Das Senckenberg Naturmuseum Dresden zeigt aktuell mit dem iNUVERSUMM eine Ausstellung über die faszinierende Welt der Insekten. Rund 20.000 Besucherinnen und Besucher haben die Ausstellung bereits gesehen – warum ein Besuch sich lohnt.
Das iNUVERSUMM – der Name spielt mit „Universum“ und „Summen“ und verdeutlicht die Bedeutung der vermeintlichen Plagegeister. Insekten stellen mit über einer Million Arten nicht nur den überwältigenden Anteil der Tierwelt, sie tragen auch die Masse und die Funktion vieler Ökosysteme. Sie bestäuben, zersetzen, recyceln, ernähren ganze Nahrungsketten. Insekten sind quasi unverzichtbar für den Lebensraum Erde und auch für das Überleben der Menschheit.
Die Ausstellung ist bewusst überschaubar gehalten: Statt Masse setzt sie auf Atmosphäre, immersive Interaktion und künstlerische Begleitung. Eine liebevoll gestaltete Ausstellung, die fachliches Wissen, historische Perspektiven, innovative Vermittlung und künstlerische Interpretation auf stimmige Weise verbindet.
Ein Nachtfalterkomitee und eine Konferenz der Insekten
Schon im Treppenaufgang wird klar, dass hier kein klassisches Naturkundemuseum wartet. Menschengroße Nachbildungen von Schmetterlingspuppen wirken wie archaische Objekte – irgendwo zwischen Naturform und Skulptur. Die eindrucksvollen Arbeiten der Künstlerin Sabine Emmerich erinnern tatsächlich an Sarkophage, und doch fühlt man sich auch eingeladen, im „Nachtfalterkomitee“ seine eigene Metamorphose zu finden.
Das „Nachtfalterkomitee“ von Sabine Emmerich, v.l.n.r.: Englischer Rundstirnfalter, Gelbband-Langhornmotte, Haseleule und Windenschwärmer. © Emmerich
In der Ausstellung lässt Emmerich seidenpapierbespannte Insektenkörper von der Decke schweben – die „Konferenz der Insekten“. Sie werfen eindrucksvolle Schatten an die Wände und lassen Besucherinnen und Besucher förmlich in den Mikrokosmos eintauchen. Emmrich zielt bewusst auf den Schwarz-Weiß-Kontrast des Schattenspiels und lenkt den Fokus so auf die außergewöhnlichen und vielfältigen Formen der Insekten. Worüber sie wohl konferieren?
Eine Zeitreise von der Entdeckerzeit bis zur digitalen Gegenwart
Originale Präparate zeigen das farbliche Feuerwerk der insektischen Evolutionsgeschichte – natürlich ästhetische Meisterwerke jenseits menschlicher Kunst. In klassischen Holzregalen begegnet man ihnen, fein säuberlich angeordnet – eine Reminiszenz an die große Zeit der Naturforschung. Hier wird deutlich, wie lange der Mensch schon versucht, die Vielfalt dieser Tiergruppe zu erfassen. Die Exponate wirken wie kleine Zeitkapseln: Sie erzählen von Forschergeist und Sammelleidenschaft zu Johann Christian Senckenbergs Zeiten (1707–1772).
Doch gleich daneben öffnet sich eine völlig andere Dimension. Hochauflösende Makroaufnahmen zeigen Insektenköpfe in einer Detailtiefe, die fast surreal wirkt. Facettenaugen schimmern in Blau und Grün, filigrane Strukturen erscheinen wie biomechanische Kunstwerke. Was mit bloßem Auge oft unscheinbar wirkt oder im Alltag einfach zu schnell davonflattert, entfaltet hier eine überwältigende visuelle Kraft.
Interaktives Erlebnis durch immersive Medieninszenierungen. © Space Edge
Digitale Stationen und interaktive Animationen ergänzen die Ausstellung. Besucher können ökologische Zusammenhänge entdecken, etwa in einer immersiven Simulation von Lebensräumen an Gewässern. Besonders für Kinder und Schulklassen – die hier gezielt angesprochen werden – entsteht so ein spielerischer Zugang zu komplexen Themen.
Können Insekten eigentlich denken?
Eine der spannendsten Fragen, welche die Ausstellung aufwirft, lautet: Haben Insekten ein Bewusstsein? Lange galt ihr Verhalten als rein instinktgesteuert. Doch neuere Forschungen zeichnen ein anderes Bild. Insekten können lernen, sich erinnern und sogar Entscheidungen treffen. Sie vermeiden Schmerz und zeigen Ansätze von vorausschauendem Verhalten.
Weinschwärmer: Abschreckungsstrategien gegen Fressfeinde. © iNUVERSUMM
Eine kleine, aber eindrückliche Geschichte veranschaulicht diese Erkenntnisse besonders gut: die Erzählung eines japanischen Jungen, der Raupen fütterte und später bemerkte, dass die daraus geschlüpften Schmetterlinge auf ihm sitzen blieben. In Experimenten konditionierte er die Tiere auf bestimmte Gerüche – und stellte fest, dass die Erinnerung offenbar über die Metamorphose hinweg erhalten blieb. Eine Geschichte, die fast märchenhaft klingt und doch einen realen wissenschaftlichen Kern hat.
Vielfalt in Gefahr – und was wir tun können
So ästhetisch und faszinierend die Ausstellung ist, sie verliert nie ihren ernsten Kern aus dem Blick. Insekten sind zwar die artenreichste Tiergruppe der Erde – mit über einer Million beschriebener Arten. Aber gleichzeitig sind viele von ihnen bedroht.
Das Projekt iNUVERSUMM stellt daher auch die Frage: Was können wir konkret tun, um diese Vielfalt zu erhalten? Zunächst müssen wir verstehen, was wir schützen wollen. Genau hier setzt iNUVERSUMM an.
Die Ausstellung läuft im Japanischen Palais Dresden noch bis 16. August 2026.
Jeder kann Teil vom iNUVERSUMM werden, um den Insekten zu helfen!
https://inuversumm.de/ gibt dazu wertvolle Praxistipps.