André Schmidt, Ulrike Krieger
Mathias Gidsel wurde mit Dänemark Olympiasieger, Weltmeister und Europameister, mit den Füchsen Berlin Deutscher Meister. Fast alles hat der mehrfache Welthandballer erreicht. Dabei stand er kurz vorm kompletten Zusammenbruch. Das verrät er jetzt im Interview mit der „Frankfurter Allgemeine Zeitung“.
Zusammenbruch nach WM-Titel
Es war nach seinem Durchbruch bei der Weltmeisterschaft 2021 in Ägypten, die Dänemark mit dem Titel beendete. Gidsel erzählt: „Die halbe Nation saß vor dem Fernseher, jeder kannte meine Geschichte, jeder wollte etwas von mir, und ich habe zu allem Ja gesagt. Es hätte eigentlich die beste Zeit meines Lebens sein sollen. Aber irgendwann hatte ich einen Zusammenbruch. Ich habe angefangen, um sieben Uhr abends ins Bett zu gehen, ich saß allein in meiner Wohnung und habe geweint.“ Der plötzliche Ruhm, der öffentliche Druck – plötzlich war alles zuviel.
Er erzählt weiter: „Viele Leute haben gesagt: Such dir Hilfe, aber in den ersten ein, zwei Monaten habe ich immer noch gedacht: Lasst mich, das kann ich selbst regeln. Dann habe ich aber doch Hilfe gesucht, zum Glück. Ich habe meinen Mentaltrainer, den ich jederzeit anrufen kann.“
Denn er hat erkannt: „Da gibt es die Stimme A, dieser Typ, der alles mit seinem Instinkt macht, dem alles ganz leicht fällt. Und da ist Stimme B, der Typ, der über alles nachdenkt, der kommentiert und hadert, der auch die Einflüsse von außen wahrnimmt.“ Das zieht Energie. Er lernte, Stimme A zu stärken und sich weniger um Stimme B zu kümmern.

So dynamisch kennt man den Dänen auf der Handballplatte Foto: camera4
Inzwischen weiß er: „Ich muss Spaß haben, ich muss aggressiv sein, ich muss Energie zeigen. Diese Punkte checke ich manchmal während des Spiels. Und wenn ich merke, bei einem der Punkte stimmt etwas nicht, muss ich anfangen, etwas zu ändern. Ich weiß, wenn ich guten Handball spiele, dann wird es schwer, mich und mein Team zu schlagen. Aber das Ergebnis selbst nehme ich dafür aus der Gleichung raus.“
Am Freitagabend (19.30 Uhr) tritt Gidsel mit Dänemark im Länderspiel gegen Deutschland an. Am Sonntag in Köln (15.30 Uhr) gibt es das Rückspiel. Nach Informationen von SPORTBILD dann allerdings ohne den Superstar. So soll es jedenfalls mit den Füchsen Berlin abgesprochen sein, die ihren Viel-Spieler gerne frisch und gesund im Saison-Endspurt der Handball-Bundesliga hätten.