Die einen sind über jeden Zweifel erhabene Experten, bei den anderen handelt es sich um Parteisoldaten, die zwar nicht über inhaltliche Kompetenzen verfügen, aber versorgt oder zwischengeparkt werden. Das ist die Theorie der Staatssekretäre. In der Praxis erlebt man sie als Verwaltungschefs, die von beiden Extremen einen Teil verkörpern. Auch wenn viele es sich gern anders zusammenreimen: Parteipolitik und Sachwissen sind keine Gegensätze. Im Zweifel aber wünscht man sich als Staatssekretär den erfahrenen Fachmann für Verwaltung und Inhalte. Die politischen Aspekte sind Sache der Minister. Im hessischen Wirtschaftsministerium trafen unter dem Minister Kaweh Mansoori (SPD) zwei Staatssekretäre zusammen, die beide nur ungefähr ahnten, was an der Spitze eines solchen Hauses läuft.
Keiner wusste, wie man regiert
Inhaltlich beherrschten die Professorin für Bauphysik, Lamia Messari-Becker, ebenso wie der Opel-Betriebsrat Umut Sönmez nur einen kleinen Sektor des großen Ministeriums für Wirtschaft, Energie, Verkehr, Wohnen und ländlichen Raum. Die Gemeinsamkeit der beiden: ihr gesundes Selbstbewusstsein und die Bereitschaft, es im persönlichen Umgang zum Ausdruck zu bringen. Weil auch der mit seinen 35 Jahren aus dem Bundestag nach Wiesbaden gewechselte Sozialdemokrat Mansoori nicht recht wusste, wie man regiert, scheiterte das Trio zeitversetzt. Aber auch im Abgang hatten Messari-Becker und Sönmez etwas gemeinsam. Beide hinterließen verbrannte Erde. Mansoori ersetzt Sönmez jetzt durch Johannes Loheide, einen Abteilungsleiter aus dem Haus. Er muss garantieren, was in dem Ministerium in der Vergangenheit nicht selbstverständlich war: Professionalität.
Unspektakulär wirkt dagegen der Wechsel an der Spitze des Digitalministeriums. Dass ein 60 Jahre alter Staatssekretär sich schon allein wegen seines Alters mit der komplexen inhaltlichen Materie schwertut, ist eine glaubwürdig klingende Begründung für einen Abschied. Der Nachfolger hat mit seinen 37 Jahren die nötige „digitale Affinität“. Er war in der Wissenschaft und in einer internationalen Anwaltskanzlei erfolgreich. Dies erinnert an einen seiner künftigen Kollegen. Till Kaesbach, seit dem vergangenen Jahr Staatssekretär im Finanzministerium, kommt von der Aareal Bank. Vorher arbeitete der vierzigjährige promovierte Politikwissenschaftler in Berliner Ministerien und bei der Europäischen Kommission. Ministerpräsident Boris Rhein (CDU) hat ein paar junge, smarte Typen von außen für die Politik gewonnen. Ob sie neue Maßstäbe setzen?