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Unheimliche Stille in der Nordsee. Seit seiner Freilassung gibt es kein Lebenszeichen mehr von Wal „Timmy“. Jetzt könnte es Folgen für die Initiative geben.

Schwerin – Update vom 15. Mai, 06.42 Uhr? Ist „Timmy“ etwa wirklich tot? Aktuell spekulieren viele Medien darüber. Auslöser ist ein toter, gestrandeter Wal, der vor Dänemark gesichtet wurde. Am heutigen Freitag wollen dänische Behörden das Flachwasser nutzen, um eine Gewebeprobe des Tieres, das vor der Insel Anholt liegt, zu entnehmen. Alle Entwicklungen zum erneuten Wal-Drama lesen Sie in unserem News-Ticker.

Bleibt die Aufnahme links das letzte Bild von „Timmy“? Der Wal litt wochenlang an der Ostseeküste, seit seiner Freilassung in der Nordsee fehlt jedes Lebenszeichen.Bleibt die Aufnahme links das letzte Bild von „Timmy“? Der Wal litt wochenlang an der Ostseeküste, seit seiner Freilassung in der Nordsee fehlt jedes Lebenszeichen. © Sebastian Peters/Philip Dulian/picture alliance/dpa/News5

Update vom 14. Mai, 23.55 Uhr: Vor Dänemark wurde am Donnerstagabend ein Buckelwal gesichtet. Wie die Agentur News5 unter Berufung auf die Naturschutzbehörde berichtet, soll der Wal tot sein. Handelt es sich dabei um Timmy? Morgen um 12 Uhr soll der tote Wal geborgen werden. Dabei soll auch eine Gewebeprobe entnommen werden. Dann können Experten mehr sagen.

Aktuell beobachtet die Naturschutzbehörde vor der Küste der Insel Anholt die Situation. Das dänische Portal TV2 beruft sich auf Morten Abildstrøm, einen Aufseher der dänischen Naturschutzbehörde in Anholt. Ihm zufolge handelt es sich wohl um einen Buckelwal. „Er ist ziemlich groß. Wenn man es mit einem Fernglas betrachtet, kann man erkennen, dass es 10 bis 15 Meter groß ist“, so Abildstrøm.

Toter Buckelwal vor Dänemark schürt Befürchtungen – Timmys bislang letztes FotoDie vorerst letzten Bilder von Timmy (re. & mitte). Im linken Bild ein Buckelwal, der tot vor der dänischen Küste aufgefunden wurde.Fotostrecke ansehen

Meldung vom 14. Mai, 8.00 Uhr: Ein kleines Gerät an einer Rückenflosse sollte alles klären: Seit der Freilassung des Buckelwals „Timmy“ in der Ostsee am 2. Mai 2026 gibt es offene Fragen und viel Streit um den GPS-Sender, den die verantwortliche Privatinitiative vor dem Transport angebracht haben will. Öffentliche Daten kamen nie. Knapp zwei Wochen Funkstille – und niemand weiß, wo der Wal ist.

Das Problem liegt auch in der Technik. Ein GPS-Sender dieser Art funktioniert nur dann, wenn das Tier an die Wasseroberfläche kommt. Taucht der Wal – oder sinkt er – bleibt der Sender stumm. Ob das Gerät überhaupt je gesendet hat, lässt sich im Nachhinein kaum noch prüfen.

Keine Daten: Ostsee-Wal wahrscheinlich tot – „Timmy Tracker“ schlägt seit Tagen nicht an

Laut der privat betriebenen Info-Seite „Timmy Tracker“ ist das Signal seit dem 3. Mai verloren. Die letzten gemeldeten Sender-Pings stammen demnach vom 5. Mai. Die Website bündelt laut Selbstbeschreibung Daten zur Position des Buckelwals aus öffentlichen Pressequellen mithilfe von KI. Unsere Karte zeigt den letzten bekannten Standort des Wals. Der Bild-Zeitung hatte die Wal-Initiative zwischenzeitlich mitgeteilt, am 10. Mai seien die letzten Daten vom Tracker eingegangen. Seitdem herrsche Funkstille.

Fotos oder Videos von der Freilassung gibt es laut der Initiative nicht. Auch ein Nachweis, dass der Sender tatsächlich korrekt an der Rückenfinne befestigt wurde, fehlt. Die Initiative behauptet zwar, eine Foto-ID der Schwanzflosse angelegt zu haben – überprüft ist das bislang nicht.

Buckelwal-Helfer kehren zurück – die bewegenden Aufnahmen von Timmys Reise in die NordseeWeitere Entwicklung zum Buckelwal in der Ostsee Rettung in die NordseeFotostrecke ansehenWo ist „Timmy“? GPS-Sender würde in tiefem Wasser nicht funktionieren

Sollte der Buckelwal in tiefere Gewässer der Nordsee abgesunken sein, dürfte er dort auch nicht mehr auftauchen. In großer Tiefe verhindert der Wasserdruck selbst bei einsetzender Verwesung, dass ein Kadaver an die Oberfläche treibt. Ein stilles Verschwinden, ohne jede Spur. Auch ein GPS-Sender würde in der Tiefe nicht mehr funktionieren. Dass der Kontakt abbrach, kann ein Signal dafür sein, dass „Timmy“ ertrunken und in die Tiefe gesunken ist. Ein sogenannter Walsturz.

Die einzige verbleibende Hoffnung auf Klarheit: Die Schwanzflosse. „Jedes Forschungsteam, das mit dieser Population arbeitet, fotografiert die Individuen“, erklärt die Tierschutzorganisation Whale and Dolphin Conservation (WDC). Sollte der Wal noch leben und irgendwo im Nordatlantik auftauchen, könnte er über Datenbanken identifiziert werden.

Wal-Initiative brach Versprechen zum Peilsender: Ministerium prüft rechtliche Schritte

Das Umweltministerium Mecklenburg-Vorpommern tappt derweil völlig im Dunkeln. „Wir haben nach wie vor keine Daten vorliegen oder Informationen, ob mit diesen noch zu rechnen ist“, sagte eine Sprecherin des Ministeriums. Die vereinbarten Peildaten, die die Initiative hätte liefern müssen, blieben aus.

„Unsere Juristen prüfen rechtliche Schritte“, so die Sprecherin. Kommende Woche will das Ministerium entscheiden, wie es gegen die Privatinitiative vorgehen wird, die den Transport des Wals per Lastkahn von der Insel Poel organisiert hatte.

Buckelwal nach Nordsee-Transport wohl ertrunken: Fachleute gehen von Tod des Tiers aus

Nach Einschätzung von Experten ist Wal „Timmy“ mit allerhöchster Wahrscheinlichkeit tot. Es sei davon auszugehen, dass der Buckelwal nicht mehr genug Kraft besaß, um im tiefen Wasser zu schwimmen, teilte das Deutsche Meeresmuseum bereits Anfang Mai mit. Die Befürchtung, das Tier würde in der Nordsee schlichtweg ertrinken, hatten zahlreiche Fachleute schon vor Beginn der Bergung geäußert.

Dabei hatten sowohl die WDC als auch die Internationale Walfangkommission (IWC) dem Tier von Anfang an kaum Überlebenschancen gegeben: Der Buckelwal war geschwächt und hatte rund 60 Tage lang zwei Drittel seiner Zeit in den Flachwasserzonen der Ostsee verbracht. Beim Transport wurde das Tier offenbar zusätzlich verletzt.

Dass die Initiative ankündigte, Peilsenderdaten nach der höchst umstrittenen Bergungsaktion nicht öffentlich preiszugeben, war für Tierschutzorganisationen der nächste Affront. Sea Shepherd sprach gegenüber Ippen.Media von einem „Riesen-Problem“. Es gibt keine Möglichkeit, festzustellen, wie das Ostsee-Drama nun wirklich endete. Das verhindert womöglich einerseits Konsequenzen. Und selbst, sollte der Versuch erfolgreich gewesen sein, bleibt eine Erkenntnis für die Wissenschaft und weitere Wal-Strandungen aus. (Quellen: dpa, TimmyTracker, Sea Shepherd)