Unermüdlich freundlich und lächelnd bewegt sich Peter Brugger, der Sänger und Gitarrist der Sportfreunde Stiller, an diesem Abend in der Liederhalle durch die Show. Unentwegt geht er über die Bühne, tanzt mal im und mit dem Publikum, singt eine Hymne nach der anderen, und nimmt seine Band, die mitgebrachten Musikerinnen und Musiker und Backgroundsängerinnen mit auf einen wilden Ritt durch drei Jahrzehnte Sportfreunde-Stiller-Musik.

Nostalgie und auch ein bisschen Wehmut bei den Sportfreunden Stiller

Allen Grund, es schön krachen zu lassen, haben es er, „Flo“ und „Rüde“ auch, denn bei vollem Haus sind die Sportfreunde Stiller gekommen, um Geburtstag zu feiern – Musik aus 30 Jahren Bandgeschichte haben er und seine Bandkollegen Florian Weber (Schlagzeug) und Rüdiger Linhof (Bass) auf ihrer aktuellen Jubiläumstour mitgebracht.

Der Beethovensaal in der Liederhalle, in den rund 2000 Personen passen, ist proppen voll und eingeheizt, wofür auch die Vorband Bruckner schon gesorgt hat. Und dass es hier um Nostalgie und auch ein bisschen Wehmut geht, wird kurz vor Konzertbeginn schon klar, wenn Einspieler von Weezer, den Killers und Bon Jovis „Livin‘ on a Prayer“ zu hören sind.

Auch der VfB im Pokalfinale ist Thema beim Sportfreunde-Konzert

Unweigerlich gehen alle mit, wenn die „Sportis“ zurück an den Anfang der 2000er Jahre reisen und aus „all den wunderbaren Jahren“ singen, der Song, mit dem sie das Konzert eröffnen. „Ich, Roque“, „Wellenreiten ’54“, „I’m Alright“ und „Kompliment“ stehen auch auf der Liste. Aber auch ein paar aktuelle Songs stellen sie vor, wie „Ti Amo, Italiano“, und im Juni erscheint ihr Jubiläumsalbum „Happy Birthday“.

Als das Pokalfinale VfB gegen Bayern zur Sprache kommt, geht ein Raunen durch das Publikum. Foto: Lichtgut/Ferdinando Iannone

Und auch wenn am Freitagabend das Publikum irgendwann die Fußballhymne „’54, ’74, ’90, 2006“ anstimmt, spielen sie den Song nur an, um dann mehr in ihrem Indie-Rock zu bleiben. Fußballreferenzen gibt es aber trotzdem jede Menge, schließlich ist in der kommenden Woche Pokalfinale, VfB gegen Bayern München: „Seid ihr etwa alle Kickers-Fans hier?“, sagt Florian Weber irgendwann und geht dann dazu über, Vermutungen anzustellen, wer wohl den Pokal holen könnte. Dafür erntet er dann etwas lauteres Raunen, das sich aber glücklicherweise schon bald wieder auflöst.

Sportfreunde Stiller wirken gut angekommen in ihrer Bandhistorie

Mit Reggae und Ska, dann wieder Punk und Indie legt sich die Band, die ursprünglich aus Germering bei München kommt, nie ganz fest, und öffnet damit ihre Räume. Sie werden mal leise und dann wieder laut – das Publikum, fest im Griff, geht immer mit. Dann darf auch ihr Udo Jürgens Cover „Ich war noch niemals in New York“ nicht fehlen und Peter Brugger ruft „Danke für 30 Jahre Applaus, Applaus!“, zum gleichnamigen Song. Später lobt er dann auch mal den schönen Holzboden im Saal, auf dem es sich gut tanzen ließe.

Streicher, Bläser, ein Piano und Backgroundsängerinnen haben sie zur Verstärkung mitgebracht und mit Mario Radetzky einen zusätzlichen Live-Gitarristen. Es wirkt, als wären die Sportfreunde Stiller ganz gut angekommen mit und in ihrer Bandhistorie und vielleicht auch damit im Reinen. Am Schluss wird noch offenbar, dass Schlagzeuger Florian Weber das Singen einst im Kirchenchor lernte – der einzige, der hier wirklich singen könne, sagen sie und lachen. Das gibt er dann auch mit „Es muss was Wunderbares sein (von mir geliebt zu werden)“ zum Besten. Großer Jubel, große Verbeugung am Ende – ein großer Applaus, Applaus.

Setliste der Sportfreunde Stiller in der Liederhalle

  • Wunderbare Jahre
  • Ti amo, Italiano
  • Komm schon
  • Candlelight & Hardcore
  • Hymne auf dich
  • Frühling
  • Applaus Applaus
  • New York, Rio, Rosenheim
  • Wie lange sollen wir noch warten?
  • Keine Blumen ohne Regen
  • Genau so
  • 7 Tage, 7 Nächte
  • Du bist eine Bank
  • Ich, Roque
  • Ein Kompliment
  • I’m Allright!
  • Das Geschenk
  • Der Titel vom nächsten Kapitel
  • 1. Wahl
  • Wellenreiten ’54
  • Heimatlied
  • Tu nur, was dein Herz dir sagt
  • Lass mich nie mehr los
  • Es muss was wunderbares sein (von mir geliebt zu werden)
  • Fast wie von selbst

Mehr Eindrücke vom Sportfreunde-Stiller-Konzert in der Stuttgarter Liederhalle sind in der Bildergalerie zu finden.