Delegierte und Gäste sitzen zu Beginn des 130. Deutschen Ärztetages im Hannover Congress Centrum HCC.

Stand: 16.05.2026 12:15 Uhr

Medizinstudentinnen sind offenbar während des Deutschen Ärztetages von Kollegen sexuell belästigt worden. Das teilte unter anderem die Präsidentin der Ärztekammer Niedersachsen mit. Sie verurteilte solche Übergriffe.

Eine Gruppe von Studierenden hielt nach Angaben der Ärztekammer am Freitag eine Rede auf dem Ärztetreffen in Hannover – diese leitete demnach eine Debatte über Machtmissbrauch und sexueller Belästigung im Gesundheitswesen ein. In ihrem Vortrag habe die Gruppe von Situationen berichtet, die ihnen während des dreitägigen Ärztetags passiert seien. Dazu gehören, wie die Ärztekammer schildert, Kommentare über das Äußere der Studentinnen, ihre Ausschnitte, Hände auf Gesäß und Rücken, Einladungen auf Hotelzimmer und sexistische Gesprächssituationen.

Strukturelles Problem, keine Einzelfälle?

Zuerst hatte das „Deutsche Ärzteblatt“ über die Rede der Studentinnen berichtet, es hat außerdem die gesamte Erklärung der Studierenden veröffentlicht. Demnach wollten die Studentinnen mit ihrem Vortrag darauf hinweisen, dass es sich um ein strukturelles Problem in der Branche handele. Die von ihnen geschilderten Belästigungen seien keine Einzelfälle. Vom Publikum erhielten die Studentinnen laut „Ärzteblatt“ nach ihrer Rede Applaus und Standing Ovations.

Uns allen fünf weiblichen Mitgliedern unserer Delegation sind in den letzten drei Tagen Übergriffe passiert. Einige der hier Anwesenden haben sich uns und sicherlich auch anderen Personen gegenüber übergriffig und inakzeptabel erhalten.

Erklärung der Studentinnen laut „Ärzteblatt“

Ärztekammer-Präsidentin: „Absolut inakzeptabel“

Die Präsidentin der Ärztekammer Niedersachsen zeigte sich betroffen von den Schilderungen der Studentinnen. Sie sei „tief erschüttert und sprachlos“, teilte Marion Charlotte Renneberg am Freitag nach der Debatte mit. „Es ist absolut inakzeptabel, dass Frauen derart in ihrer Würde verletzt werden, indem man sie auf ihr Äußeres reduziert.“ Sexuelle Belästigungen und körperliche Übergriffe seien nicht mit dem ärztlichen Berufsethos vereinbar, betonte Renneberg. Sie kündigte an, dass Machtmissbrauch, sexualisierte Gewalt und Diskriminierung Kernthemen beim Ärztetag im kommenden Jahr werden.

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Umfrage deutet Ausmaß sexueller Belästigung an

Die Studentinnen trugen ihre Rede am letzten Tag des Ärztetags vor – das Treffen in Hannover ging am Freitag zu Ende. Bereits im Vorfeld hatte eine Umfrage des Marburger Bundes zu sexueller Belästigung unter Klinikärzten für Aufsehen gesorgt. Demnach hatte elf Prozent der befragen Klinikärztinnen und -ärzte in Niedersachsen in den vergangenen zwölf Monaten sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz erlebt.

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