuge am vierten Prozesstag auf die Frage des Richters, ob der achtjährige Fabian mit einem Fremden mitgegangen wäre. Im Mordprozess wird die Angeklagte Gina H. beschuldigt, den achtjährigen Fabian getötet zu haben. Der elfjährige Nachbarsjunge kannte den 8-Jährigen gut. „Er war eigentlich sehr cool“, sagte er vor Gericht. Sie hätten zusammen im Garten gespielt, wären auf dem Trampolin gesprungen und Rad gefahren.

Der Mordprozess um den getöteten 8-jährigen Fabian geht weiter.Der Mordprozess um den getöteten 8-jährigen Fabian geht weiter. © Bernd Wüstneck/dpa | Privat

„Er hat mir gesagt, dass er wieder Kontakt mit seinem Vater hat. Irgendwas war mal, dass die lange Zeit keinen Kontakt hatten. Er hat irgendwas mal mit Streit gesagt“, berichtete der Nachbarsjunge weiter. „Hat Fabian erzählt, dass der Papa eine Freundin hat?“, fragte der Richter. Der 11-Jährige bestätigt das: „Er hat irgendwas gesagt, dass er sich nicht so gut mit seiner Freundin versteht und deshalb der Kontakt so ein bisschen abgebrochen ist.“ Diese Freundin habe Pferde – wie die Angeklagte.

Nach den Sommerferien redete Fabian plötzlich vom Vater

Zuvor hatte bereits Fabians neunjähriger Kindergartenfreund ausgesagt. Fabian sei sein bester Freund gewesen, bestätigte der auf Nachfrage des Richters. Um die minderjährigen Zeugen zu schützen, wurden alle Kinder zu Fabian per Video befragt. Sie saßen in einem separaten Raum, abgeschirmt von Zuschauern und Medienvertretern. Auf ihrem Bildschirm war nur der Richter zu sehen. Der Neunjährige schilderte weiter, dass er und Fabian ihre Zeit vor allem mit Handyspielen wie Roblox verbracht hätten. Fabian beschreibt er als „klein, dick, bisschen frech“, seine Mama sei nett gewesen. Außerdem habe Fabian ihm einmal berichtet, dass sein Vater eine Frau geschlagen habe. Ob der Neunjährige damit Gina H. meinte, blieb unklar.

Fabians Vater hatte mit Gina H. bereits einen öffentlich bekannt gewordenen Streit, in dessen Folge Fabian den Kontakt zu seinem Vater einschränkte. Den Namen Gina H. kenne er nicht, antwortete der Neunjährige auf eine Frage des Richters dazu und ergänzte: „Ich weiß aber, dass er mal über sie erzählt hat, dass sie Pferde hat.“ Auch Fabians Klassenlehrerin trat als Zeugin auf. Sie schilderte, dass Fabian regelmäßig von seinem Wochenende erzählt habe: „dass er mit seiner Mama im Garten war oder dass er oft mit seinem Onkel an den Autos geschraubt hat oder dass er bei seiner Oma übernachtet hat. Er hat oft vom Computerspielen geredet.“

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Nach den Sommerferien habe er plötzlich auch vom Vater geredet. „Das ist mir im Gedächtnis geblieben, weil er vorher nicht viel vom Vater erzählt hat“, so die Lehrerin. „Niemals“ habe er jedoch von Gina H. gesprochen. Fabian war am 10. Oktober 2025 aus der Wohnung seiner Mutter in Güstrow im Landkreis Rostock verschwunden. Den Ermittlungen zufolge nutzte er sein Handy an jenem Tag zuletzt um 10.50 Uhr. Er war an diesem Freitag allein zu Hause gewesen, weil er krank war. Vier Tage später, am 14. Oktober, fand man seine Leiche in der Nähe eines Tümpels bei Klein Uphahl. Gina H., die damalige Ex-Freundin von Fabians Vater, war es, die den toten Jungen entdeckte.

„Ich glaube an ihre Unschuld“: Fabians Vater steht zur Angeklagten

Im August 2025 hatte sich Fabians Vater nach vier gemeinsamen Jahren von der Angeklagten getrennt. Anfang November wurde die 30-Jährige festgenommen. Im März erhob die Staatsanwaltschaft Rostock Anklage wegen heimtückischen Mordes aus niedrigen Beweggründen. Der Vorwurf: Die Angeklagte soll Fabian an den Tümpel gelockt und dort mit mindestens sechs Messerstichen getötet haben. Danach soll sie die Leiche mit Brandbeschleuniger in Brand gesetzt haben. Am dritten Prozesstag hatte Fabians Vater erklärt: „Ich glaube an ihre Unschuld“ – zumindest solange keine Beweise das Gegenteil belegten, sagte er.

Nach eigenen Angaben ist er inzwischen wieder mit der Angeklagten zusammen. Ausgewertete Sprachnachrichten zwischen Gina H. und Fabians Vater belegen, dass die Angeklagte schon vor Fabians Verschwinden Druck auf den Vater ausgeübt hatte. In einem Sprachmemo an eine Bekannte, sagte Gina H., sie leide an einer Borderline-Störung und Depressionen. Für die Angeklagte gilt die Unschuldsvermutung. Noch vor ihrer Festnahme hatte sie die Tat gegenüber Medien bestritten. Die Staatsanwaltschaft hat inzwischen auch ein Verfahren gegen Fabians Vater wegen Falschaussage eingeleitet. Der nächste Verhandlungstag ist für den 21. Mai angesetzt. (Quellen: dpa, Bild, FAZ) (bme)