Nach ukrainischen Angaben wurden zudem russische Ziele in Jejsk am Asowschen Meer sowie in den besetzten Gebieten in Luhansk und auf der Krim getroffen. Dabei handelte es sich demnach um ein Amphibienflugzeug Be-200 Altair, einen Ka-27-Hubschrauber, ein Flugabwehrsystem des Typs Pantsir sowie ein Frachtschiff, das Munition geladen haben soll. Moskau sprach von 355 abgefangenen Drohnen. Die Angaben beider Kriegsparteien lassen sich nicht unabhängig überprüfen.
Abzuwarten bleibt, wie eine Reaktion des Kreml aussehen könnte, sollte es der Ukraine gelingen, den Druck auf die russische Rüstungs- und Energieindustrie zu erhöhen. Auch von russischer Seite könnte eine neue Eskalation drohen: Schon jetzt steht Putin zunehmend mit dem Rücken zur Wand. Denn die Lage auf den Schlachtfeldern in der Ukraine entwickelt sich zuungunsten der Kremltruppen.
Russland droht – und kommt militärisch nicht voran
Laut den Analysten der US-Denkfabrik Institute for the Study of War haben die Ukrainer im April mehr Territorium zurückerobert als verloren. Demnach betrugen die Gewinne etwa 116 Quadratkilometer, also in etwa die Fläche der Müritz. Zudem konnte Russland dem Bericht nach den fünften Monat in Folge seine hohen Verluste an Soldaten (im April laut der Ukraine rund 35.000 Tote, Vermisste und Verletzte) nicht durch Neurekrutierungen ausgleichen.
Angesichts dessen sendet Moskau aktuell mehrere Signale, die wohl Eskalationspotenzial unterstreichen sollen. Einerseits drohte der Kreml im Zuge des „Tag des Sieges“ westlichen Botschaften in Kiew mit Angriffen und implizierte dabei Attacken mit der nuklear bestückbaren Oreschnik-Rakete.
Am Dienstag ließ Putin seine Militärs dann demonstrativ von einem gelungenen Test der neuen Atomrakete RS-28 Sarmat berichten. Sie solle Ende des Jahres in Dauereinsatz gehen, sagte er. Allerdings ist die angebliche Einsatzbereitschaft beider Raketentypen fraglich.
„Frage des politischen Willens“
Einschüchtern will sich die Ukraine davon nicht. Selenskyjs Bürochef, der ehemalige Geheimdienstleiter Kyrylo Budanow, sagte der „Times“ mit Blick auf die Möglichkeit eines russischen Atomangriffs: „Russland ist zweifellos in der Lage, jederzeit und aus jeder Entfernung einen Atomschlag durchzuführen.“ Moskau habe die Kapazitäten dazu. „Aber dies ist in erster Linie eine Frage des politischen Willens“, sagte er. „Ich habe keine Anzeichen für Vorbereitungen auf einen Atomschlag gesehen. Wenn es solche gäbe, wüsste ich davon.“
