- Die 17-jährige Französin Monroe vertritt Frankreich am Eurovision Song Contest in Wien mit dem Lied «Regarde».
- In den Wettquoten liegt sie bereits auf Platz sechs – Frankreich hat zuletzt 1977 den ESC gewonnen.
- Monroe wurde durch die TV-Sendung «Prodiges» bekannt und begann im Alter von siebeneinhalb Jahren zu singen.
In den intimen Salons der französischen Botschaft in Wien trifft 20 Minuten Monroe. Sanftes Licht, elegante Holzvertäfelungen, eine fast schon theatralische Atmosphäre: Man fühlt sich wie irgendwo zwischen einer Operngarderobe und einer Generalprobe. Die perfekte Kulisse für die junge Französin, die am Eurovision Song Contest «Regarde» präsentieren wird – ein Lied, in dem Pop und Lyrik miteinander verschmelzen.
Mit 17 Jahren spricht Monroe bereits wie jemand, der genau weiss, wohin er will. Doch in der Art, wie sie nach Worten sucht, lacht oder ihrer Mutter gegenüber einen verschwörerischen Blick zuwirft, blitzt noch Kindlichkeit auf. Als wir sie fragen, in welchem Musical sie gerne einmal spielen würde, entsteht zunächst eine peinliche Pause. Dann flüstert jemand im Raum: «Das Phantom der Oper». Monroe reagiert sofort: «Ja, natürlich! Das würde ich liebend gern machen.»
Sie kann es kaum erwarten, auf der Bühne zu stehen
Musicals gehören schon immer zu ihrem Leben. Sie ist in den USA aufgewachsen, wo ihr schulischer Werdegang ihr zahlreiche künstlerische Freizeitaktivitäten ermöglichte. «Ich liebe ‹Les Misérables›, ‹The Sound of Music›, ‹Carmen› und ‹Aïda›», zählt sie begeistert auf. Eine Welt, die wohl ihre natürliche Bühnenpräsenz und ihre Vorliebe für sehr theatralische Auftritte erklärt.
Auf der Eurovision-Bühne bekommt jedoch alles eine andere Dimension. «Ich bin sehr glücklich. Ich denke, es wird auf der Bühne wirklich wunderschön aussehen», sagt sie leise. In Wien erlebt sie einen anderen Rhythmus, eine andere Intensität. «Das Team hier ist unglaublich, sehr positiv und voller grossartiger Energie. Die Bühne ist prachtvoll. Wir wollen unser Bestes geben und den Moment voll auskosten. Ich freue mich riesig auf den Final.»
Das Motto ist simpel: geniessen. Keinen sichtbaren Druck – obwohl sie in den Wettquoten auf Platz sechs geführt wird. Frankreich hat seit Marie Myriam im Jahr 1977 nicht mehr gewonnen.
«Ich habe mit etwa siebeneinhalb Jahren angefangen zu singen.»
Monroe
Monroe ist bekannt aus der Sendung «Prodiges». Auf den Sieg 2025 folgte plötzliche Bekanntheit und vor allem die erste Erfahrung mit der öffentlichen Aufmerksamkeit. «Es war ein unglaubliches Abenteuer. Wir haben viel mit den anderen Jugendlichen, den Juroren und dem Orchester gearbeitet … Und vor allem haben mich die Reaktionen der Menschen auf die Musik sehr berührt.»
Hat sie ihre Jugend geopfert, um so jung schon so erfolgreich zu sein? Sie lächelt und schüttelt den Kopf. «Nein, das glaube ich nicht. Natürlich steckt Arbeit dahinter, aber es bleibt ein Vergnügen. Wenn man das tut, was man liebt, ist man einfach glücklich.» Zwischen zwei Proben hält sie an ihren Gewohnheiten fest: Schule, Lesen, Familie. Eine Normalität, die sie nicht verlieren möchte.
Die Musik hingegen war schon immer da. «Ich habe mit etwa siebeneinhalb Jahren angefangen zu singen.» Klassik, Pop, Musicals: Sie bewegt sich zwischen den Stilrichtungen, als würde sie einfach nur die Kulisse wechseln. Doch das Wichtigste bleibt gleich. «Was ich liebe, ist, eine Geschichte zu erzählen und einen Moment mit dem Publikum zu teilen.»
Sie denkt noch nicht an die Zeit nach dem Eurovision Song Contest
«Regarde», ihr Lied, folgt genau dieser Idee. Ein Song, der das Tempo der Welt verlangsamt. «Es ist eine universelle Botschaft der Liebe. Wir leben oft in ständiger Eile. Dieses Lied lädt dazu ein, den Blick zu heben und die Schönheit um uns herum wahrzunehmen.»
Den Eurovision Song Contest kannte sie bereits aus Familienabenden vor dem Fernseher. Heute steht sie selbst mittendrin. Und sie beobachtet auch die anderen Künstlerinnen und Künstler. Besonders die Schweizerin Veronica Fusaro, die sie im Delegationshotel getroffen hat. Monroe schwärmt von deren Lied «Alice», das Gewalt gegen Frauen thematisiert. «Das ist eine sehr starke und wichtige Botschaft. Ich finde es essenziell, dass Künstler über solche Realitäten sprechen. Beim Eurovision Song Contest geht es nicht nur ums Singen: Man vermittelt etwas, berührt Menschen und regt zum Nachdenken an.»
Und was kommt nach Wien? Darüber denkt sie im Moment noch nicht wirklich nach. «Zurzeit bin ich komplett auf den Eurovision Song Contest und den Final fokussiert.» Den Überblick verliert sie dabei trotzdem nicht und ruft lachend aus: «Vergesst nicht, für Frankreich zu stimmen!»
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Leonie Projer (pro), Jahrgang 1997, ist stellvertretende Leiterin im Ressort People. Ihre ersten journalistischen Erfahrungen sammelte sie bei Tele M1 und «ArgoviaToday».

