30 Influencer, zum Greifen nah – das ist das Versprechen der Creator Days. Sie stehen verteilt auf kleinen Bühnen, an denen Fans anstehen und Fotos mit ihnen machen können; jede Stunde rücken neue TikToker, YouTuber oder Streamer nach. Währenddessen läuft auf der Hauptbühne durchgehend Programm: Es wird gesungen, gezaubert, getanzt, jongliert und aufgelegt. Die regulären Tickets kosten rund 50 Euro, etwa 4000 wurden bislang verkauft.

Gastgeber des Events ist der 24-jährige YouTuber „Lewinray“. Bekannt vor allem durch kurze Sketche, in denen er verschiedene Figuren verkörpert – eine strenge Lehrerin oder Mutter etwa, deren lange Haare ein Handtuch auf seinem Kopf veranschaulichen soll. Viele der Szenen spielen in der Schule. „Mein durchschnittlicher Zuschauer ist ungefähr 13 Jahre alt“, sagt Lewin. Auf YouTube und TikTok folgen ihm Millionen.

Aufgewachsen ist Lewin in einem Dorf mit 8000 Einwohnern in Baden-Württemberg. Mit der Medienwelt hatte er dennoch früh Kontakt – sein Vater spielte Schlagzeug für Musiker wie Phil Collins und Heino, unter anderem bei „Wetten, dass..?“. „Ich fand das Rampenlicht schon damals geil“, sagt Lewin. Auch er machte Musik, bewarb sich bei Castingshows wie „The Voice Kids“ – zunächst erfolglos. „Eigentlich wollte ich aber immer Moderator werden“, sagt er. Also fing er als Jugendlicher an, Videos hochzuladen; er filmte seinen Alltag, testete etwa mit Freunden das Eis von McDonald’s.

Der Durchbruch kam während Corona, in Lewins Abiturzeit. „Damals ging auf einmal der TikTok-Hype los“, sagt er. Nach dem Abi konzentrierte er sich voll auf die Kurzvideos. „Manche machen ein Auslandsjahr. Und ich hab meinen Eltern eben gesagt: Ich will das ausprobieren.“ Jeden Tag habe er drei TikToks gedreht, ein halbes Jahr lang, erzählt er. Danach hatte er eine Million Abonnenten, bekam Werbedeals, zog vom Dorf in eine Berliner Influencer-Villa, danach weiter nach Köln. Dort werde er inzwischen jeden Tag erkannt, sagt er – wenn er denn rausgehe. Neben seinen Videos hat er Songs veröffentlicht, die ebenfalls Millionen von Abrufen erzielen. Die vergangenen Tage verbrachte er in den USA, „um Tornados zu jagen“ und die besten Hotels in LA zu testen. „Genau das, wovon ich früher geträumt habe“, sagt er.

Also ist er nun wunschlos glücklich. Oder? Er zögert kurz. Irgendwie habe er sich das mit dem Erfolg anders vorgestellt. Irgendwann würde es klick machen, habe er gedacht. „Aber man hat das Gefühl, dass man immer weiter hoch muss.“ Bald will er ein eigenes Produkt in den Einzelhandel bringen, er spielt in einer Serie mit. „Und ich will jetzt unbedingt mit einem Song Gold gehen.“

„Als Frontmann ist das schon was anderes“

Am Samstag trifft Lewin in Düsseldorf auf seine Fans. Wie zuletzt 2024 – damals gab es in Ludwigsburg schon mal einen Creator Day. „So etwas habe ich noch nie erlebt“, sagt Andreas Sadri, einer der Veranstalter. „Tausende schreiende Kinder, der Lärmpegel ist unbeschreiblich. Das ist wie früher bei Elvis Presley.“

Auch Lewin wird am Samstag auf der großen Bühne stehen und zu seinen Fans singen. Zwar sind es nur drei Songs, doch er sei schon ziemlich aufgeregt, sagt er. Etwas Bühnenerfahrung hat er immerhin schon: Auf Dorffesten habe er als Jugendlicher am Schlagzeug AC/DC-Cover begleitet. „Aber als Frontmann ist das schon was anderes.“ Diesmal am Schlagzeug: sein Vater.